Maria Bildhausen
Behinderteneinrichtung

Politik beschert Kloster Maria-Bildhausen riesige Probleme

Das Dominikus-Ringeisenwerk muss wegen geänderter Vorgaben voraussichtlich rund zehn Millionen Euro investieren. Um die bestehenden Gebäude zu erhalten, soll Maria Bildhausen eigenständiger Stadtteil werden und möglichst ins Dorferneu- erungsprogramm aufgenommen werden.
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Das Kloster Maria Bildhausen von oben. Das Dominikus-Ringeisenwerk möchte die Anlage als eigenen Stadtteil sehen.  Foto: Stefan Dittmann
Das Kloster Maria Bildhausen von oben. Das Dominikus-Ringeisenwerk möchte die Anlage als eigenen Stadtteil sehen. Foto: Stefan Dittmann
So außergewöhnlich wie der Tagungsort war auch der Anlass. Bürgermeister Helmut Blank (CSU) hatte zuvor den Gesamtleiter der Einrichtung für Menschen mit Behinderungen in Maria Bildhausen, Rainer Waldvogel, gebeten, Tacheles zu reden. Und das tat er bei der Stadtratssitzung im Abteigebäude von Maria Bildhausen auch. Gute Nachrichten sehen anders aus.

Es gehe um Planungssicherheit für die Stadt und das Dominikus-Ringeisenwerk, sagte der Bürgermeister zu Beginn der Sitzung. Und damit meinte er Geld. Er nannte auch andere mögliche Investitionen der Stadt wie Stadtumbau, Hallenbad, oder Kindereinrichtungen, die dann möglicherweise wegfallen würden.

"Wir fühlen uns wohl in Münnerstadt", begann der Gesamtleiter. Konvention sei für ihn die Steigerung des Wortes Veränderung. Und eben diese Veränderungen stehen massiv an.
"Die haben alles, die schwimmen im Geld", sei eine landläufige Meinung über die Behinderteneinrichtung. "Dabei sind wir sozialpolitisch angefragt, besser angezählt worden", sagte er. Hintergrund sei eine Aussage von Staatsministerin Christine Hadertauer, dass Schlösser und Klöster nicht für die Betreuung von Menschen mit Behinderungen geeignet seien. Das stimme ihn sehr traurig. Seit 115 Jahren besteht die Einrichtung nun schon hier. "Wir würden auch gerne weiter bleiben."

Der Gesamtleiter verwies auf die vielen historischen Gebäude, wie beispielsweise das Abteigebäude, der auch die ehemalige Mühle. Diese alle müssten erhalten bleiben, seien aber nicht bewohnt.
In Maria Bildhausen gibt es 300 Arbeitsplätze, führte er fort. Er wolle keine Angst verbreiten, es gehe darum, diese Arbeitsplätze zu sichern. "Ich will nur auf die regionalökonomische Bedeutung hinweißen."

Zusammen mit dem stellvertretenden Gesamtleiter, Michael Nowotny, stellte Rainer Waldvogel den Stadträten und Besuchern die Einrichtung vor. Dabei kam auch der starke Rückgang von Schwestern der St. Josefskongregation zur Sprache. Die Kongregation hat mehrere Gebäude der Stiftung (Dominikus-Ringeisenwerk) überschrieben. Ausführlich ging Michael Nowotny auf die verschiedenen Bereiche ein, insbesondere die selbst geschaffenen Arbeitsplätze, um von industriellen Aufträgen unabhängig zu sein.

Neue Regelungen

Dann kamen die Hiobsbotschaften. Um es kurz zu machen: Zuständig für die Unterbringung von Menschen mit Behinderungen ist nicht mehr der Bund, sondern der Freistaat. Und der hat Gesetze und Rechtsverordnungen erlassen. Beispielsweise muss ein Einzelzimmer künftig 14 Quadratmeter groß sein, statt bisher zwölf. Weil aber der Schwenkbereich der Tür nicht als Wohnraum gilt, müssen es schon 15,6 Quadratmeter sein. Doppelzimmer brauchen 20 Quadratmeter, Mehrbettzimmer sind verboten. "Das hört sich harmlos an, uns als Träger stresst das", sagte Rainer Waldvogel. Und:  "Wir sind Lichtjahre davon entfernt." Um den Vorgaben bei gleicher Bewohnerzahl zu entsprechen, müsste das Dominikus-Ringeisenwerk zehn Millionen Euro investieren. "Das schaffen wir nicht", betonte der Gesamtleiter. Erste Gespräche bezüglich finanzieller Unterstützung gab es bereits. Rainer Waldvogel stellte bereits mögliche Investitionslösungen vor, wie die Errichtung der Wohneinrichtung durch Privatinvestoren und langfristige Anmietung durch den Betreiber. Auch für die leer stehenden Gebäude müsste eine Nutzung gefunden werden.

Auch wenn es bei der Sitzung ein wenig unterging: Mit dem möglichen Umbau des Wohnbereichs mit Investitionen in Höhe von bis zu zehn Millionen Euro hat die Stadt Münnerstadt direkt erst einmal nichts zu tun. Das ist Sache des Dominikus-Ring eisenwerkes, das sich nun auf die Suche nach Geldgebern machen muss. Rainer Waldvogel erläuterte, was ihm am Herzen liegt: Die Stadträte sollten Maria Bildhausen als eigenen Stadtteil sehen und nicht nur als Wohnort von Menschen mit Behinderungen. "Wir wollen einen Sitz im Stadtrat", betonte der Ortssprecher. Rainer Waldvogel brachte auch den Klostergasthof ins Spiel, der mehr Gäste vertragen könnte. Man müsse Interessenten die Möglichkeit geben, in Maria Bildhausen zu wohnen.

Die Stadt kann sich auch in anderen Dingen einbringen. Als Stichwort nannte die Gesamtleitung die Dorferneuerung. Die vielen historischen Gebäude instand zu setzen, das schaffe die Stiftung einfach nicht. Das Geld für die Betreuung könne dafür ja auch nicht verwendet werden. Wenn Maria Bildhausen als eigenständiger Stadtteil ins Förderprogramm käme, würden Zuschüsse fließen.

In die Hände der Stadt

Das gesamte Klostergelände ist heute in Privatbesitz (Stiftung und Kongregation). Das trifft auch auf die Wasserleitungen, Kanäle, Plätze und Straßen zu. In allen anderen Stadtteilen sind diese Dinge im Besitz der Stadt (außer Kreisstraßen usw.), die auch für den Unterhalt aufkommen muss. Im Hauptsitz des Dominikus-Ringeisenwerkes, im schwäbischen Kloster Ursberg, sind diese Dinge auch in der Hand der Kommune.

Später führte Rainer Waldvogel ein simples Beispiel an, das die Situation in Maria Bildhausen verdeutlicht: die Klostermauer. Sie muss ständig ausgebessert werden, droht an einer sensiblen Stelle sogar einzustürzen. Das verschlingt eine Menge Geld. "Und es bringt nichts."

Maria Bildhausen sei derzeit Bestandteil von Kleinwenkheim, sagte der Bürgermeister. "Ob es als eigener Stadtteil betrachtet werden kann, ist eine Rechtsfrage, die wir klären müssen." Geprüft werden auch die Voraussetzungen für eine Übernahme von Wasser, Kanal und Straßen.

Für das Münnerstädter Heimatspielhaus seien auch nur Fördermittel geflossen, weil die Stadt als Maßnahmenträger aufgetreten sei, betonte der Bürgermeister. Das wäre dann auch beim Dorferneuerungsprogramm in Maria Bildhausen so. Der Bürgermeister gab jedoch zu bedenken, dass es nur Zuschüsse gibt, wenn die Stadt sich beteiligt.

"Wir haben heute völlig neue Töne gehört", fand 2. Bürgermeister Norbert Reiter (CSU). Wenn es darum geht, über die Stadt an öffentliche Mittel heranzukommen, werde keiner etwas dagegen sagen. Aber: 2013 stünden hohe Investitionen im Bereich der Kindergärten an. Nicht einmal dafür werde das Geld ausreichen.

Mehr als 200 000 Euro hat der Förderverein Maria Bildhausen seit seiner Gründung 2002 eingebracht, sagte Vorsitzender und Altlandrat Herbert Neder. Dieses Geld sei aber auch nicht für bauliche Maßnahmen bestimmt, sondern müsse den Heimbewohnern zugute kommen.

Nicht aus eigener Kraft

Zu den anstehenden Investitionen sagte er, dass dies Maria Bildhausen und auch Ursberg nicht aus eigener Kraft schaffen könnten. Voraussichtlich Anfang des nächsten Jahres werde es dazu ein Gespräch mit den zuständigen Politikern geben. "Das wichtigste ist die Finanzierung" betonte der Vorsitzende. Und weiter: "Diese Einrichtung hier muss erhalten und ausgebaut werden, wenn sie langfristig erhalten werden soll."
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