Oerlenbach
Kommunalwahl

Oerlenbacher Bürgermeister Kuhn tritt nicht mehr an

Im Frühjahr hatte er eine erneute Kandidatur angekündigt, aber die Ärzte haben ihm abgeraten: Oerlenbach hat aktuell keinen Kandidaten fürs Bürgermeisteramt.
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Der Oerlenbacher Bürgermeister Franz Kuhn hat überraschend angekündigt, dass er doch nicht für eine zweite Amtszeit kandidiert. Das Bild zeigt ihn im ehemaligen Rathaus Ebenhausen. Foto: Ralf Ruppert
Der Oerlenbacher Bürgermeister Franz Kuhn hat überraschend angekündigt, dass er doch nicht für eine zweite Amtszeit kandidiert. Das Bild zeigt ihn im ehemaligen Rathaus Ebenhausen. Foto: Ralf Ruppert

Genau ein Jahr vor der Wahl war sich Franz Kuhn noch sicher: "Ich trete wieder an", sagte er im März auf Nachfrage zum Thema Kommunalwahl 2020. Gut zwei Monate vor Ende der Nominierungsfrist kam nun am Dienstagabend im nicht-öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung der Paukenschlag: "Ich habe bekannt gegeben, dass ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kandidiere", berichtet der Oerlenbacher Bürgermeister. Damit sind die Karten in der Gemeinde mit rund 5000 Einwohnern neu gemischt: "Wenn er weitergemacht hätte, hätte es vermutlich keinen Gegenkandidaten gegeben", ist sich Klemens Wolf vom Bürgerblock Oerlenbach sicher.

Kuhn war 2014 für den Bürgerblock angetreten, wurde allerdings auch von den Wählergemeinschaften aus Rottershausen, Ebenhausen und Eltingshausen unterstützt. Lediglich die Liste "Die Überörtlichen" nominierte einen eigenen Bürgermeister-Kandidaten: Steffen Beutert, der jedoch nur 18,6 Prozent der Stimmen bekam. "Wenn er weiter gemacht hätte, wäre ich nicht angetreten", sagte Beutert am Mittwoch auf Nachfrage, und: "Da wäre ich chancenlos gewesen." Trotz der Gegen-Kandidatur habe er ein gutes Verhältnis zum amtierenden Bürgermeister und bedauere die Entwicklung. "Es hat uns alle kalt erwischt", fasst er die Stimmung im Gemeinderat zusammen. Nun überlege er sich neu, ob er doch antritt: "Aber es ist noch nichts entschieden", stellt der 45-Jährige klar. Aktuell leitet Beutert das Amt für Soziales in Schweinfurt, er habe also einen ähnlichen Hintergrund wie der amtierende Bürgermeister.

Franz Kuhn war bis 1999 beim Landratsamt Bad Kissingen unter anderem für Bauleitplanung zuständig. Danach wechselte er als geschäftsleitender Beamter nach Poppenhausen. 2014 wurde er mit großer Mehrheit zum Oerlenbacher Bürgermeister gewählt. Er habe zwar keine akute Erkrankung, stellt Kuhn klar, aber bereits seit längerem gesundheitliche Probleme: Nach einem Herz-Infarkt vor zwölf Jahren wurde er operiert. Die unregelmäßigen Termine und der Stress als Bürgermeister hätten den Gesundheitszustand "sicher nicht verbessert". Trotzdem war er im Frühjahr noch optimistisch, eine zweite Amtszeit zu schaffen.

Ein Besuch beim Amtsarzt vor kurzem habe dann endgültig die Wende gebracht: "Ich kann im kommenden Jahr mit 61 Jahren in Ruhestand gehen", kommentiert er das Ergebnis der Untersuchung. Bei einer Wiederwahl hätte er bis zum Alter von 67 Jahren und vier Monaten arbeiten müssen. Gereizt hätte ihn die zweite Amtszeit durchaus: "Wenn ich nochmal drei, vier Jahre jünger wäre, wäre das ein ganz anderes Thema."

Kuhn hat viele Projekte umgesetzt: Gerade eben wurde die Generalsanierung des Bauhofs abgeschlossen, Ortsstraßen wurden saniert. Fürs kommende halbe Jahr habe er auch noch einiges vor: "Im Haushalt stellen wir viele Weichen." Für die Erweiterung des Kindergartens Ebenhausen hofft Kuhn noch heuer auf die Baugenehmigung, auch das Baugebiet Thüringer Straße in Eltingshausen liege ihm am Herzen: "Da würde ich im Frühling gerne noch den Bebauungsplan fertig kriegen."

Vertrauen in die Mitarbeiter

Andererseits sieht Kuhn seinen Abschied durchaus gelassen: "Was sind schon sechs Jahre", spielt er die Bedeutung seiner Amtszeit herunter, und: "Das geht sicher alles in geordneten Bahnen weiter." Viel Vertrauen habe er zu den insgesamt rund 50 Beschäftigten der Gemeinde, davon neun in der Verwaltung: "Das schaffen die", ist er zuversichtlich, dass jede Aufgabe bewältigt wird.

"Er hat's gut gemacht, und es ist viel bewegt worden", blickt Klemens Wolf vom Bürgerblock zurück. Trotz des Bedauerns äußert er Verständnis: "Gesundheitliche Belange gehen vor." Eine eigene Kandidatur kommt für den 65-Jährigen nicht mehr in Frage. "Wir sind jetzt am Suchen, ich hoffe, wir finden jemanden, der's macht", sagt Wolf.

Auch viele andere hätten in der spontanen Besprechung nach der Gemeinderatssitzung sofort abgewunken, berichten Mitglieder des Gremiums. Auch der 34-jährige Benedikt Keßler aus Ebenhausen: "Ich kann's mir nicht vorstellen, weil ich in meinem Beruf in der Forschung zu viel aufgeben müsste", sagt der dreifache Familienvater. Auch er geht davon aus, dass es bei einer erneuten Kandidatur Kuhns keinen Gegen-Kandidaten gegeben hätte. Vielen im Gemeinderat habe der Streit und der Bürgerentscheid zur Windkraft zugesetzt.

Nun bleiben 71 Tage, um einen oder mehrere Bürgermeister-Kandidaten zu finden: Am 23. Januar endet die Nominierungsfrist. Gibt es nur einen Vorschlag, kann bis 30. Januar ein zweiter Kandidat seinen Hut in den Ring werfen.

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