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Völkersleier
Landwirtschaft

Völkersleier: Warum Familie Volpert sich um 30 000 Christbäume versammelt

Wenn sich Menschen unter dem Christbaum treffen, dann hat das was Feierliches. Bei Volperts in Völkersleier dreht sich auch viel Alltag um Nordmanntannen.
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Herbert Volpert markiert die Qualität der Bäume vor dem Fällen mit einem Etikett. Wolfgang Dünnebier
Herbert Volpert markiert die Qualität der Bäume vor dem Fällen mit einem Etikett. Wolfgang Dünnebier
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Für Herbert, Elke und Peter Volpert in Völkersleier ist der Christbaum mehr als ein Saisonartikel. Ihre Plantage bei Völkersleier hält die Familie das ganze Jahr über auf Trab. Aber die Arbeit beschert auch Zeit zum Innehalten. "Mein Beruf ist stressig, zwischen den Bäumen kann ich abschalten", sagt Herbert Volpert.

Unter den 14 Christbaumplantagen im Landkreis Bad Kissingen haben Volperts die größte. Auf 10 Hektar bauen sie im Nebenerwerb rund 30 000 Bäume an. Dann gibt es noch zwei Anbieter mit je einem Hektar und zwei mit knapp 0,8 Hektar. Die restlichen liegen flächenmäßig weit darunter.

Ab dem ersten Adventswochenende spitzt sich die Arbeit auf dem Hof der Volperts zu. 3000 Bäume wollen erst einmal geschlagen sein. Dann geht es in die Vermarktung. 2000 Nordmanntannen sollen heuer über Großhändler abgesetzt werden, die dazu an Plantagen kommen. Weitere 1000 werden an Privat verkauft, die ihren Baum auf Wunsch direkt in der Schonung selbst schlagen können. Um das Pensum zu bewältigen, nehmen Herbert und Peter Volpert in der Weihnachtszeit Urlaub. Im Hauptberuf arbeiten beide in der gleichen Firma in Himmelstadt. Der 51-Jährige Vater ist dort Sondermaschinenbauer, der 22-jährige Sohn Produkt-Designer.

Bei der Baumernte muss auch die übrige Familie ran. "Da haben wir zehn Leute im Einsatz", sagt Peter Volpert. Der Zeitplan ist ehrgeizig. Die Jahresernte wird an drei Tagen geschlagen. Zuvor wird der Bestand gesichtet und je nach Wuchs in Qualitätsstufen von A bis D eingeteilt. Daran orientieren sich die Großhändler, wenn sie kommen, um die Ware abzuholen.

"Das Sägen auf Fußhöhe ist nicht ungefährlich", weiß Herbert Volpert. Über die Jahre ist das Team immer eingespielter, die Technik wurde verfeinert. Zwei Leute sägen von früh bis spät, fünf netzen ein. In sekundenschnelle fällt ein Baum, genauso schnell saust er durch den Trichter ins Transportnetz. Dazu dient ein Anbaugerät am Schlepper. Ein Greifarm schnappt sich zum Aufladen auf den Anhänger gleich viele Bäume auf einmal. Die überdimensionale Zange dafür hat Peter Volpert selbst entworfen. Nach drei Tagen liegen alle Bäume zur Vermarktung bereit.

Dass die Aufzucht von Christbäumen einmal diese Dimensionen annimmt, hätte sich die Familie nicht träumen lassen. Einst hatte der Betrieb von Siegfried Koberstein nämlich 40 Milchkühe. Doch als die Marktlage schwieriger wurde, gab die Familie diese Bewirtschaftung auf. Dann stellte sich die Frage, was wird aus dem Hof? Im Jahr 2000 wurde direkt hinter dem Gebäude der erste von zunächst 50 Bäumen gepflanzt. Zug um Zug erwarb man Äcker außerhalb des Dorfes.

Das Geschäft birgt Risiken. Nach dem Pflanzen der vierjährigen Setzlinge gehen bis zur Marktreife noch einmal gut und gern zehn Jahre ins Land. In der Plantage steckt viel Kapital. Einer der größten Brocken ist die Umzäunung.

"Wir haben auch schon Leergeld bezahlt", gesteht Herbert Volpert. In den vergangen beiden trockenen Sommern gingen rund 2000 Jungpflanzen ein. Denn erst, wenn ihre Pfahlwurzeln tiefer in den Boden reichen, kommen die Tannen mit weniger Wasser über die Runden.

Jetzt haben Volperts den nächsten Schritt gestellt. Sie stellen auf biologischen Anbau um. Dazu wird der Grasbewuchs zwischen den Bäumen belassen. Das hält die Feuchtigkeit besser im Boden. Darüber hinaus werden die Zöglinge statt in Reihen in einer Art Schachbrettmuster mit größerem Abstand gesetzt. So kann der künftige Bestand mit dem kleinsten Traktor des Betriebs gemulcht werden. Außerdem wird nur noch mit biologischen Mittel gedüngt und gegen Schädlinge gespritzt. Wie sich das auf die Farbe der Tannennadeln auswirkt, wollen Vater und Sohn in einer Versuchsreihe ermitteln.

Dem Zufall darf man das nicht überlassen. Vor allem die Großhändler seien anspruchsvoll. Bestimmt zehn Mal muss deshalb an jeden Baum Hand angelegt werden, bis er die Plantage verlässt. Was das bedeutet, erklärt Herbert Volpert seinen Kunden gerne. Da braucht es einen sensiblen Formschnitt, um das Wachstum in die Breite zu steuern, und das Snipping, bei dem abstehende Triebe mit dem Finger abgezupft werden. Mit einer Spezialzange bekommt zudem jede Spitze Kerben.

Terminaltriebregulierung nennt man das. Sie verhindern, dass die Bäume wild in die Höhe sprießen.

Um den Betrieb zukunftsträchtig aufzustellen, haben Herbert und Elke Volpert zusammen mit Sohn Peter für ihre Christbaumaufzucht eine GbR gegründet. Das Marktumfeld ist nicht ganz einfach, weil die Großhandelspreise für Bäume stark gesunken seien. Dazu habe die Aufforstung von Sturmschäden mit Christbäumen beigetragen.

Als "Versuchsballon" startet Peter Volpert jetzt mit einer Vermarktungsschiene über das Internet. Über sie kann man sich einen Christbaum im Karton nach Hause schicken lassen. Möglicherweise will er das Angebot im kommenden Jahr um Rhöner Deko-Artikel erweitern. Solch strategische Überlegungen treten erst einmal in den Hintergrund, wenn sich Familie Volpert bald festlich um ihren einen und einzigen Christbaum im Wohnzimmer schart.Wolfgang Dünnebier

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