Bad Kissingen
Entwicklung

Obere Saline Bad Kissingen: Ein Museum für eine Mark

Die Obere Saline hat eine spannende Entwicklung hinter sich. Zum 20-Jährigen gab es ein Bürgerfest. Und es gibt einen Geburtstagswunsch: Ein neues Depot.
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Museumsdirektor Peter Weidisch zeigt Staatsminister Winfried Bausback die  Ausstellungsräume des Museums: Foto: Benedikt Borst
Museumsdirektor Peter Weidisch zeigt Staatsminister Winfried Bausback die Ausstellungsräume des Museums: Foto: Benedikt Borst
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Die Obere Saline hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Zur Salzgewinnung gebaut, diente es später Fürstbischöfen und Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck als Herberge. In Kriegszeiten wurde es als Lazarett und als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt. Heute ist dort das Bad Kissinger Stadtmuseum mit vier festen Themenbereichen auf 1400 Quadratmetern Fläche untergebracht. Rund 12 000 Museumsgäste werden jährlich gezählt, inklusive anderen Veranstaltungen kommen jedes Jahr rund 25 000 Besucher an die Obere Saline.


Einzigartige Bismarckwohnung

"Es ist gelungen, hier ein Bürgermuseum zu schaffen", sagt Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD). Die erste Abteilung - das Bismarck-Museum - wurde am 30. Juli 1998 zum 100. Todestag des Politikers eröffnet. Am Montag wurde das 20-jährige Bestehen mit Festakt und Bürgerfest gefeiert. Die Stadt kann stolz auf ein hochwertiges Museum sein, findet der Rathauschef. Nicht nur weil sich hier deutschlandweit die einzige original erhaltene Bismarckwohnung befindet, sondern auch weil hier geforscht wird und wegen der Arbeit, die hinter den Ausstellungen steckt. "Das sind keine Ausstellungen von der Stange, sondern Dinge, die hier projektiert werden", betont er.

Kulturreferent und Museumsdirektor Peter Weidisch hat das Projekt von Anfang an begleitet. 1994 stellte er es den Stadträten vor, "1997 erwarb die Stadt zum symbolischen Preis von einer Mark [...] die Obere Saline", erzählt er rückblickend. Nach sechsmonatigem Umbau wurde schließlich der Traum vom Museum wahr. Im Laufe der Jahre wurde das Museum Schritt für Schritt erweitert und zum Museums- und Kulturquartier ausgebaut. Die Bilanz nach zwei Jahrzehnten: "1000 Exponate, über 2500 Sonderführungen, über 60 Sonderausstellungen, 125 Jazzkonzerte, je 19 Salinen- und Museumsfeste", zählt Weidisch auf. Ach ja, und ganz profan: "Acht gefangene Mäuse." Die haben sich in die historischen Gemäuer verirrt.

Ein Museum betont als Ort des Sammelns, Bewahrens und Erhaltens zwar immer die Vergangenheit, Weidisch wagt aber auch einen Blick auf die künftige Entwicklung. Zum einen bereitet das Museumsteam gerade eine Präsenzbibliothek vor, erstellt aus der Kinderbuchsammlung von Hilla Schütze. "Da sind wir schon recht weit", sagt er. Das Projekt solle 2019 abgeschlossen und zu Forschungszwecken bereitgestellt werden.


Zentral Exponate unterbringen

Dabei handelt es sich aber um ein kleineres Vorhaben. Größer ist der Wunsch nach einem neuen Lager für die Exponate. "Wir brauchen ein Gesamtdepot, in dem wir alle Objekte unterbringen", sagt Weidisch. Das verbessere die Betriebsabläufe und sei auch aus konservatorischen Gründen sinnvoll. "Da sind wir in den ersten Überlegungen."

Stefan Kley betreut den Bezirk Unterfranken bei der Landesstelle für nichtstaatliche Museen. Auch er hält ein zentrales Depot an der Oberen Saline für sinnvoll. Die Landesstelle könne dafür auch Fördermittel bereit stellen. Und noch etwas hält er für sinnvoll: Eine Volontariatsstelle, also eine Stelle für angehende Museumsfachkräfte. Die Obere Saline sei dafür prädestiniert. "Hier gibt es alle Bereich der Museumsarbeit und hier wird geforscht. Das ist ein Qualitätsmerkmal", betont Kley. Der Experte ist grundsätzlich vom Kissinger Museum angetan. Gerade die inhaltlich komplexe Politik Bismarcks, "ist sehr gelungen, wissenschaftlich fundiert und zeitlos aufgearbeitet."

Mit drei Besuchen innerhalb von wenigen Wochen ist Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU) schon beinahe ein Stammgast in Bad Kissingen. Er betonte, wie wichtig das Kulturangebot für das Staatsbad ist - sowohl aus touristischer Sicht, als auch für die Lebensqualität der lokalen Bevölkerung. "Die Menschen leben gern hier und sie kommen gern hierher. Das liegt an der hervorragenden Kulturlandschaft", sagt er. Die Stadt sei nicht nur Kur- sondern Kulturort. Und: "Kultur muss gepflegt und gelebt werden. Das machen die Kissinger in hervorragender Weise."


Das gibt es alles im Museum Obere Saline

Hintergrund Das Wohngebäude stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde von Würzburger Fürstbischöfen genutzt. Zwischen 1876 und 1893 residierte hier Reichskanzler Otto von Bismarck während seiner Kuraufenthalte.

Ausstellungen Das Museum hat vier Abteilungen. Seit Beginn gibt es das Bismarck-Museum, Später hinzu kamen die Themenbereiche "Salz und Salzerzeugung", "Heilbad Bad Kissingen" ( beide 2007), "Spielzeugwelt" (2011) und "Weltbad Bad Kissingen" (2016). Derzeit präsentiert das Museum zwei Sonderausstellungen. "Karel Franta und Bad Kissingen" erinnert an den tschechischen Grafiker und Maler, der 1993 das Kinderbuch "Die Bienenschlacht" rund um den Kissinger Helden Peter Heil illustriert hat. In "gesund" beleuchten Cartoonisten das Jahresthema "kunst und gesund". Die Ausstellung wurde mit der Caricatura - Galerie für Komische Kunst in Kassel konzipiert. Mit Konzerten "Jazz in Bismarcks Basement", den Museums- und Salinenfesten sowie anderen Veranstaltungen ist an der Oberen Saline ein Kulturquartier entstanden.

Öffnungszeiten Das Museum ist von Mittwoch bis Sonntag zwischen 14 und 17 Uhr geöffnet.
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