Bad Kissingen
Fachveranstaltung

Oft reicht ein kleines Budget

Barrierefreiheit kann jeden treffen nicht nur Kranke und Behinderte. Bei der Abschlussveranstaltung der Reihe "Die barrierearme Kommune" erfuhren die Teilnehmer noch viel Wissenswertes.
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Bei der Ortsbegehung am Busbahnhof wurde demonstriert wie ein barrierearmer Zugang aussehen kann.  Foto: Lena Pfister
Bei der Ortsbegehung am Busbahnhof wurde demonstriert wie ein barrierearmer Zugang aussehen kann. Foto: Lena Pfister
Barrierefreiheit betrifft nur ältere Menschen oder Menschen mit Behinderung? Keinesfalls. Denn wenn eine Mutter mit dem Kinderwagen unterwegs ist und in einen Bus steigen will oder in den zweiten Stock kommen will, hat sie auch ein Problem, ebenso wie jemand der mit Krücken läuft, weil er sich vielleicht den Knöchel vertaucht hat. In Situationen wie diesen spielt Barrierefreiheit beziehungsweise Barrierarmut eine Rolle. Denn das Thema umfasst weit mehr als nur die Bereiche Bauen und Wohnen und betrifft auch nicht nur Behinderten- und Seniorenbeauftragte, sondern im Grunde jeden.
Darum wurde bei der Abschlussveranstaltung des Landkreises der Reihe "Die barrierearme Kommune" auf Themen jenseits von Leitsystemen für Sehbehinderte und den Wegfall von Stufen eingegangen. Bei dem Termin in Hammelburg erklärte Landrat Thomas Bold: "Der Abbau von Barrieren ist ein Thema, das alle Generationen betrifft. Komplette Barrierefreiheit herzustellen ist zwar nicht einfach, aber dennoch können wir vieles auf kommunaler Ebene anstoßen."
Zum Beispiel die Sache mit der Sprache, insbesondere der Fach- und Behördensprache, bekräftigte das Landkreisoberhaupt: "Die Notwendigkeit zum Abbau von Barrieren betrifft auch unsere Sprache - vor allem die Behördensprache. Untersuchungen besagen, dass ein Viertel unserer Mitmenschen von einfacher Sprache profitiert." Wie sich Texte auf Internetseiten, in Bekanntmachungen, Einladungen oder Schreiben vereinfachen lassen, erklärte die Referentin Annika Hörenberg vom "Netzwerk verständliche Sprache" in Würzburg.


Was meine ich eigentlich?

Manche Themen sind so komplex, erklärte sie, dass Fachleute sich damit befassen müssen. Für diese ist es untereinander natürlich leichter, den Experten-Wortschatz zu benutzen, weil er vieles besser auf den Punkt bringt. Der Bürger sollte aber trotzdem Sinn und Zweck der Sache verstehen. Darum ist es bei Briefen und Texten, die sich an den Bürger beziehungsweise an die Öffentlichkeit richten, wichtig, sich zu fragen: Was meine ich eigentlich? Welches Ziel verfolge ich mit dem Schreiben? Zudem sollten Fachbegriffe erklärt und gebräuchliche Worte verwendet werden. Daneben sollten verständliche Sätze gebildet und das Anliegen kurz und aussagekräftig rübergebracht werden.
Nach dem kurzweiligen Vortrag stellte Antje Rink, Projektmanagerin Demografie, die Erkenntnisse aus der zweijährigen Beschäftigung mit dem Thema "Barrierearme Kommune" vor. Das Regionalmanagement hat in diesem Rahmen umfangreiche Arbeitshilfen erstellt, auf die die Kommunen zurückgreifen können - unter anderem kompakte Checklisten für Gebäude und Einrichtungen, für Straßen, Wege und Plätze und für Veranstaltungen und Internetseiten. Die Checklisten zeigen auch auf, wie sich mit einem kleinen Budget Maßnahmen zum Abbau von Barrieren durchführen lassen. Sie sind online abrufbar ( https://www.landkreis-badkissingen.de/buerger--politik/buergerservice/fachbereiche-undabteilungen/ regionalmanagement/aufgabenbereiche/demographie/index.html) und werden den Gemeinden in gedruckter Form zur Verfügung gestellt.
Cordula Kuhlmann, Leitung des Regionalmanagements des Landkreises, gab im Anschluss einen Ausblick. Man wolle weiter am Thema "Barrierearme Kommune" arbeiten und Ortsbegehungen und Workshops anbieten. Auch soll gemeinsam mit den Kommunen am Thema "Leichte Sprache" gearbeitet werden, sodass Behördenthemen verständlicher kommuniziert werden.


Ortsbgehung am Busbahnhof

Danach ging es nach draußen zu einer kurzen Ortsbegehung. Am Hammelburger Busbahnhof, Haltestelle ZOB Turnhouter Straße, zeigten der Nahverkehrsbeauftragte des Landkreises, Michael Schäder, und der Geschäftsführer der KOB GmbH Claus Schubert die Vorteile einer barrierefreien Haltestelle. Diese hat verschiedene Bodenbeläge zur Orientierung und einen erhöhten Bordstein. Viele Busse im Landkreis sind sogenannte "Niederflurbusse". Bei diesen ist der Zustieg einfacher, weil sie gewissermaßen "tiefergelegt" sind. Wenn Bus und Bordstein auf einer Höhe sind, ist es leichter mit Rollstuhl oder Kinderwagen einzusteigen. Auch mit Hilfe einer ausklappbaren Rampe kommt man besser in das Fahrzeug, erklärte Claus Schubert.


Beim Busfahren anmelden

Was für viele interessant war: Menschen mit Behinderung, die mit einem KOB-Bus im Raum Hammelburg und Bad Brückenau fahren wollen, können sich vorher bei der KOB GmbH melden. Unter Tel.: 0171/799 84 84 können sie zu den Geschäftszeiten der KOB GmbH (Montag bis Donnerstag: 7.30 bis 16 Uhr und Freitag von 7.30 bis 12 Uhr) erfragen, ob der Bus barrierearm ist. Das sollte mindestens einen Tag vorher bis spätestens 16 Uhr geschehen. Die Mitarbeiter der KOB GmbH sorgen dann, soweit möglich, dafür, dass bei der gewünschten Fahrt ein barrierearmer Bus eingesetzt wird. red


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