Bad Kissingen
Gedenken

Parkfriedhof Bad Kissingen: Stadt entschuldigt sich für Fehler

In den vergangenen Tagen sorgte der Parkfriedhof für Aufmerksamkeit. Der Grund: Auf den Gedenktafeln am Ehrenrondell fehlen Namen gefallener Kissinger Bürger. Nun diskutierte der Bauausschuss über das Thema.
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Bei den fehlenden Namen auf den Gedenktafeln auf dem Parkfriedhof in Bad Kissingen hat sich die Stadt kürzlich entschuldigt. Foto: Johannes Schlereth
Bei den fehlenden Namen auf den Gedenktafeln auf dem Parkfriedhof in Bad Kissingen hat sich die Stadt kürzlich entschuldigt. Foto: Johannes Schlereth

Dass auf den Gedenktafeln auf dem Parkfriedhof zahlreiche Namen gefallener Soldaten fehlen, ist bekannt. Am Mittwoch debattierte der Bauausschuss über die Ergänzung der fehlenden Namen und die Möglichkeit eines zeitgemäßen Gedenkens. Im Zuschauerraum saßen Angehörige der Gefallenen. Was sie da hörten, gefiel vielen nicht. Daneben räumte die Stadt einen Fehler ein.

Stadt Bad Kissingen gesteht Fehler ein

"Bei der Neuerstellung der gestohlenen Tafeln ist der Verwaltung ein Fehler unterlaufen", sagte der zweite Bürgermeister Anton Schick (DBK), der die Sitzung leitete. "Es hätte auffallen müssen, dass bei einer Reduzierung von elf auf drei Tafeln trotz einer kleineren Schrift unmöglich alle Opfer berücksichtigt sein können." Die Verwaltung und Bürgermeisterei würden den Fehler ausdrücklich bedauern, so Schick.

Nun gelte es, die fehlenden Namen der gefallenen Kissinger Bürger zu ergänzen. "Wir müssen die Chance nutzen, um eine Lösung zu schaffen, die dem Thema gerecht wird." Ziel soll laut Schick sein, sowohl den bestatteten Soldaten, als auch allen weiteren toten und vermissten Kriegsopfern der Stadt Bad Kissingen in zentraler Form zu gedenken.

19 unbekannte Soldaten

Laut der Stadt Bad Kissingen sind 184 Soldaten auf dem Parkfriedhof bestattet. Bei diesen handelt es sich um Personen, die wohl in Bad Kissinger Lazaretten an Krankheiten und Verwundungen gestorben sind. Neunzehn Soldaten gälten als unbekannte Soldaten. Das heißt: Über sie sind weder der Name, noch die Herkunft oder Sonstiges bekannt.

Auf den neuen Tafeln seien lediglich die Namen aufgeführt, die bei der Stadt erfasst sind. Laut der Stadt Bad Kissingen sind das 165 Soldaten. Nach Recherchen dieser Redaktion ist das jedoch falsch. Auf den drei neuen Tafeln befinden sich 164 Namen. Stimmen die Zahlen der Stadt, fehlt also ein Name auf den Tafeln. Für die Erstellung der Tafeln habe die Stadt eng mit dem Bundesarchiv in Koblenz und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (Vdk) zusammengearbeitet. Allerdings unterscheiden sich in einigen Fällen die Schreibweisen und Todesdaten der Namen auf den Tafeln verglichen mit der Datenbank des Vdks.

Wie viele Soldaten-Namen wirklich auf dem Parkfriedhof fehlen, ließ der Bauausschuss offen. "Hektik und Schnelligkeit sind falsch in der Angelegenheit", mahnte Schick. "Dass noch Namen fehlen, ist weder geheim, noch beabsichtigt oder Willkür."

Erste Ideen zur Gestaltung

In einer Präsentation wurden Alternativen vorgestellt, wie sich das Denkmal ergänzen lässt. Eine Möglichkeit wären Stelen am Eingang des Rondells. "Es muss kein Marmor sein", sagte Joachim Kohn, der Justiziar der Stadt. Bronze oder andere Materialien seien ebenfalls geeignet. Die Kosten schätzte er auf mindestens 24 500 Euro. Damit wäre die Ergänzung so teuer wie die drei bereits vorhandenen unvollständigen Tafeln.

Noch im Bauausschuss gab es erste Vorschläge zur Gestaltung. Dr. Hans-Joachim Hofstetter (FDP) schlug vor, die Ergänzungen nicht in Stein zu meißeln, sondern bei der Gestaltung auf QR-Codes zu setzen. Dahinter verbirgt sich eine Codierungsmöglichkeit. Der Nutzer scannt mit dem Smartphone den Code, woraufhin er zu zusätzlichen Informationen wie Bildern weitergeleitet wird. Bernd Czelustek (SPD) kritisierte Hofstetters Vorschlag. Es sei durchaus typisch für Gefallenendenkmäler, dass sie "in Stein gemeißelt" seien. Czelusteks Vorschlag verbindet Tradition und Moderne: "QR-Code und Bronzetafeln schließen sich nicht grundsätzlich aus".

Für Hofstetter hat der QR-Code weitere Vorteile: "Ein QR-Code lässt sich nicht klauen." Ein weiterer Pluspunkt: "Wir wissen nicht, ob sich unter den fehlenden Namen Kriegsverbrecher befinden." Durch den QR-Code ließen sich diese aus der Datenbank löschen.

Über den in den Raum gestellten Verdacht, dass sich unter den nicht berücksichtigten Gefallenen Kriegsverbrecher befinden könnten, gaben Angehörige nach der Sitzung keine Stellungnahme ab. Ihre Mimik während der Äußerung Hofstetters sprach jedoch Bände.

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