Fladungen
Mitmachen

Wie es früher war, ist heute in Fladungen ein Erlebnis

Beim Museumsfest im Fladunger Freilandmuseum legten die Besucher gern selbst Hand an.
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Museumsleiterin Ariane Weidlich (links) entfachte mit der Köhlerliesel Maria Link und dem Verantwortlichen Kurt Jacob den Kohlenmeiler, der von Mitgliedern des Geschichts- und Köhlervereins Mengersgereuth-Hämmern errichtet worden war. Foto: Tanja Heier
Museumsleiterin Ariane Weidlich (links) entfachte mit der Köhlerliesel Maria Link und dem Verantwortlichen Kurt Jacob den Kohlenmeiler, der von Mitgliedern des Geschichts- und Köhlervereins Mengersgereuth-Hämmern errichtet worden war. Foto: Tanja Heier
Von wegen altmodisch, verstaubt und langweilig: Das Fränkische Freilandmuseum Fladungen war am vergangenen Wochenende bevölkert von Erwachsenen und Kindern, die etwas erleben wollten. Denn hier ist Anfassen und Mitmachen nicht nur erlaubt, sondern gewünscht. Am Samstag und Sonntag wurden die Besucher aufgefordert, mitzumachen und ihr Geschick in verschiedenen Handwerkskünsten auszuprobieren.


Mit Rhön-Zügle anreisen

Wer am Sonntag mit dem dampflokbetriebenen Rhön-Zügle anreiste, hatte einen entscheidenden Vorteil: Die Parkplatzsuche fiel weg. Rund ums Museumsgelände war kaum ein freier Platz zu bekommen. Waren die Besucher im Museumsdorf angekommen, gingen die Uhren sogleich anders. Trotz des großen Andrangs wirkte das Dorf beschaulich und lud zum Entschleunigen ein.

Heimatverbundene konnten sich mit dem Erwerb eines bedruckten T-Shirts aus der Herstellung von Steffen Filtzer als "Rhöner-Mädel" oder "Rhöner-Junge" zu erkennen geben. Winzer Michael Kamm schenkte zur Begrüßung eine Kostprobe seines Frankenweins aus, auch saftige Trauben standen zum Probieren bereit. An der Hofstelle aus Bahra wurde emsig geseilert, sehr zur Freude der Kinder. Ein Stück weiter gab es dekorative Kränze aus Naturmaterialien zu bestaunen. Dem gleichen Hobby hatte sich auch Waltraud Keller verschrieben. Fingerfertig schuf sie einzigartige Myrtenkränze, welche Mädchen und Frauen als Kopfschmuck zu Kommunion oder Hochzeit tragen.


Eine Tonne feinste Holzkohle

Der Schlappenflicker erklärte scherzhaft, sein Rohstoff werde ihm wohl nie ausgehen, da es gerade heutzutage genug Stohköpfe gebe - unnötig zu erwähnen, dass er Strohschuhe herstellte.

Auf der Wiese hinter dem Truchseß-Haus wurde es am Sonntagnachmittag kurz vor 14 Uhr geschäftig. Im Laufe der Woche hatten Mitglieder des Geschichts- und Köhlervereins Mengersgereuth-Hämmern einen Kohlenmeiler errichtet. Dieser sollte nun entfacht werden. Museumsleiterin Ariane Weidlich freute sich sichtlich, dass so viele Besucher der Einladung zu diesem feierlichen Akt gefolgt waren. 11,8 Ster Buchenholz hatten die fleißigen Handwerker aus dem Kreis Sonneberg fachmännisch aufgeschichtet, danach mit Heu abgedeckt und schließlich mit einer dicken Erdschicht luftdicht verschlossen. Der geplante Ertrag dürfte sich auf gut eine Tonne feinster Holzkohle belaufen.

Dann ruhten alle Augen auf Köhlerliesel Maria Link. Nach dem charmant vorgetragenen Prolog des Mädchens wurde das überdimensionale Streichholz am lodernden Feuer entzündet und in den Schacht gehalten. Sogleich fing der Meiler zu schwelen an, dicke Rauchwolken zogen auf. Gerne stimmte das Publikum in den Köhlergruß "Gut Brand" mit ein.

Ende der Woche dürfte das Endprodukt fertig sein. Die gewonnene Holzkohle wird in Zehn-Kilo-Säcke abgepackt und dann verkauft. Bis dahin allerdings darf der Meiler aus Sicherheitsgründen keine Sekunde aus den Augen gelassen werden, wie Kurt Jacob vom Europäischen Köhlerverband erklärte.


Tradition und Moderne vereint

Wer sich weiter durch das Dorf treiben ließ, konnte Töpferin Gertrud Schneider auf die Finger schauen und gegenüber bei der Besenbinderin eine Bürste mit Smiley-Motiv erwerben. Immer wieder fiel auf, dass sich Tradition und Moderne längst nicht mehr ausschließen, ganz im Gegenteil. Die Käufer von heute schauen mehr denn je auf Herstellungsweise und Herkunft, um sich dann bewusst für regionale Produkte zu entscheiden. Dies gilt sowohl für Lebensmittel als auch für Gebrauchsgegenstände. Vielleicht merkt man den Dingen ja an, mit welcher Sorgfalt und Liebe sie hergestellt werden? Die leckeren Waffeln in Herzform jedenfalls fanden reißenden Absatz.

Viel Freude hatten besonders die kleinen Leute bei der Kartoffelernte - auch wenn schmutzige Finger und fleckige Hosen hierbei nicht ausblieben. Mancher Aufschrei einer entsetzten Mutter, nachdem der Filius lehmverschmiert vom Acker kam, relativierte sich beim Besuch der "Waschküche von anno dazumal". Und wenn die Mama immer noch ärgerlich war, konnte der Nachwuchs sie mit einer handgemachten Seife (am besten mit dem Zusatz beruhigenden Lavendelöls) wieder milde stimmen. Das Wetter zeigte sich am Wochenende von seiner schönsten Seite, frieren musste niemand.

Bei Alexander Hergenhan fühlte man sich trotzdem bereits an die kalte Jahreszeit erinnert. Im Dreiseithof aus Leutershausen ließ sich der letzte Schlittenbauer der Rhön gerne bei der Arbeit zusehen. Auch hier hat der Fortschritt Einzug gehalten - zwar werden die Schlitten immer noch gefertigt wie im Jahre der Firmengründung, aber zwischenzeitlich gibt es sie in den buntesten Farben. Tanja Heier
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