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Bad Kissingen
Winterzauber

Prager Entdeckungen in Bad Kissingen

Dirigent Petr Vronský und "Teufelsgeiger" Jirí Vodicka machen das Abschlusskonzert zu einer Verbeugung an die Musik aus den slawischen Ländern
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Brillianter Auftritt: Solist Jirí Vodicka und Dirigent  Petr Vronský.  Werner Vogel
Brillianter Auftritt: Solist Jirí Vodicka und Dirigent Petr Vronský. Werner Vogel

Das Abschlusskonzert ist inzwischen ein gesellschaftliches Ereignis. Das Programm verspricht Juwelen klassischer Musik, da muss man dabei sein und so war es auch in diesem Jahr: Hochgestimmte Gäste, ein voller Max-Littmann-Saal und Musik, die berührt und anregt. In diesem Jahr mit dem Symphonieorchester des Nationaltheaters Prag und Petr Vronský, der für den erkrankten Gerd Schaller einsprang. Was eigentlich kein Problem sein sollte, denn der Dirigent arbeitet seit vielen Jahren mit dem Orchester. Zudem dirigiert Vronský in einer klaren, freudig anregenden Körpersprache, aber bei der Ouvertüre zu "Nabucco" fremdelt man. Pathetisch, fast wuchtig der Gesamteindruck. Das Blech deckt die Streicher zu, die Pauke unterstützt das noch. Nein, der Verdi war heute nicht das Ding der Prager.

Tanzende Kobolde

Das ändert sich aber schon beim nächsten Stück, ist das Orchester jetzt aufmerksamer Begleiter bei einem staunenswerten Auftritt des Jirí Vodicka, der das Rondo Capriccioso von Camille Saint-Saëns nicht nur kapriziös, sondern überaus kokett spielt, seinen Bogen auf der Violine vorwitzig tanzen lässt. Und schon springt der Funke auf das Publikum über. Jetzt steht Smetana auf dem Programmzettel: "Furiant" aus der "verkauften Braut" Da sind die Prager doch eher zuhause, das fließt. Noch immer die Streicher ein wenig blass, aber die Holzbläser, vor allem das Fagott, formulieren die Melodien schwungvoll böhmisch. Dann tanzen die Kobolde! Losgelassen von phänomenaler Fingerfertigkeit des Jirí Vodicka. Mit solchen Parforceritten wie das "La Ronde des Lutins" von Bazzini, hatte einst Nicoló Paganini seinen Ruf als Teufelsgeiger erworben. Aber müssen Teufelsgeiger nicht sexy sein? Wie der diabolische Paganini? Tatsächlich steht im Max-Littmann- Saal ein teuflisch gutaussehender junger Geiger und spielt eine höllisch heiße Violine. Dazu bei aller Virtuosität, welch eine Leichtigkeit! Jubelstürme des Publikums. Man will den "David Garett in schwarz" nicht von der Bühne lassen.

Höllisch heißer Nachtisch

Der Beifall wird aber wieder auf normal heruntergekühlt bei Rossinis Ouvertüre zum "Barbier von Sevilla". Wo bleibt die Lebensfreude? Und das mit der Pauke ist nicht abzustellen. Aber dann kommt ja auch schon wieder der Jirí. Beklatscht, bejubelt, noch bevor er den Bogen in die Hand nahm. Die Melodien im Geiste mitsummend, hört das Publikum bei Sarasates Carmen Phantasie, den Torero einziehen, sieht loderndes Feuer in den Augen der eifersüchtigen Zigeunerin. Vodicka weiß das unglaublich mitreißend auszudrücken. Jetzt tanzt der Bogen bei der Tarantella zwar immer noch, aber es wird auch mit sattem Strich das spätere Unglück erlebbar. Ovationen und natürlich eine Zugabe. Aber so sind sie, die Teufelsgeiger: Nur eine winzig kleine Bagatelle gibt es als Nachschlag. Dafür irrwitzig furios. Das Gesprächsthema in der Pause ist Jirí Vodicka.

Ansprechender Tschaikowsky

Die vierte Symphonie gehört zu den weniger bekannten Werken des russischen Großmeisters, in der er seiner Mentorin die unglückliche Liebe zu einer Balletttänzerin schildert. Den lyrischen zweiten Satz gestalten die Prager Musiker überzeugend ausgewogen. Ausdrucksstar das Oboensolo, durchgängig überzeugend die Holzbläser, ganz bemerkenswert das Fagott. Da ist sie, die Harmonie zwischen Dirigent und Orchester. Das ist die Welt des Petr Vronský, wenn er seinen Taktstock auf die Seite legt, keine Noten braucht, mit Blick und Gestik die Richtung vorgibt. Auch das Volksfest, das mit einem Pizzicato der Streicher durch den dritten Akt huscht, lädt zum Mitfeiern ein.

So wird es doch noch eine überzeugende Symphonie und dann wollen wir das mit der Pauke wir auch vergessen. Das Publikum dankt herzlich. Dafür gibt's Zugaben. Antonín Dvoráks "Slawischer Tanz Nr. 10". Jetzt blüht das Orchester so richtig auf, das öffnet die Herzen der Zuhörer und die dürfen - das Neujahrskonzert lässt grüßen - dann auch bei Brahms "ungarischem Tanz" mitklatschen. Der Saal steht auf und verabschiedet Musiker und den Winterzauber sehr stürmisch.

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