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Aschach bei Bad Kissingen
Schlossgeschichtem

Tür an Tür mit der Kronprinzessin

Als Karl von Luxburg starb, hieß es, es gebe keine gräflichen Nachfahren mehr. Dabei hatte der Diplomat freilich noch Verwandte. Zwei Großneffen erzählen.Als Karl von Luxburg starb, hieß es, es gebe keine gräflichen Nachfahren mehr. Dabei hatte der Diplomat freilich noch Verwandte. Zwei Großneffen erzählen.
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Familienbesuch auf dem Schloss: Unser Bild zeigt (von links) die beiden Großneffen des Diplomaten Karl von Luxburg, Harro und Joachim, mit Enkelin Maike und mit Harro von Luxburgs Frau Brigitte, daneben Dr. Birgit Speckle vom Bezirk Unterfranken und die Museumsleiterin von Schloss Aschach, Josefine Glöckner.  Foto: Archiv Isolde Krapf
Familienbesuch auf dem Schloss: Unser Bild zeigt (von links) die beiden Großneffen des Diplomaten Karl von Luxburg, Harro und Joachim, mit Enkelin Maike und mit Harro von Luxburgs Frau Brigitte, daneben Dr. Birgit Speckle vom Bezirk Unterfranken und die Museumsleiterin von Schloss Aschach, Josefine Glöckner. Foto: Archiv Isolde Krapf

Karl Graf von Luxburg hatte schon zu Lebzeiten testamentarisch verfügt, dass Schloss Aschach nach seinem Tod als Schenkung an den Bezirk Unterfranken übergehen sollte. Denn der Diplomat im fernen Buenos Aires, der den Familienbesitz an der fränkischen Saale etliche Jahre als Sommerresidenz nutzte, hatte keine Kinder. Als er 1956 starb, galt die Linie der von Luxburgs offiziell als erloschen. Die gräfliche Familie existierte unterdes freilich weiter. Verwandte des einstigen Diplomaten sind heute sogar gelegentlich wieder zu Gast im Schloss.

Als sein Bruder Hermann nämlich 1912, mit nur 32 Jahren, plötzlich starb, übernahm Karl von Luxburg die Vormundschaft für dessen Sohn Hermann Friedrich von Luxburg. Sein Neffe durfte die Ferien dann immer auf dem Schloss verbringen. Auch später, als er schon verheiratet war und mit seiner Familie in Stuttgart lebte, war Hermann Friedrich von Luxburg mit seiner Gattin im Sommer stets auf dem Schloss willkommen, erzählten seine Söhne Harro und Joachim von Luxburg jüngst bei einem Besuch in Aschach.

Distanziert, aber eindrucksvoll

"Wir Kinder waren da allerdings nicht mit eingeladen", sagt Dr. Joachim Graf von Luxburg (76), Psychotherapeut in Königsbrunn. Vielleicht weil der steife und an Staatsprotokolle gewöhnte Diplomat nicht so gut mit Kindern umgehen konnte? Auch dessen Gattin Carola Martinez de Hoz haben die beiden Großneffen als eher distanzierte, jedoch durchaus eindrucksvolle Persönlichkeit in Erinnerung. Und dann hieß es damals plötzlich, der Großonkel wolle nun auch die Söhne seines Neffen endlich einmal kennenlernen - allerdings einen nach dem anderen. "1955 war Harro dran, ein Jahr später sollte ich nach Aschach kommen", erinnert sich Joachim von Luxburg schmunzelnd. Zu letzterem Besuch kam es dann leider nicht mehr, weil der Großonkel 1956 starb.

"Als Kinder wussten wir, dass es das Schloss gibt. Wir wurden in Stuttgart immer wieder darauf angesprochen." Dementsprechend gespannt war Harro Graf von Luxburg, Rechtsanwalt in München, als er damals endlich in die Sommerresidenz seines Großonkels eingeladen wurde.

Dennoch sind die Erinnerungen des 77-Jährigen heute fragmentarisch. "Es ist nicht viel, der Besuch hat sich offenbar nicht tief eingegraben." Aber eins weiß er noch ganz genau: Er und seine Eltern wurden damals von dem Diplomaten höchstselbst am Bahnhof in Bad Kissingen abgeholt.

Sein Großonkel, damals bereits über 80, habe in seinem hellen Anzug "sehr gepflegt" gewirkt, sagt der Großneffe. "Er war eine recht imposante Erscheinung." Umarmungen zur Begrüßung gab es aber nicht, "daran wäre damals nicht zu denken gewesen."

Aber er habe den beeindruckenden Verwandten immerhin schon "Onkel Karl" nennen dürfen und nicht mehr siezen müssen, wie das damals noch üblich war.Mit dem Bus ging's nach Aschach. Das Mittagessen gab's stets in der so genannten Kapelle, einem kleinen Erker, der damals ein Esszimmer war, schildert Von Luxburg die hochherrschaftlichen Ereignisse seines Besuchs. Und dann erlebte er eine Überraschung: "Es gab Blumenkohl, mit Käse überbacken. Für mich war das was Besonderes, denn die Mahlzeiten waren bei uns zu Hause damals schlicht, so dass ich den Blumenkohl als eine Spezialität empfand." Ungewohnt sei für ihn auch gewesen, dass es Dienstboten gab. "Ein Mädchen in Schürze und Häubchen bediente uns beim Essen." Irgendwann nahm das Schicksal dann seinen Lauf, als sein Großonkel fragte, wofür er sich interessiere? "Ich hätte besser gesagt, für Latein, denn darin war ich recht gut. Aber ich sagte, für Geschichte, weil ich den Mann von Welt beeindrucken wollte." Da habe er ihm gleich "auf den Zahn gefühlt" und ihn über Kaiser Diokletian ausquetschen wollen. Im Alter von 14 Jahren sei sein Wissen aber damals noch recht begrenzt gewesen, so dass er bald habe passen müssen. Harro von Luxburg: "Ich glaube, er wollte mich damals testen."

Zukunft des Schlosses

Vielleicht fünf Tage lang sei er damals auf dem Schloss zu Gast gewesen. Gern erinnert er sich noch daran, dass er mit dem Vater unten, hinter der Mühle, in der Saale schwamm. Das Schloss habe ihm damals mächtig imponiert. In ein paar Zimmer durfte er auch hineinschauen. Seine Mutter habe bei ihren Aschacher Besuchen immer ein bestimmtes Zimmer bezogen, das neben dem der Kronprinzessin Cecilie Auguste Marie Herzogin zu Mecklenburg lag. Denn die Ehefrau Wilhelm von Preußens war, während ihrer Kuraufenthalte in Bad Kissingen, immer wieder auf dem Schloss zu Gast. Seine Mutter sei gern mit der Kronprinzessin zusammengetroffen, weiß Harro von Luxburg. "Meine Mutter hatte überhaupt eine starke Bindung nach Aschach." Joachim von Luxburg lernte das Schloss eigentlich erst in den 1970er Jahren, während eines Besuchs mit seiner eigenen Familie, kennen. "Wir nahmen damals an einer Schlossführung teil", erinnert sich der Großneffe des früheren Diplomaten. "Die von Luxburgs sind ausgestorben", wurde damals vom Schlossführer kolportiert. Das sei für ihn und seine Familie komisch gewesen. "Papa, wir sind doch nicht tot", sagte seine Tochter Ulrike damals ganz empört. Der Luxburg-Nachfahre vermutet, dass der Bezirk Unterfranken wohl in den ersten Jahrzehnten die Umstände, die zur Übergabe des Schlosses als Schenkung führten, nicht an die große Glocke habe hängen wollen.

Denn über die Zukunft des Schlosses habe es freilich bereits zu Lebzeiten des Großonkels unterschiedliche Ansichten gegeben, so Joachim von Luxburg weiter. "Mein Vater wollte es in der Familie halten, mein Großonkel wollte es verschenken." Harro von Luxburg kann sich auch noch daran erinnern, dass sein Vater und der Großonkel des Öfteren darüber diskutierten, was später mit dem Aschacher Besitz geschehen solle. "Der Verzicht fiel meinem Vater schwer, denn schließlich war das Schloss ja in den Ferien auch seine Heimat gewesen."

"Wir Brüder stehen aber heute voll zu der Entscheidung, die unser Großonkel damals traf, und wir sind froh darüber, wie wertschätzend der Bezirk mit dem Schloss umgeht", sagt Joachim von Luxburg. Er freue sich, dass nun mit der aktuellen Neugestaltung des Museums zum Beispiel auch die Beziehungen des Grafenpaars zu den Dienstboten mehr Gewicht haben. Wichtig sei, dass das Schloss nicht leer steht, dass es vielmehr der Öffentlichkeit zugänglich ist und zeigt, wie man damals im 19. Jahrhundert gewohnt und gelebt hat, sagt Joachim von Luxburg. Es spiegle die Epoche seines Urgroßvaters und dessen Frau wieder.

Beruflich beschäftige er sich als Psychotherapeut auch mit generationenübergreifender Familientherapie, sagt Joachim von Luxburg. Dass die Von Luxburgs in Aschach eine Zeit lang totgeschwiegen wurden, habe stets im Widerspruch zu seinen beruflichen Erkenntnissen gestanden. Denn die Vorfahren seien eine Realität, die man nicht wegleugnen könne. "Insofern ist es jetzt schön, dass wir, nach 50 Jahren, nun wieder dazu gehören, seit Erwin Dotzel Bezirkstagspräsident ist."

Etwas Märchenhaftes

Auch seine Enkelin Maike von Luxburg war zweimal bei Besuchen in Aschach dabei. "Als ich klein war, wusste ich vom Schloss, und dessen Geschichte hat mich interessiert", so die Elfjährige. "Opa hat auch viel davon gesprochen." Ihre Freundinnen hätten ihr das früher gar nicht abgenommen, wenn sie vom Schloss erzählte. "Ich komme gern hierher." Denn schließlich habe das Schloss schon etwas Märchenhaftes.Isolde Krapf