Oerlenbach
Konzert

Oerlenbach: Klangmächtig in den Advent

Das Bundespolizeiorchester München gastierte in der Oerlenbacher Kirche.
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Das Bundespolizeiorchester mit Dirigent Jos Zegers im Kirchenrund von St. Burkardus. Foto: Werner Vogel
Das Bundespolizeiorchester mit Dirigent Jos Zegers im Kirchenrund von St. Burkardus. Foto: Werner Vogel
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Das hat inzwischen schon Tradition, wenn am Tag, nachdem das erste Kerzchen brennt - also immer montags - stimmungsvolle Musik den Kirchenraum von St. Burkardus erfüllt. Die Zusammenarbeit zwischen Ausbildungszentrum der Bundespolizei, Bundespolizeiorchester und der Gemeinde, beschert den Bürgern der Großgemeinde und weit darüber hinaus einen willkommenen kulturellen Höhepunkt im Veranstaltungsjahr. Zum 9. Mal ist die Kirche voll besetzt. Was die gut 600 Besucher erwarten: Sinfonische Blasmusik mit spannendem Programm auf ganz hohem Niveau. Und das erfüllen die Profimusiker der Bundespolizei auch dieses Jahr. Ihr Dank: Die Zuhörer stehen beim Applaus. Beethoven, Wagner und Mahler hat Chefdirigent Jos Zegers ausgesucht und sich dazu überzeugende Solisten eingeladen.

Spendenbox steht bereit

Diese gute Zusammenarbeit aller Beteiligten, betont auch Harald Müller, Leiter Zentralbereich des Ausbildungszentrums, in seiner Begrüßung und zählt auf, welche Organisationen und Einrichtungen schon mit vielen zehntausend Euro beglückt werden konnten. In diesem Jahr gehen die Spenden des Konzertes an den Förderverein krebskranker Kinder Hambach. Reinhard Lutz bedankt sich schon im Voraus für eine gut gefüllte Spendenbox. Dafür sorgt auch der Erlös des anschließenden Glühweintreff des TSV Oerlenbach vor der Kirche, zu dem Bürgermeister Franz Kuhn am Ende des Benefizveranstaltung einlädt.

Rote Astern statt Tannenzweige

Weil Anfang Advent die ernsten Tage rund um Allerheiligen noch im Gedächtnis sind, beginnt Jos Zegers mit der Orchesterfassung von Richard Strauß' vertontem Kunstlied "Allerseelen". Erstaunlich, wie die Bläser - mit Harfe und Kontrabass als wirkungsvoller Ergänzung - die eingängig liebliche Gedichtvertonung "...die letzten roten Astern trag herbei..." zur Geltung bringt. War das schon stimmungsvoller Auftakt, überzeugt auch die Bläserfassung der Egmont Ouvertüre. Der Dirigent kennt die für ein so großes Ensemble etwas schwierige Akustik der Kirche, nimmt die Wucht des Blechs zugunsten der Holzbläser zurück und so ist der Klangkosmos Beethovens auch im Rund von St. Burkardus zu erleben. Ganz eindrucksvoll, wie die Melodienlinie innerhalb des Holzes von Oboe zu Klarinette, Flöte und Fagott weitergereicht wird.

Nächste Herausforderung für das Orchester: Maximilian Argmann zu begleiten. Der junge Preisträger des Armin-Knab Wettbewerbs in Würzburg, häufiger Gast am Staatstheater Meiningen, wo er unter anderem als Symon im "Bettelstudent" überzeugte, hat eine sehr klare, schlanke, wie für das Kunstlied geschaffene Baritonstimme. Seine Interpretation der Lieder 1 und 2 des "fahrenden Gesellen" von Gustav Mahler ist erstaunlich reif. Ausdrucksstark erzählt er: "Ging heut morgen übers Feld" und am liebsten würde man mitwandern.

War hier das Orchester aufmerksam zurückhaltender Begleiter, deckte dessen Klangfülle seinen zweiten Auftritt doch ein wenig zu. Wagners "Oh du mein Abendstern" hätte seine Geliebte Elisabeth, der die einfühlsamen Zeilen galten, nur mit einiger Mühe hören können, wenngleich das Stück von Argmanns bewusst geführter Stimme innig und überzeugend formuliert wurde. Schade, wie spannend wäre die Liebeserklärung geworden, hätte die Harfe den Dialog mit der Stimme dominiert.

Monumentale Klänge

Brillant hingegen "Thema und Variations for Oboe" von Rimsky-Korsakov. Dass die Komposition für Blasorchester geschrieben wurde, ist ein Grund für den Riesenapplaus am Ende des Stücks. Die Klänge wirken ausgewogen, weil so und nicht anders - etwa für Streichorchester - komponiert. Es sind monumentale Klänge, die da stets neu zusammenwirken. Der zweite, gewichtigere Grund ist Christian Lombardi, ein Virtuose mit der Oboe. Er verstärkt die Klangfarbe des Instruments, bläst die Töne nicht einfach an, lässt sie mit langem Atem wie von oben herabfallen.

Östlich und auch ein wenig weihnachtlich, der Abschluss des Konzerts. Alfred Reed, 2005 verstobener Amerikaner mit österreichischen Wurzeln, hat ein Standardwerk für sinfonische Blasmusik geschrieben. "Russian Christmas Music" lässt Horn, Trompete und Co fulminant zusammenklingen, das Glockenspiel sorgt für besinnlich stille Momente .Das "Caro mio ben" von Maximilian Artmann mit wunderbar geführter Stimme als Zugabe gesungen, klingt nach stehendem Applaus noch in der Schlange vor dem Glühweinstand nach.

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