Gemünden am Main
Kultur

Zeitenwende für die Festspiele

Am 3. Juli 2019 beginnen die 29. Scherenburgfestspiele - möglicherweise das letzte Mal vor der Burgmauer.
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Der Hang hinter der Scherenburgruine in Gemünden nimmt laut dem Bauantrag für die neue Spielstätte die überdachte Tribüne für 650 Festspielbesucher auf. Foto: Architekturbüro Kraus
Der Hang hinter der Scherenburgruine in Gemünden nimmt laut dem Bauantrag für die neue Spielstätte die überdachte Tribüne für 650 Festspielbesucher auf. Foto: Architekturbüro Kraus
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Aus zwei Gründen erleben die Scherenburgfestspiele eine Zeitenwende, konstatiert der Vorsitzende des Festspielvereins, Hans Michelbach. Erstens geht der Verein mit der anlaufenden 29. Saison in die gemeinnützige Main-Spessart-Festspiel-GmbH über, was Bedingung sei für den zweiten Grund: die Umwandlung des bisherigen Provisoriums auf der Scherenburg in eine feste Spielstätte.

Hans Michelbach, Geschäftsführerin Julia Kiefer und Intendant Peter Cahn stellten vor kurzem die Stücke und den Spielplan 2019 vor. Ab sofort können die Eintrittskarten unter Tel.: 09351/5424 und übers Internet www.scherenburgfestspiele.de bestellt werden. Wer bis Weihnachten bucht, bekommt Sekt-Gutscheine dazu. Zur Aufführung werden kommen die 70er-Jahre-Schlagerrevue "Und es war Sommer" mit 25 bekannten Liedern der Zeit, die unverwüstliche Komödie "Pension Schöller" voller Situationskomik und Dialogwitz und "Jim Knopf und die Wilde 13". Für das letztgenannte Familienstück ging vorab die erste Buchung ein: 70 Karten für die Grundschule Langenprozelten.

Baubeginn möglichst schnell

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Auf Nachfrage nannte Hans Michelbach, der Gründer der Gemündener Festspiele der Neuzeit, als Fertigstellungstermin für das Festspielgebäude hinter der Burgruine forsch das Jahr 2020. Der Bauantrag sei vor einem halben Jahr eingereicht worden. "Wir rechnen damit, im ersten oder zweiten Quartal 2019 die Baugenehmigung zu bekommen. Je schneller, desto besser." Denn der alljährliche Auf- und Abbau des Freilichttheaters koste über 40 000 Euro. Mit dieser einzusparenden Ausgabe vor allem wäre neben dem alljährlichen "kleinen Ertrag" des Theaters die Finanzierung des Neubaus zu leisten.

Von den staatlichen Förderstellen lägen Förderzusagen über insgesamt 600 000 Euro vor, führte Michelbach aus. Eine Bedingung für die Gewährung sei die Umwandlung des Vereins in eine gemeinnützige GmbH. Ein weitere Bedingung sei die kommunale Beteiligung - die Anträge auf Zuschüsse der Stadt Gemünden und des Landkreises Main-Spessart sind gestellt, "und wir warten auf positive Entscheidungen, um die Bedingungen der staatlichen Förderstellen zu erfüllen".

Burghof als Foyer

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Wie berichtet, soll das Freilichttheater hinter die Burgruine verlegt werden. Die hohe Mauer der Ruine bleibt dabei die Rückwand der Bühne, dient aber zugleich als Schallschutz. Der attraktive Burghof, dessen Nutzung immer nur für wenige Wochen gestattet ist, bliebe somit frei und kann sozusagen als Foyer zu Beginn und in den Pausen genutzt werden.

Die Pläne seien keineswegs Luxus, sondern nötig für den Bestand der Festspiele, erklärte Michelbach. Die immer anspruchsvolleren Sicherheitsbestimmungen seien mit dem bisherigen Konzept im engen Burghof bald nicht mehr zu erfüllen; schon jetzt sei der Betrieb kaum noch genehmigungsfähig.

Fast noch drängender sei es, den Schauspielern und Mitarbeitern nicht länger die improvisierte Unterbringung unter der Tribüne zuzumuten. Dort teilen sich zum Beispiel alle ein einziges Waschbecken. Eigene Toiletten gibt es nicht, nur die allgemeinen fürs Publikum. Das mag Charme haben, macht aber nicht jeder mit, ergänzte Geschäftsführerin Julia Kiefer, die immer auch um Gastspiele namhafter Künstler wirbt, welche wiederum eine ordentliche Garderobe und Sanitäranlagen erwarten.

Die neue gemeinnützige Main-Spessart-Festspiel-Gesellschaft mbH habe dieselben Statuten wie der Festspielverein, erläuterte Michelbach. Was in der aktuellen Diskussion um die kommunalen Zuschüsse nicht vergessen werden sollte, ist seiner Meinung nach, dass das gesamte Vermögen und die Sachwerte der Festspiele bei Auflösung des Vereins bzw. der Gesellschaft der Stadt Gemünden zufallen. Ebenso erinnerte der Vorsitzende an den öffentlichen Kulturauftrag in Bayern.

Daran knüpfte auch Peter Cahn an, wobei der Leiter des Landestheaters in Dinkelsbühl die Gelegenheit nutzte, sein Verständnis der Scherenburgfestspiele näher zu erläutern: "Mein Ziel: immer ein großes Spektrum an Menschen zu erreichen."

Im Sommertheater soll der Zuschauer dem Alltag einfach ein paar Stunden entkommen können; es soll Genuss sein für jeden, unabhängig von Bildung und Geldbeutel.

Die Schlagerrevue "Und es war Sommer" in der Regie von Peter Cahn hat Premiere am Mittwoch, 3. Juli 2019, um 20.30 Uhr. "Jim Knopf und die Wilde 13" unter Leitung von Julia Kiefer startet zwei Tage später am Freitag, 5. Juli, um 10 Uhr. Zur "Pension Schöller" in der Inszenierung von Urs Schleiff öffnet sich der Vorhang am Mittwoch, 10. Juli, um 20.30 Uhr. Die 29. Saison endet dann mit der letzten Vorstellung von "Und es war Sommer" am 14. August. Der Kabarettist Rolf Miller wird am Montag, 22. Juli, ein Gastspiel geben. Weitere Auftritte anderer Künstler sind in Planung. Auch das Big-Band-Konzert der Gemündener Sing- und Musikschule wird wieder stattfinden.

Die Festspiele im Internet: www.scherenburgfestspiele.deMichael Fillies

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