Bad Kissingen

Wo Schneider als OB-Kandidat seine Akzente setzt

Von den drei Bewerbern um das Amt des Oberbürgermeisters bringt Gerhard Schneider am meisten lokale Erfahrung mit.
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Kommt aus dem Rathaus und will ins Rathaus: Gerhard Schneider ist OB-Kandidat der CSU in Bad Kissingen.  Foto: Siegfried Farkas
Kommt aus dem Rathaus und will ins Rathaus: Gerhard Schneider ist OB-Kandidat der CSU in Bad Kissingen. Foto: Siegfried Farkas

Als Oberbürgermeisterkandidat der CSU tritt Gerhard Schneider anders auf als in seiner gewohnten Rolle als Bediensteter der Stadt. Verbindlich und sachbezogen ist er auch da. Aber in der neuen Rolle kommt es ihm auch auf politische Akzente an. "Ich will gestalten", sagt der 58-Jährige, "und nicht verwalten."

Schon bei der Frage nach dem möglichen Verkauf städtischen Eigentums positioniert er sich deshalb anders, als er das vielleicht früher als Kämmerer getan hätte. Bei der Eissporthalle sagt er, die sei nun zwar verkauft. Man müsse aber alle Möglichkeiten nutzen, dafür zu sorgen, dass es für Kinder und Jugendliche wieder Gelegenheit zu Eissport in der Stadt gebe. Auch bei der Eule legt Schneider sich grundsätzlich fest: "Da geht es um den Erhalt eines Traditionslokals."

Und wenn er schon bei klaren Festlegungen ist, gibt es die auch noch zum Berliner Platz: Das sei der zentrale Platz für den ÖPNV. Der müsse Busbahnhof bleiben. Allerdings müsse aus dem Areal auch wieder eine "attraktive Visitenkarte für Bad Kissingen" werden. Es sei ja quasi auch das Einfallstor in die Fußgängerzone.

Ernsthaft setzt Schneider sich mit den immer wieder zu hörenden Vorwürfen vom Stillstand in der Stadt auseinander. Beim wirklich schwierigen Thema Neue Altstadt sei es notwendig, den Freistaat als Partner zu gewinnen. Die städtischen Anliegen müsse man persönlich und vor Ort, also bei der Staatsregierung in München, vortragen.

Bei der Neuen Altstadt handle es sich um ein aus vielen Blickwinkeln außergewöhnliches Projekt. Man wisse nicht verlässlich, wie hoch am Ende die Kosten sein werden. Es müsse in einem besonders schwierigen Umfeld gebaut werden. Und dann gehe es nicht nur um die Ableitung städtischen Abwassers, sondern auch um den Schutz staatlicher Heilquellen. Er glaube aber, dass es gelingen werde, dem Staat die Besonderheit der Situation deutlich zu machen.

Bei der Staatsbad GmbH, glaubt Schneider, müsse sich die Stadt jetzt, wo sie dort die Mehrheit trägt, aktiver auf die touristische Entwicklung und die Gestaltung in Sachen Gesundheitsstandort einwirken. Sein Ziel sei auch, den bis 2025 laufenden Konsortialvertrag mit dem Freistaat schon jetzt zu verhandeln, um die Partnerschaft mit dem Freistaat deutlich in die Zukunft zu verlängern. Die Staatsregierung "ist unser wichtigster Partner", sagt er und er geht davon aus, dass das auch so bleibt.

Auf Dirk Vogels (SPD) Thema Geburtenstation angesprochen, sagt er, es wäre schön, so eine Einrichtung zu haben. Er fürchte aber, der Landkreis bringe die für einen sinnvollen Betrieb nötigen Fallzahlen nicht zusammen. Wichtig ist ihm für den Bereich der medizinischen Grundversorgung aber auch die Ansiedlung einer Palliativstation.

Schneider merkt man an, dass er seit rund 30 Jahren im Rathaus arbeitet. Er hat von allen drei OB-Kandidaten die umfassendste Themenliste: Als Schwerpunkte nennt er deshalb nicht nur die Neue Altstadt oder den Berliner Platz, sondern auch die Verbesserung der Straßeninfrastruktur. Da gelte es, nicht immer nur an eine komplette Erneuerung zu denken.

Reparaturen hielten vielleicht auch zehn bis 15 Jahre und machten es möglich, mehr zu bewältigen. Als Oberbürgermeister wolle er auch die Aufgabe, kleine Reparaturen etwa an Schlaglöchern vorzunehmen, wieder beim städtischen Servicebetrieb ansiedeln. Nicht nur bei den städtischen Infrastrukturthemen, auch bei überwiegend staatlichen, wie dem Garitzer Kreisel oder anderen Einfallstoren in die Stadt oder in Stadtteile, müsse man darauf hinarbeiten, "deutliche und schnelle Verbesserungen zu kriegen".

Den Wunsch nach gleichmäßigen Entwicklungschancen für Kernstadt und Stadtteile hat Schneider sich ebenfalls auf die Fahnen geschrieben. Aus dem Umstand, dass Bad Kissingen und Bad Neustadt zum gemeinsamen Oberzentrum erklärt seien, müsse etwas gemacht werden. Voranbringen will Schneider die Stadt nicht nur als Touristik- und Gesundheitsstandort, sondern auch auf dem Feld der Wirtschaft. Dazu brauche es geeignete Gewerbe- und Industrieflächen. Schnelles Internet sei ebenfalls ein wesentlicher Standortfaktor.

Große Chancen sieht Schneider in der Bewerbung um Aufnahme in die Weltkulturerbeliste. Sollte die Bewerbung erfolgreich sein, werde das "viele Effekte für die Hotellerie" haben. Nicht nur deshalb, sei natürlich auch ein Erfolg bei der Suche nach einem Investor für das Steigenberger-Areal essenziell. Siegfried Farkas

Drei Fragen an Gerhard Schneider

Was wollen Sie auf jeden Fall in der Stadtpolitik ändern, wenn Sie zum Oberbürgermeister gewählt werden?

Gerhard Schneider : Ich will ein Oberbürgermeister für die Bürger sein, regelmäßigen Kontakt haben, entweder in Bürgersprechstunden oder bei Bürgerversammlungen. Außerdem will ich, dass Dinge, deren Umsetzung sehr lange gedauert hat, jetzt mit klarer Zielrichtung und Dynamik umgesetzt werden.

Was müsste in jedem Fall gleich bleiben?

Mit staatlicher Förderung wird sicherlich vieles möglich sein, aber der städtische Haushalt muss natürlich solide bleiben.

Sie kennen bestimmt viele Gründe, warum die Kissinger gerade Sie zum Oberbürgermeister wählen sollten. Nennen Sie uns bloß zwei.

Ich will Ihnen drei sagen: Bad Kissingen und seine Menschen liegen mir am Herzen. Ich kenne die Chancen und Herausforderungen unserer Stadt. Und ich fühle mich aufgrund meiner Qualifikation und Erfahrung gut gerüstet, die Aufgaben des Oberbürgermeister zu bewältigen.

Zur Person

Gerhard Schneider Der 58-jährige Geschäftsleitende Beamte der Stadt Bad Kissingen trat bei der Arbeit im Rathaus stets strikt sachbezogen auf und hielt sich mit politischen Äußerungen zurück. In der Funktion des Kämmerers, die er lange ausübte, und erst recht zuletzt hatte er aber automatisch Einfluss auf Schwerpunkte der Stadtpolitik. Die fast sieben Jahre verwaiste Position des Geschäftsleiters übernahm er Anfang März. In Diensten der Stadt Bad Kissingen steht Schneider seit mehr als 30 Jahren. Der CSU gehört er nach eigenen Angaben ebenfalls bereits etwa drei Jahrzehnte an.

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