Hammelburg
Glaube

Whisky-Exerzitien in Hammelburg weiter Männersache

Zu geistlichen Impulsen servierte der Hammelburger Pfarrer Thomas Eschenbacher Edelbrand.
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Pfarrer Thomas Eschenbacher stieß mit seinen ersten Whisky-Exerzitien auf ein breites Interesse.    Wolfgang Dünnebier
Pfarrer Thomas Eschenbacher stieß mit seinen ersten Whisky-Exerzitien auf ein breites Interesse. Wolfgang Dünnebier

"Wer einen Whisky in Ruhe genießen kann, nimmt sich auch Zeit für den Glauben", sagt der Hammelburger Pfarrer Thomas Eschenbacher und wollte Männer bei Whisky-Exerzitien für den Glauben begeistern. Das Experiment scheint geglückt.

Mit je 30 Teilnehmern kam Eschenbacher an zwei Abenden bei insgesamt fünf Whisky-Proben über geistliche Themen ins Gespräch.

Die Exerzitien mit Edelbrand sind vorbei - welcher Eindruck überwiegt bei Ihnen?

Pfarrer Thomas Eschenbacher: Viele waren fasziniert, wie gut es möglich ist, das Verkosten des Whiskys mit den Fragen nach dem Glauben und der persönlichen Erfahrung zu vernetzen. Das hat die Teilnehmer berührt und dazu ermuntert, ihre Einstellung zu den grundsätzlichen Fragen des Lebens zu hinterfragen. Ich denke, manche haben Aspekte davon mit nach Hause genommen. Ich bin gleich gefragt worden, wann das wieder sein wird.

Und, wird es wieder sein?

Vermutlich im Herbst. Das Medieninteresse hat für eine starke Nachfrage gesorgt. Eine achtköpfige Männergruppe aus München will auch schon mitmachen. Andere Pfarrer, die das bei sich anbieten wollen, haben ebenfalls nachgefragt. Wegen der aufwändigen Vorbereitung planen wir wieder zwei Abende nahe beieinander.

Hat das Ganze Modellcharakter?

Das Konzept kann jeder Kollege gerne einsehen. Es ist aber allenfalls ein Impuls, den jeder mit seinen eigenen Erwartungen an Exerzitien anreichern kann. Wichtig ist es, neben dem theologischen Wissen einen Whisky-Experten dabeizuhaben. Das schafft eine abwechslungsreiche Moderation. Bei Exerzitien wird ja auch viel geredet. Da muss man zuhören können.

Es gab ja den Vorwurf, so eine Veranstaltung würde die Gefahren des Alkohols verharmlosen.

Mit Sicherheit nicht. Es waren ja bei beiden Malen keine feucht-fröhlichen Runden beieinander. Bis zum Schluss gab es über drei Stunden eine positive, nachdenkliche und offene Stimmung. Es war auch danach nicht so, dass die Teilnehmer in zweifelhafte Sphären enthoben gewesen wären. Das Gesamtpaket hat gestimmt, der Whisky war ein Element unter vielen.

Als Seelsorger sind Sie ja auch mit Alkoholmissbrauch konfrontiert. Manche finden den Zusammenhang zwischen Whisky und dem Glauben weit hergeholt.

Wir machen an den Abenden deutlich, dass der Ursprung vom Whisky sehr viel mit der der Mönchskultur in Irland und Schottland zu tun hat und der Heilkunde in den Klöstern. Die Destillate waren zum Gesundwerden. Die Genusskultur hat sich daraus erst entwickelt. Unser Abend führt bis auf die Ursprünge mit dem heilenden Whisky zurück. Exerzitien sind der Versuch, das richtige Maß einzuüben. Und das in allen Lebensbereichen.

Wird der Ansatz der Bibel gerecht?

Es gibt in der Heiligen Schrift die Mahnung, sich vor Rausch und Trunkenheit in Acht zu nehmen. Auf dieses Übermaß gehe ich ja auch ein.

Jesus sagt gleichzeitig von sich, dass er das Wasser des ewigen Lebens hat. Whisky heißt ja übersetzt Wasser des ewigen Lebens. Das ersetzt nicht Gott, aber es ist Hinweis darauf, zu lernen, auf gesunde Weise damit umzugehen. Die Exerzitien bagatellisieren nicht, sie sensibilisieren. Es ist ja nur ein Impuls im kirchlichen Leben, halt ein neuer und sehr ungewöhnlicher.

Es gab ja auch Kritik, dass sich das Angebot nur an Männer wendet...

Das war die Hauptkritik. Aus dem Erleben des Abends war die Atmosphäre unter den Männern stimmig. Wir haben das sogar im Pfarrgemeinderat diskutiert. Einzelne Frauen haben gesagt, sie wären auch gerne mal dabei. Aber sie verstehen auch, dass die Whisky-Exerzitien ein tolles Format sind, um mit Männern zu arbeiten. Kurioserweise hatten wir in der Woche nach den ersten Exerzitien ein Frauenfrühstück mit 50 Frauen. Da sagt ja auch keiner was. Es passt so, wie es ist.

Das Gespräch führte

Wolfgang Dünnebier.

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