Nüdlingen
Theater

Opa Tell zeigt es der Verwandtschaft

Die KAB hat mit ihrem Stück "Die fidele Kurklinik" das Publikum begeistert. An manchen Stellen mussten die Schauspieler warten, bis die Zuschauer zu Ende gelacht hatten.
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Masseur Heinz nimmt    Opa Tell Huckepack  und trägt ihr zur Massage. Foto: Pierre Strecker
Masseur Heinz nimmt Opa Tell Huckepack und trägt ihr zur Massage. Foto: Pierre Strecker
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Amateure sind Menschen, die ihre Tätigkeit schlicht aus Liebe und Freude ausüben. Und was am Samstag bei der Theaterpremiere der Katholischen Arbeiterbewegung (KAB) Nüdlingen zu sehen war, ließ die Zuschauer diese Wortbedeutung noch einmal deutlich spüren. Ein Jahr nach dem großen 60-jährigen Jubiläum der KAB öffnete nämlich auf der Bühne des Nüdlinger Pfarrsaals "Die fidele Kurklinik", so der Name des gezielt ausgewählten Stücks, ihre Pforten. Den Anfang macht eine kurze aber ebenso aufschlussreiche wie freundliche Begrüßung durch Oskar Hein, der sich viele Jahre mit Liebe und Leidenschaft als Leiter der KAB in Nüdlingen verdient gemacht hat. Nach seiner Einführung in das Stück geht es auch schon in Mundart los: Hugo und Martha Tell, (Wiggerl Brumm und Gitti Klöffel) wollen Opa Tell in die Kurklinik im allseits bekannten "Bad Nüdlingen" einweisen. Insgeheim wollen sie ihn im Anschluss aber auch noch ins Altenheim abschieben und ihm die Besitzrechte für seinen Hof abluchsen. Allerdings haben sie die Rechnung ohne Opa Tell, (Gerd Nicolai, seines Zeichens auch Regisseur dieser Inszenierung), gemacht: Er ist nämlich bei weitem gewitzter als seine skrupellose Schwiegertochter und sein etwas rückgratloser Sohn. Schon in diesen frühen Momenten des Stücks merken die Zuschauer deutlich, wo das Herz dieses Stücks liegt, nämlich in den herzhaft schlagfertigen Streitereien zwischen den Charakteren, eingebettet in den täglichen Absurditäten innerhalb der fidelen, um nicht zu sagen frivolen Kurklinik.

Dort scheinen nämlich nicht nur die Patientinnen Frau Huhn und Frau Schatz (Gitte Kleinhenz und Bärbel Brumm) ein geheimes Verhältnis mit dem verheirateten Herrn Schneck (Thomas Klöffel) zu haben, auch im Personal geht es hoch her: der Klinikleiter Dr. med. Hans Wurst (Stefan Lang) hat ein Techtelmechtel mit der Oberschwester Elsemarie (Anna Kleinheinz), und Putzfrau Olga (Eva Hein) hat etwas mit Masseur Heinz (Tobias Seufert) laufen. Bei so viel Gefühl in der Luft ist das Chaos vorprogrammiert, erst Recht wenn in diesen Mix auch noch Schnecks Ehefrau Eusebia (Manuela Hein) dazu tritt und Opa Tell sich mit Herrn Schneck verschwört, um es seiner buckligen Verwandtschaft heimzuzahlen.

Die entstehenden Spannungen und Dynamiken weiß die starke Besetzung charmant für sich zu nutzen. Die spürbar gut aufgelegten Darsteller feuern sich die Beleidigungen dermaßen gekonnt um die Ohren, dass man sich des Öfteren an amerikanische Comedyserien erinnert fühlt, nicht zuletzt weil immer wieder für das laute Gelächter des Publikums kurz eingehalten werden muss, etwa wenn Putzfrau Olga den Heiligen Sankt Blasius, "Schutzpatron aller Bettnässer" beschwört.

Womit das Stück allerdings am meisten glänzen kann, ist die wahnsinnig deutliche Spielfreude der Darsteller und Darstellerinnen. Gerd Nicolai hatte nicht zu Unrecht davon geschwärmt, was für eine große Liebe zum Theaterschauspiel die Besetzung versprühen würde. So bräuchte es doch schon einen ausgewachsenen Theatermuffel, um sich hier nicht von der Truppe um die talentierten KAB-Neuzugänge Manuela Hein, Anna Kleinhenz und Tobias Seufert mitreißen zu lassen. Ähnlich wie auch schon bei den Aufführungen des Nüdlinger Carneval Clubs, bei denen sich einige Mitglieder der Theatertruppe ja auch sehr einbringen, ist es extrem schwer hier Highlights auszumachen, aber stets hervorzuheben ist die Gesichtsakrobatik eines Wiggerl Brumm der wahrlich auf der Bühne aufgeht, genauso wie der Mut der Darsteller, sich lächerlich zu machen, um das Publikum zu unterhalten.

Bei so viel Freude und Energie war die Begeisterung des Publikums bei der Premiere also absolut kein Wunder. "Die haben vielleicht Sprüche drauf!" schwärmt auch eine Zuschauerin in der Pause. Das laute Lachen und den anhaltenden Applaus haben sich die Nüdlinger also redlich verdient, und in den kommenden beiden Aufführungen ist ihnen noch viel mehr davon zu wünschen. Und wer nun noch Lust bekommen hat, auch Zeuge von so viel Spaß und Spielfreude zu werden: Ein paar wenige Karten für die Vorführungen am Samstag, 26. Oktober, um 19. 30 Uhr und Sonntag, 27. Oktober, um 18.30 Uhr im Nüdlinger Pfarrsaal sind zumindest noch verfügbar.

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