Bad Kissingen
Versorgung

Zentrale Bereitschaftspraxis kommt für Kreis Bad Kissingen

Einschneidende Änderungen für alle Patienten: Ab Ende November müssen Kranke, die einen Bereitschaftsarzt brauchen, ins St. Elisabeth-Krankenhaus.
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Alles neu macht die Kassenärztliche Vereinigung Bayern: Auch im Landkreis Bad Kissingen wird Ende November der medizinische Bereitschaftsdienst neu geordnet. Dann wird es eine zentrale Bereitschaftspraxis im St.-Elisabeth-Krankenhaus geben.  Picture Alliance
Alles neu macht die Kassenärztliche Vereinigung Bayern: Auch im Landkreis Bad Kissingen wird Ende November der medizinische Bereitschaftsdienst neu geordnet. Dann wird es eine zentrale Bereitschaftspraxis im St.-Elisabeth-Krankenhaus geben. Picture Alliance
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Der 27. November dieses Jahres ist für die Ärzteschaft des Landkreises, noch mehr aber für die Bürger ein besonderer Stichtag: Der ärztliche Bereitschaftsdienst für Krankheitsfälle am Abend oder am Wochenende wird neu geregelt. Zentrale Anlaufstelle für alle Patienten im Landkreis werden dann Räumlichkeiten im St. Elisabeth-Krankenhaus in Reiterswiesen sein.

Einen Tag vorher wird dieser so genannte Roll-out des neuen Systems bereits für den Nachbarlandkreis Rhön-Grabfeld verwirklicht. Mit diesem teilt sich Bad Kissingen dann einen gemeinsamen Fahrdienst.

Einschneidende Änderungen also, die da auch auf Dr. Ralph Brath zu kommen. Er ist einer der drei Kreis-Obmänner der Kassenärztlichen Vereinigung im Landkreis Bad Kissingen und seit Wochen mit den geplanten Änderungen befasst. "Es handelt sich um ein bayernweites Modell, das die Schaffung zentraler Bereitschaftspraxen vorsieht", so der Arzt und Standesvertreter.

Fahrdienst ergänzt zentrale Praxis

Im Klartext heißt das: Niemand, der nach Dienstschluss seines Hausarztes, spät am Abend oder am Wochenende einen Arzt braucht, muss schauen, welcher Arzt gerade Notdienst im Landkreis hat. Jeder Krankenfall, der über die einheitliche Telefonnummer 116 117 gemeldet wird, wird an die zentrale Bereitschaftspraxis im Elisabeth-Krankenhaus vermittelt. Bei einer Fahrunfähigkeit kommt dann der Fahrdienst zum Einsatz, der den entsprechenden diensthabenden Arzt zum Patienten fährt.

Unter der besagten Telefonnummer 116 117 erhalten Patienten praktisch nur noch die Info über die Öffnungszeiten der zentralen Bereitschaftspraxis, oder aber es wird über die Nummer der Fahrdienst zum Patienten veranlasst. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) zahlt für die beiden Landkreise drei Fahrer mit entsprechenden Fahrzeugen.

In der zentralen Bereitschaftspraxis in Bad Kissingen kann der Patient entweder vom diensthabenden Arzt behandelt werden, es findet eine Überweisung zum Facharzt statt oder aber es geht in den entsprechenden Fällen gleich nebenan in die Notaufnahme des Krankenhauses. "Für die bisher überlasteten Notaufnahmen ist es auf jeden Fall eine Erleichterung", ist sich Brath deshalb auch sicher. Denn viele Patienten suchten die Notaufnahme des Krankenhauses auf, obwohl eine allgemeinärztliche Behandlung eigentlich ausreichend wäre.

Nicht alle Fragen geklärt

Für die Patienten ist eine zentrale Anlaufstelle wohl eher als Vorteil zu sehen, weil Fahrten von einer Ecke des Landkreises in die andere zu Gunsten der Kreisstadt vermieden werden.

Für Brath und seine Kollegenschaft sind jedoch noch nicht alle Fragen geklärt. Das betrifft zum Beispiel den Fahrdienst. Künftig wird es für die beiden Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld zwei Dienstfahrzeuge mit festen Fahrern geben. "Das geht angeblich alles", zeigt sich Brath noch etwas skeptisch. Denn wenn zum Beispiel ein Fahrdienst im Grabfeld im Einsatz ist, kann das Bad Kissinger Fahrzeug nach Fladungen gerufen werden. Doch die Kassenärztliche Vereinigung Bayern hat das Modell rund eineinhalb Jahre in den Landkreisen Schweinfurt und Haßberge erprobt. Aus dem Probenlauf wird ein Modell für den gesamten Freistaat.

Nachbarlandkreise unterstützen

"Die Fahrzeuge sind alle mit GPS ausgerüstet. Wenn ein Fahrzeug weit von der westlichen Landkreisgrenze im Einsatz ist und dort ein Fahrdienst gebraucht wird, könnte auch aus dem Nachbarlandkreis im Spessart Hilfe angefordert werden", erklärt Brath. Innerhalb Bayerns sind solche Kooperationen möglich. Außerhalb der Landesgrenzen, zum Beispiel nach Hessen oder Thüringen, ist das noch Zukunftsmusik.

Auf die rund 60 Kassenärzte im Landkreis Bad Kissingen kommen durch die Umstrukturierung einige Änderungen zu. "Es sind vor allem die vielen recht kurzen Dienste, die uns nicht unbedingt gefallen", so Brath. Denn während früher etwa fünf Kollegen für eine Woche die Bereitschaft stellten, so müssen in dem neuen System etwa neun bis elf Kollegen die vielen kleineren, sich überlappenden Dienste stemmen. Bei der KVB sieht man das nicht problematisch. Man hofft auch darauf, dass so genannte Pool-Ärzte, die nicht aus dem Landkreis kommen, solche Bereitschaften übernehmen.

"Für uns ist das alles noch etwas Wundertüte", sagt denn auch Allgemeinmediziner Brath zu der neuen Entwicklung. Zum Beispiel wird für die zentrale Bereitschaftspraxis eigenes Personal rekrutiert. Theoretisch könnte sich Personal des jeweils diensthabenden Arztes bei der KVB bewerben, damit jeder Arzt auf seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zurückgreifen kann. Ob das gelingt, ist jedoch eine andere Frage. Klar ist jedenfalls, dass sich die Ärzte in der zentralen Praxis an die ungewohnte Büroeinrichtung und Technik und eventuell an neues Personal gewöhnen müssen.

Die Bad Kissinger Ärzte hoffen, auch zukünftig ihre Dienste selbst organisieren zu können, so wie es auch in Rhön-Grabfeld der Fall ist. "Wir haben immer nach Alphabet eingeteilt. Und wir haben dafür gesorgt, dass ein Arzt nur alle zehn Jahre einen Weihnachtsdienst hat", erklärt Ärzte-Obmann Brath.

Öffnungszeiten der zentralen Bereitschaftspraxis

Praxis Die Bereitschaftspraxis im St.-Elisabeth-Krankenhaus wird zu folgenden Zeiten geöffnet sein: montags, dienstags und donnerstags von 18 bis 21 Uhr. Mittwochs und freitags von 16 bis 21 Uhr sowie sams-, sonn- und feiertags von 9 bis 21 Uhr.

Fahrdienst Nachts von 22 bis 8 Uhr gibt es einen diensthabenden Arzt im Fahrdienst. Montags, dienstags und donnerstags zusätzlich einen von 18 bis 23 Uhr, sowie mittwochs und freitags zusätzlich einen von 13 bis 23 Uhr. An Sams-, Sonn- und Feiertagen gibt es bis zu drei Fahrdienste von 7 bis 12 , 8 bis 17 und von 15 bis 23 Uhr.

von Gerhard Fischer



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