Leinach
Tourismus

Übernachten wie einst die Schäfer

Ungewöhnliche Hotelzimmer sind in der Rhön zu finden.
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Verbrachten drei Nächte im Schäferwagenhotel: Emil Seubert (14, links) und sein 13-jähriger Freund Jan Volkheimer. Von Leinach aus erkundeten sie mit ihren Rädern die Umgebung oder fuhren zum Schwimmen an den Sulzfelder Badesee.  Foto: Alfred Kordwig
Verbrachten drei Nächte im Schäferwagenhotel: Emil Seubert (14, links) und sein 13-jähriger Freund Jan Volkheimer. Von Leinach aus erkundeten sie mit ihren Rädern die Umgebung oder fuhren zum Schwimmen an den Sulzfelder Badesee. Foto: Alfred Kordwig
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Übernachtungsmöglichkeiten, die aus dem Rahmen fallen, erfreuen sich bei Touristen schon seit vielen Jahren großer Beliebtheit. Ob Leuchtturm, Tipi, Baumhaus, Erdhöhle oder Weinfass - es gibt fast keine Räumlichkeit, in der man sich in Deutschland nicht für eine oder mehrere Nächte einmieten könnte.

Auch im Grabfeld gibt es für Leute, die über ein Wochenende oder für einen ganzen Urlaub lang eine etwas andere Unterkunft suchen, eine feste Adresse: Vor fünf Jahren eröffnete im Sulzfelder Ortsteil Leinach Matthias Fahl das "1. Fränkisch-Bayerische Schäferwagenhotel".

Investitionen haben sich gelohnt

Auch wenn der 56-jährige Schreinermeister über ein geeignetes Grundstück am Ortsrand seines Heimatdorfes verfügte und die Schäferwagen in seiner Werkstatt selbst zusammenbauen konnte, war die Umsetzung der neuen Geschäftsidee dennoch ein großes Wagnis: Würden Wanderer, Radtouristen und Urlauber das neue Schäferwagenhotel annehmen und sich die Investitionen irgendwann einmal auszahlen.

Bereits zwei Jahre nach der Eröffnung konnte Matthias Fahl eine erste positive Bilanz ziehen: "Die Resonanz hat meine Erwartungen übertroffen", so der Leinacher damals und machte sich sofort an die Erweiterung seiner Ferienanlage. Allerdings stellte er keine weiteren Schäferwagen mehr auf dem idyllischen Grundstück mit den vielen Obstbäumen auf, sondern errichtete in den vergangenen drei Jahren vier zusätzliche Baumbetten und -häuser, die durch ihre originelle Optik ins Auge fallen.

Anlage nicht selten ausgebucht

Auch die Umsetzung dieser Idee sollte sich als Glücksgriff erweisen. Wie die acht Schäferwagen erfreuen sich mittlerweile auch die vier Baumbetten und -häuser großer Beliebtheit, wie Fahl exakt fünf Jahre nach Eröffnung seiner Hotelanlage bilanzieren kann. Vor allem an den Wochenenden im Sommer sind die Schäferwagen und Baumhäuser so stark nachgefragt, dass er Gäste manchmal auf einen späteren Termin vertrösten muss.

Die Idee, auf dem weitläufigen Grundstück unterhalb des Schreinerei- und Treppenbaubetriebs ein Schäferwagenhotel zu eröffnen, hatte vor ein paar Jahren der Sohn von Matthias Fahl. "Der wollte unbedingt ein Schäfchen haben", erinnert sich der Leinacher, der sich weiter hauptberuflich seiner Schreinerei widmen wird. "Dann hat er auf einem Prospekt einen Schäferwagen gesehen und der war ihm lieber als ein echtes Schaf."

Auch in den vergangenen Wochen war im Leinacher Schäferwagenhotel kaum ein Schlafplatz frei. Was auffällt: Nicht wenige Gäste kommen von weiter her, zum Teil auch aus dem Ausland, um eine oder mehrere Nächte in der Anlage zu verbringen wie zum Beispiel neulich eine Pärchen aus dem Saarland, dem vor allem die noch intakte Natur rund um Leinach gefallen hat. Es sind aber auch Besucher aus der Nähe, die nach einem Ausflug mit dem Auto, einer Radtour oder Wanderung einfach einmal "etwas anders" übernachten wollen. So mieteten sich kürzlich zwei befreundete Ehepaare aus Poppenlauer bei Maßbach für eine Nacht in zwei Schäferwägen ein. "Wir werden bestimmt noch einmal wiederkommen", sagt Ewald Kneuer am Morgen nach dem Frühstück, der mit seiner Gattin Inge in Begleitung von Lothar und Andrea Düring im Schäferwagenhotel nächtigte.

Einen ungewöhnlichen Hintergrund hatte der viertägige Aufenthalt von Jan Volkheimer und Emil Seubert im Schäferwagenhotel. Die beiden 13 und 14 Jahre alten Schüler aus der Nähe von Bad Neustadt wollten eigentlich gemeinsam ein paar Tage zelten, was ihnen von den angefragten Campingplatzbetreibern wegen ihres jugendlichen Alters aber nicht gestattet wurde. Kurzerhand buchten die Eltern eine der Schäferhütten, von der aus die zwei Jungs zu Radtouren in die Umgebung aufbrachen. "Es gefällt uns gut hier", sagt Jan Volkheimer nach der ersten Nacht in der Schäferhütte. Neben Matthias Fahl kümmern sich seine Ehefrau Sabine Böck und einige weitere Mitarbeiterinnen um den Betrieb des Schäferwagenhotels, das über ein eigenes Schwimmbad und eine Jägerstube verfügt. "Deshalb werden wir häufig auch von größeren Gruppen gebucht", so Fahl, der seine Unterkünfte über eine eigene Homepage und diverse Internet-Portale anbietet.

Schäferwagen

Dabei handelt es sich ursprünglich um den Wohn- und Schlafplatz eines Wanderschäfers. Die ersten Schäferwagen waren so niedrig, dass man nur hineinschlüpfen konnte. Erst Ende des 19. Jahrhunderts erreichten sie Stehhöhe. Die Unterkünfte im Leinacher Schäferwagen-Hotel, Nachbauten historischer Schäferwagen, insgesamt acht Stück, sind wasser- und winddicht und mit bequemen Schlafplätzen ausgestattet. Dazu kommen ein Tisch, eine Bank und ein Kleiderschrank. Einige Schäferwagen verfügen über einen kleinen Holzofen. Alfred Kordwig

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