Bad Kissingen
Geburtstag

Patienten waren gerne mit Margot unterwegs

Am Freitag, 19. Oktober ist für Margot Kiesel (Bad Kissingen) ein besonderer Tag: Sie feiert ihren 90. Geburtstag.
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Zu ihrem 90. Geburtstag erinnert sich die Bad Kissingerin Margot Kiesel an ihr Leben und ihre Arbeit in der Luitpoldklinik. Anna Wentrock
Zu ihrem 90. Geburtstag erinnert sich die Bad Kissingerin Margot Kiesel an ihr Leben und ihre Arbeit in der Luitpoldklinik. Anna Wentrock
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Margot Kiesel ist eine muntere Frau, die die Lust am Leben noch lange nicht verloren hat. Sie ist in Bad Kissingen aufgewachsen und lebt immer noch in der Kurstadt. Am Freitag, 19. Oktober, ist ihr 90. Geburtstag. Sie schaut auf alte Urkunden und Bilder: "Ich frage mich immer: Wo ist denn die Zeit geblieben?".

Kiesel besuchte die Volksschule Bad Kissingen und begann schon in jungen Jahren zu arbeiten. "Sonst hätte ich keine Brotmarken bekommen", meint sie. Außerdem war sie über 50 Jahre in der Kissinger Sängervereinigung tätig.

Sie begann ihr Berufsleben unter anderem mit Putzen und als Nachrichtenhelferin. Anschließend arbeitete sie in einem Büro in dem damaligen Kurhotel "2002" in Bad Kissingen. Diese Stelle kündigte sie nach zwölf Jahren, nachdem sie sich um einen neuen Arbeitsplatz bei der Luitpoldklinik Bad Kissingen gekümmert hatte. Dort war Margot Kiesel nun an der Rezeption tätig und organisierte an ihren arbeitsfreien Tagen Wanderungen mit Patienten. Die meisten Mitwanderer waren wegen einer Krebs-Nachsorge zur Rehabilitation in der Kurklinik. Auch nach Antritt ihres Ruhestandes leitete sie die Ausflüge: "Ich glaube, ich habe während meiner Rente mehr gearbeitet als jemals zuvor", sagt sie lachend.

Der Klaushof und der Wittelsbacher Turm waren beliebte Ausflugsziele. "Wir sind aber auch schwerere Strecken gelaufen". Kiesel grübelt: "Ich hab' mich manchmal wirklich gewundert, dass auch noch ziemlich kranke Menschen solche Wanderungen mitmachen konnten - und wollten. Teilweise kamen die Leute auch mal, wenn ich allein war, und haben ihr Herz ausgeschüttet - dann lag ich abends in meinem Bett und dachte, wie furchtbar es war, was diese Menschen alles mitgemacht haben."

Kiesel wollte vor allem dass die Patienten auf andere Gedanken kommen und zusammen lachen. Spaß und Bewegung standen an erster Stelle. Und das möglichst an der frischen Luft. Während der Wanderungen hätten sie gesungen, Wanderwitze erzählt und Gymnastikübungen gemacht. "Ich habe einmal verpasst, ein Lied anzustimmen und dann kam einer und meint: 'Frau Kiesel? Haben Sie nichts vergessen?' Und dann war ich ganz verwirrt." Sie lächelt. "Da habe ich gemerkt: Die wollen das aus ganzem Herzen!"

Angebote erweitern

Sie sei froh gewesen, dass sie bei der Planung der Wanderung nichts vorgeschrieben bekommen habe. Auch wenn es manchmal nicht ganz so einfach gewesen sei: Sie musste unter anderem die Reisen planen und an mögliche Wetterumschwünge denken. Kiesel wünscht sich, dass solche Wanderungen öfter angeboten werden - vor allem in Kliniken. "Für mich war das was ganz Tolles". Diese Zeit macht Kiesel immer noch sichtlich stolz. Die Patienten "waren alle so glücklich und dankbar, sowas nochmal miterleben zu dürfen."

"Na jedenfalls hab' ich mich ganz schön durchs Leben geschlängelt", meint Kiesel und lacht. Sie erzählt noch, dass sie mit ihrem damaligen Verlobten, der bei der Military Intelligence Division (Nachrichtendienstabteilung der United States Army) arbeitete, nach Amerika ziehen wollte. Wegen einer Krankheit durfte sie jedoch nicht ausreisen. Der Antrag wurde ein Jahr nach hinten verschoben. Sie lernte während dieses Jahres einen anderen Mann kennen und wurde mit ihrem einzigen Sohn Karl Peter Kiesel schwanger. "Was Besseres konnte mir nicht passieren", schwärmt sie. "Ja, der ist mir gelungen."

Zur Info:

Die Volksschule bezeichnete in Deutschland eine Schulform, in der man nach acht Schuljahren den sogenannten Volksschulabschluss erwarb. Je nach Bundesland gibt es seit den 1960er bis 1970er Jahren mit dem Abschluss der Mittelschule nach neun Jahren eine vergleichbare Ausbildung.

Die Brotmarken wurden verwendet, wenn Grundnahrungsmittel knapp waren und der Brotpreis einen erträglichen Betrag überstieg. Sie wurden vor allem Mitte des 20. Jahrhunderts verwendet. Genutzt wurden sie in der Folgezeit zum Broteinkauf, jedoch musste zusätzlich einen Backlohn entrichtet werden.

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