Bad Kissingen
Landratsamt

Personalkarussell im Landratsamt

Der bisherige Sprecher des Landrats, Stefan Seufert, leitet in Zukunft die Koordinierung aller Asylangelegenheiten. Seine Stabsstelle übernimmt Jürgen Metz mit.
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Im Landratsamt ist Stühlerücken angesagt. Foto: Archiv
Im Landratsamt ist Stühlerücken angesagt. Foto: Archiv
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40 Seiten umfasst der so genannte Geschäftsverteilungsplan des Landratsamtes Bad Kissingen. Darin sind die Namen und Aufgaben sämtlicher Abteilungs- und Sachgebietsleiter beschrieben. Hinter den Kulissen hat sich in dieser Übersicht in den vergangenen Wochen einiges getan, auch wenn der Plan im Internet (siehe Link unten) das bisher noch nicht widerspiegelt. Wichtigste Veränderung: Nach 24 Jahren als Sprecher des Landrats managt Stefan Seufert den Flüchtlingsstrom in den Landkreis: "Da entsteht ein höherer Koordinationsaufwand", begründet Landrat Thomas Bold (CSU) seine Entscheidung.

"Nicht zusätzlich machbar"

Stefan Seufert war 1990 von Bolds Vorgänger Herbert Neder aus dem Jugendamt geholt und als Sprecher des Landrates eingesetzt worden. Später erhielt er das Sachgebiet 10, Hauptverwaltung, hinzu. Im Frühjahr wurde dann Melanie Hofmann neu für die Öffentlichkeitsarbeit eingestellt. Zuständig war sie zunächst vor allem für die Betreuung der sozialen Netzwerke.
Bereits seit dem Sommer koordiniert Stefan Seufert die Suche nach neuen, dezentralen Unterkünften für Asylbewerber. Bislang war das eine Aufgabe von Nadine Bock, Leiterin der Abteilung "Kommunales und Soziales". Die kehrte jedoch Ende Oktober zurück zur Regierung von Unterfranken, eine Nachfolgerin ist zwar benannt, auf Grund stetig steigender Flüchtlingszahlen und wegen seiner guten Vernetzung soll Seufert jedoch das Thema Asyl behalten. "Das ist zusätzlich zu den bisherigen Aufgaben nicht machbar", begründet Bold die Umstrukturierung. Und Stefan Seufert ergänzt auf Nachfrage: "Das ist eine herausfordernde Aufgabe mit vielen spannenden Begegnungen."

Metz als neuer starker Mann

Im neuen Organigramm sind nun die bisherigen Stabsstellen "Büro des Landrats" sowie "Kreisentwicklung und Wirtschaftsförderung" zu einer neuen Stabsstelle mit dem Zusatz "Öffentlichkeitsarbeit" zusammengefasst. Zum Leiter dieses Sachgebietes, das direkt dem Landrat unterstellt ist, hat Bold den Singenrainer Jürgen Metz ernannt. Ausgestattet ist die Stabsstelle mit insgesamt 14 Mitarbeitern. Neue Pressesprecherin ist seit kurzem Melanie Hofmann.
"Ich freue mich über das Vertrauen und die neuen Aufgaben", sagt Metz, der gleichzeitig 3. Bürgermeister in Schondra ist. "Unser Ziel ist, Altbewährtes beizubehalten und uns trotzdem in den neuen Medien zu positionieren." Aus seiner Sicht stellt sich der Landkreis Bad Kissingen damit ähnlich auf wie andere Kreise. Die Kombination sei sinnvoll, denn: "Viele Themen im Bereich Kreisentwicklung haben viel Öffentlichkeitswirkung." Die Frage, ob er als Leiter der neuen großen Stabsstelle im Landratsamt auch Ambitionen zu einer politischen Karriere hat, lässt Metz offen: Das sei "nicht aktuell".
Auch in anderen Abteilungen tut sich viel: So verlässt etwa Kämmerer Peter Schläger zum Jahresende das Landratsamt in Richtung Stadt Schweinfurt, mehrere Sachgebietsleiter gehen in Ruhestand. Trotz Fluktuation dürfte sich jedoch der Frauenanteil bei den Sachgebietsleitern nicht erhöhen: Auf 17 Männer kommt im neuen Organigramm nur eine Frau, nämlich Andrea Hartmann im Bereich Baurecht. "Das ist aus der Vergangenheit heraus eine starke Männer-Domäne", erklärt das Landrat Bold, und: "In der Altersgruppe 50 plus gibt es so gut wie keine Frauen mit der entsprechenden Qualifikation."

Für etliche Kreisräte kamen die Personalveränderungen im Landratsamt (siehe Titelseite) durchaus überraschend, alte Hasen, wie der CSU-Fraktionssprecher Siegfried Erhard dagegen wussten längst bescheid - auch wenn er gerade erst lange in Urlaub war. "Das hat sich ja so angekündigt", kommentiert er die Neubesetzung der wichtigsten Stabsstelle von Landrat Thomas Bold und den Wechsel von Stefan Seufert. Dass etliche Stellen in diesem Jahr ganz ohne Ausschreibung besetzt wurden, sei ebenfalls nicht ungewöhnlich. "Gerade bei der Pressesprecherin ist das Sache des Landrates", nennt Erhard als Beispiel.

Gleichviele Beschäftigte

Den niedrigen Frauenanteil in den Führungspositionen sieht Erhard als Ergebnis einer längeren Entwicklung. Aber er ist sich sicher: "Frauen rücken sehr stark nach." Von Amts wegen kümmert sich die Gleichstellungsstelle als Stabsstelle um dieses Thema. Die bisherige Gleichstellungsbeauftragte Nadine Bock hat das Landratsamt allerdings verlassen, ihre Nachfolgerin ist noch nicht da, deshalb ist Melanie Schäfer aus dem Jugendamt derzeit kommissarisch für diesen Bereich zuständig. "Das muss sich erst einmal umstellen", geht auch sie davon aus, dass mehr Frauen im gehobenen Dienst nachrücken. Details dazu würden im neuen Gleichstellungskonzept (siehe Info-Kasten) aufgelistet, das Nadine Bock zwar noch erarbeitet hat, aber im Dezember offiziell im Kreistag vorgestellt wird.
Im noch gültigen Gleichstellungskonzept ist dokumentiert, dass die Hauptverwaltung 2007 fast genau gleichviele weibliche und männliche Beschäftigte hatte: 167 Frauen und 166 Männer waren es damals, darunter allerdings nur 26 Beamtinnen gegenüber 86 Beamten. Bei den vier Abteilungsleitern gab es damals zwei Frauen und zwei Männer, bei den Sachgebietsleitern dagegen war das Verhältnis 2:17.

"Deutlich unterrepräsentiert"

"Im Kernbereich der Verwaltung sind Frauen ab Entgeltgruppe 9 sowie im mittleren, gehobenen und höheren Beamtendienst und auch in den Leitungs- und Führungspositionen deutlich unterrepräsentiert", lautet das Ergebnis im Gleichstellungskonzept. Mögliche Ursachen werden viele benannt: Weniger Bewerberinnen gehören ebenso dazu wie die Eingliederung ehemaliger - meist männlicher - Zeitsoldaten, aber auch ein "berufsspezifisches Rollenverständnis". Immerhin werden Frauen bei der Bewerbung um Fortbildungen bevorzugt.
Personalratsvorsitzender August Weingart erklärt den niedrigen Frauenanteil bei Führungskräften "aus der Historie heraus". Allerdings gebe es Anzeichen für eine Änderung: "In den Stellvertretungen gibt es schon jetzt mehrere Frauen", verweist er auf die Sachgebiete. Dass etliche extern besetzte Stellen in jüngster Zeit nicht ausgeschrieben wurden, gehe auf eine Vereinbarung aus dem Jahr 2012 mit dem Personalrat zurück. Es gebe drei Pools im Landratsamt: den mit internen Bewerbungen, den für Führungskräfte und einen für Initiativbewerbungen. Vorrang hätten immer interne Bewerber, ansonsten werde ausgeschrieben, "wenn sich aus den in den Pools befindlichen Personen nicht die gewünschte Qualität finden sollte". Das bestätigt auch Landrat Bold: "Wenn wir qualifizierte Bewerbungen haben, schreiben wir nicht aus."
"Es sollte grundsätzlich öffentlich ausgeschrieben werden", stört sich die Stellvertretende Landrätin Monika Horcher (Grüne) an dem Vorgehen. SPD-Fraktionssprecher Wolfgang Görner dagegen kennt es als ehemaliger Schulleiter: In Schulen würden bei Engpässen auch Bewerber zum Teil kurzfristig vorgezogen. Nicht beschäftigt habe er sich mit dem niedrigen Frauenanteil: "Ich denke, dass da keine böse Absicht dahinter steckt", meint Görner. Monika Horcher, selbst ehemalige Gleichstellungsbeauftragte, bedauert, dass Frauen wegen Erziehungszeiten leider "oft hinten dran" seien. "Die Männer müssten halt genauso selbstverständlich daheim bleiben", würde sie sich wünschen. Aber Frauen müssten ihre Rechte auch einfordern: "Leider trauen sich Frauen solche Posten oft auch gar nicht zu."

Struktur Das Landratsamt Bad Kissingen ist in vier Abteilungen aufgeteilt, die jeweils unter der Leitung eines Juristen stehen. Jeder Abteilung unterstehen die sogenannten Sachgebiete. Daneben gibt es drei Stabsstellen, die direkt dem Landrat unterstehen.

Personalia Für die bisherige Leiterin der Abteilung "Kommunales und Soziales", Nadine Bock, die zur Regierung wechselte, kommt ab Montag Melanie Spatz. Neuer Leiter des Sachgebietes Hauptverwaltung ist Jürgen Bischoff, der von der Stadt München kam.

Info Einsehen kann den Geschäftsverteilungsplan jeder unter www.lkkissingen.rhoen-saale.net/fileServer/ LKKG/ 2000/23169/ GVP_01_09_2014.pdf. Noch ist dort jedoch der alte Plan mit Stand 1. September hinterlegt.

Grundlage Das neue Bayerische Gleichstellungsgesetz trat 1996 in Kraft und soll den Frauenanteil in Behörden erhöhen und Chancengleichheit sichern. Das Landratsamt Bad Kissingen erstellte 1997 zum ersten Mal ein Gelichstellungskonzept, 2007 gab es die dritte und bislang letzte Fortschreibung. Das Konzept listet die Personalsituation in den Bereichen Hauptverwaltung, Kommunalunternehmen, Kreisomnibusbetrieb und Straßenmeisterei, Stiftungsaltenheime und Berufsbildungszentrum auf.

Maßnahmen In den Teilbereichen werden unterschiedliche Maßnahmen vorgeschlagen, um den Frauenanteil zu erhöhen. Dazu gehören allgemeine Ausschreibungen von freien Stellen, gezielte Fortbildungen oder auch die "geschlechtersensible Sichtweise" in allen Bereichen.


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