Ein Angebot, das bombig eingeschlagen hat, das längst zur Tradition geworden ist. Um die 250 Besucher besuchen alljährlich das Silvesterkonzert in der evangelischen Erlöserkirche. Zu "normalen" Orgelkonzerten kommen gerade einmal 80.

Seit 1998 lädt Jörg Wöltche zum Silvesterkonzert, seit 2003 wird er von Christine Stumpf unterstützt. Ihr kommt der einstündige Konzerttermin durchaus entgegen. "Ich mache das gerne, meine Familie macht mit. Wir sind keine Partygänger oder Fernsehgucker."

Für Jörg Wöltche ist das Konzert kurz vor dem Jahreswechsel dagegen durchaus eine persönliche Einschränkung: "Ich kriege schon viele Einladungen." Trotzdem: "Das Konzert macht Spaß, auch das Vorbereiten der Programme."

Das sieht auch Christine Stumpf so, die sonst nur am Spieltisch in der Garitzer St. Elisabethkirche sitzt. In der Silvesternacht darf sie zusammen mit Wöltche Bearbeitungen und weltliche Stücke spielen, die sonst nicht in der Kirche erklingen. "An Silvester kann man sich Bonbons raussuchen," sagt sie und erinnert sich an die Aufführung der Nussknacker-Suite von Tschaikowski oder an die Silvesternacht vor zwei Jahren, als sie zusammen mit Wöltche nur mit den Füßen am Pedal die Schöne Blaue Donau von Johann Strauss erklingen ließ.

Mit Händen und Füßen

Manche ihrer Silvester-Stücke spielen Wöltche und Stumpf vierhändig und -füßig an der großen Steinmeyer-Orgel. Doch manchmal trennen sie sich, spielen Kompositionen für zwei Orgeln. Dann erklingt neben der Orgel auf der Empore auch das "kleine" Instrument unten im Kirchenraum. Und das spielt Christine Stumpf besonders gerne. Ist ihr Mann doch Orgelbauer, die kleine Orgel sein Meisterstück.

Das Programm der Silvesterkonzerte ist anspruchsvoll, schon deswegen heißt es: üben, üben, üben. "Wir fangen schon im August an," sagt Wöltche. Ab Oktober proben die beiden zwei Mal pro Woche, "vor Silvester verdichtet sich's."

Dass die Silvesterkonzerte ankommen, belegt nicht nur die Besucherzahl. Zwar gibt es nach dem Konzert keinen Empfang. Die meisten Zuhörer ziehen rasch weiter, und auch Jörg Wöltche will bis Mitternacht zu Hause sein. Dennoch gibt es relativ viele Rückmeldungen. Menschen bedanken sich für die stimmungsvolle Atmosphäre und die Tatsache, dass es diese Konzerte überhaupt gibt.

Auch für Alleinstehende

"Manche Leute unterbrechen sogar ihre Partys und kommen mit zehn bis 15 Mann in die Erlöserkirche," weiß der Kantor. Aber es kommen auch viele alleinstehende Senioren. "Das war für mich einer der Haupt-Gründe, diese Konzerte anzubieten," sagt Jörg Wöltche. Und: "Manche Zuhörer kommen schon eine Stunde vor Konzertbeginn, setzen sich in die Kirchenbänke und genießen die Stille und das Kerzenlicht."

Probleme mit alkoholisierten Gästen hatten die beiden Organisten übrigens nie. "Man hört höchstens ab und zu einen Silvesterkracher, der zu früh gezündet wurde. Aber das passt zu unserem Programm," sagt Wöltche schmunzelnd.

Für das Konzert in der Silvesternacht hat sich Jörg Wöltche übrigens etwas Besonderes ausgedacht: Es wird eine Leinwand in der Kirche stehen, und dank einiger Kameras können die Zuhörer den beiden Organisten auf Hände und Füße schauen.

In der Silvesternacht ab 22 Uhr erklingen in der Erlöserkirche folgende Stücke:
Italienische Sonata für zwei Orgeln von Baltasare Antonio Pfeyll;
Concierto Nr 4, F-Dur von Antonio Soler;
Präludium und Fuge in D-Dur von Johann Sebastian Bach;
Choral a-moll von César Franck;
Bolero von Maurice Ravel, bearbeitet für Orgel zu vier Händen und vier Füßen.