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Bad Kissingen
Fachkräftemangel

Pflege im Landkreis Bad Kissingen: Ein leer gefegter Arbeitsmarkt

In der Pflege herrscht akuter Mangel an Mitarbeitern. Der Landkreis Bad Kissingen ist ein Brennpunkt in der Region. Es gibt viel mehr offene Stellen als Fachkräfte.
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Der Bedarf an Fachkräften in den Pflegeberufen wächst ständig.  Einrichtungen würden neue Mitarbeiter einstellen, wenn der Arbeitsmarkt dies hergeben würde.Heike Beudert
Der Bedarf an Fachkräften in den Pflegeberufen wächst ständig. Einrichtungen würden neue Mitarbeiter einstellen, wenn der Arbeitsmarkt dies hergeben würde.Heike Beudert

Auf 100 freie Stellen im Bereich der Altenpflege kommen im Landkreis 24 Arbeitslose. Minimal besser ist die Statistik bei den medizinischen Gesundheitsberufen in der Krankenpflege mit 27 Arbeitssuchenden auf 100 freie Stellen. Dies sind die Zahlen der Agentur für Arbeit für den Landkreis Bad Kissingen. Die Realität stellt sich dabei noch schwieriger dar als die reinen Zahlen. Denn die Statistik sagt nichts darüber aus, ob das Stellenprofil auch auf jeden Bewerber passt. Thomas Stelzer, der Vorsitzende der Geschäftsführung in der Arbeitsagentur Schweinfurt, spricht von einer Extremsituation im Pflegebereich.

Der Mangel ist im Landkreis Bad Kissingen noch ausgeprägter als im gesamten Agenturbezirk. Das liegt auch an der Struktur des Landkreises.

Die angespannte Lage hat also auch etwas mit der demographischen Entwicklung zu tun. Denn die Zahl der Beschäftigten in den Pflegeberufen ist gestiegen. Im Bereich der Arbeitsagentur arbeiten 30 372 Männer und Frauen in diesem Sektor, aktuell sind das 656 mehr als 2019. Im Vergleich zu vor zehn Jahren ist die Beschäftigtenzahl um 33 Prozent gestiegen.

Der Bedarf wächst noch extremer, ist Thomas Stelzer überzeugt. Die geburtenstarken Jahrgänge kommen jetzt erst in ein Alter, in dem die Wahrscheinlichkeit steigt, dass eine Pflegebedürftigkeit kommt. So werden immer mehr Pflegekräfte gebraucht; der Markt hält da nicht mit. "Wir sind im Unterzucker", stellt Thomas Stelzer fest. Zur Zeit braucht es - rein statistisch gesehen - 268 Tage, um eine freie Stelle in einer Pflegeeinrichtung/Krankenhaus zu besetzen.

"Es gibt keinen Arbeitsmarkt mehr", bestätigt Marco Schäfer, der Vorstand der Carl´von Hess´schen Stiftung; die Stiftung des Landkreises betreibt sieben Seniorenheime verteilt auf den ganzen Landkreis. Seit Jahren gebe es die Tendenz, dass frei werdende Stellen immer schwerer zu besetzen sind. Schäfer bezeichnet die Lage als prekär, auch wenn seiner Auskunft nach die Stiftung personalbedingt in ihren Häusern noch keine Betten leer stehen lassen muss. Der derzeitige Belegungsstopp im Hammelburger Maria-Probst-Heim sei nicht verursacht durch einen Pflegekraftmangel, betont Marco Schäfer.

Die Stiftung selbst versuche über die Ausbildung eigenen Nachwuchses und über ausländische Mitarbeiter die Lücken zu füllen, die über den Arbeitsmarkt nicht mehr besetzt werden können. Über 20 Mitarbeiter aus dem Ausland wurden in den vergangenen Jahren integriert. Das erfordere zwar einen hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand, aber es sei wichtig für die Heime, sagt Marco Schäfer.

Die Carl´von Hess´sche Stiftung hat nach Angaben Schäfers immer wieder Anfragen von Gemeinden und Investoren, ob sie im Landkreis die Trägerschaft für weitere Einrichtungen der Altenpflege übernimmt. Die Stiftung sieht sieht momentan davon ab. Einziger Grund: die fehlenden Pflegekräfte. "Denn der Bedarf wäre da", weiß Marco Schäfer.

Angespannt ist auch die Situation in der ambulanten Pflege. Das betont Anne Hilpert, die Geschäftsführerin der Caritas im Landkreis. Seit rund einem halben Jahr verschärft sich die Situation zunehmend. Es sind vor allem Leitungs- und Pflegefachkräfte, die immer schwerer zu finden sind, sagt Hilpert. Früher sei es Leitsatz der Caritas gewesen, dass keine Pflege-Anfrage abgelehnt wird. Mittlerweile können die sechs Caritas-Sozialstationen im Landkreis nicht mehr grundsätzlich diese Zusage machen. Durch den Pflegekraftmangel werde die Überbrückung von Krankheitszeiten zur Herausforderung, erklärt Anne Hilpert.

Die Caritas setzt ebenfalls auf Qualifizierung von Mitarbeitern, um den Fachkräftemangel abzumildern. Bei solchen Qualifizierungen ist die Arbeitsagentur mit im Boot, die große Hoffnungen in diese Strategie setzt. Thomas Stelzer ist überzeugt: Die Pflege ist ein gutes Beschäftigungsfeld. Er findet auch, ausgebildete Pflegefachkräfte in Bayern seien gar nicht so schlecht bezahlt. Der Durchschnittslohn liege beim Altenpfleger/in in Bayern bei 2875 Euro brutto und beim Krankenpfleger/in bei 3313 Euro.

Für Frauen, die wieder ins Berufsleben einsteigen möchten, sieht er gute Chancen. Die Qualifizierungsmöglichkeiten reichen vom Alltagsbegleiter über den Pflegehelfer bis hin zur Pflegefachkraft und Heimleitung. Die Pflege biete somit gute Aufstiegsmöglichkeiten, betont Stelzer. "Für eine Ausbildung ist es nie zu spät", erklärt Anne Hilpert und denkt auch an Männer und Frauen jenseits der 40.

Einen erhöhten Fachkräftebedarf hat auch das Helios-Krankenhaus Bad Kissingen, so eine Stellungnahme. Mitarbeiter werden in verschiedenen Bereichen gesucht. Dennoch sieht sich die Klinik auf einem guten Weg. "Insbesondere durch das am Standort vorhandene Helios Bildungszentrum kann der Personalstock auf einem vergleichbar guten Niveau gehalten werden", so die schriftliche Stellungnahme.

Aktuell gebe es eine steigende Anzahl von Bewerbungen im Vergleich zu den Vorjahren. "Auch wenn wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ganz am Ziel sind, befinden wir uns auf einem guten Weg und arbeiten täglich darauf hin", so Stefanie Noe von der Pressestelle der Klinik . Wichtig sei vor allem, dass die Entlastung bei den Mitarbeitern spürbar ankommt.