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Bad Kissingen
Kommunalwahlen

Thomas Menz: Kliniken, Hospiz, Kreißsaal

Thomas Menz will für die SPD Landrat werden.Als Rot-Kreuzler ist ihm die Gesundheitspolitik wichtig. In Sachen Mobilität setzt er auf Wasserstoff, bei der Ferienbetreuung von Schülern sieht er dringenden Handlungsbedarf.
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Thomas Menz will Landrat werden. Den Wahlkampf sieht der stellvertretende Rot-Kreuz Geschäftsführer mehr als Wahlbewerbung. Benedikt Borst
Thomas Menz will Landrat werden. Den Wahlkampf sieht der stellvertretende Rot-Kreuz Geschäftsführer mehr als Wahlbewerbung. Benedikt Borst

Bei der letzten Wahl stand bereits im Vorfeld fest, dass Landrat Thomas Bold (CSU) weiterhin im Amt bleiben würde - schickten die anderen Parteien vor sechs jahren doch keinen Gegenkandidaten ins Rennen. Diesmal können die Wähler zwischen ihm, der Grünen Bundestagsabgeordneten Manuela Rottmann und dem SPD Stadt- und Kreisrat Thomas Menz wählen. Im Interview erklärt der 48-jährige SPD-Kandidat wieso er denkt, dass sich der Kampf für eine Geburtsstation lohnt, warum er sich für Mobilität mit Wasserstoff stark macht und wieso mehr in den Nahverkehr investiert werden muss.

Herr Menz, Sie haben vor sechs Jahren überraschend als Neuling von Listenplatz 24 aus eines von elf SPD-Mandaten für den Kreistag erhalten. Seit einem Jahr sind Sie Fraktionssprecher, jetzt wollen Sie Landrat werden. War das das große Ziel?

Thomas Menz: Wir hatten 2008 und 2014 keinen Landratskandidaten. Als zweitgrößte Fraktion muss man auch den Mut haben und sich zur Wahl stellen. Mit unseren Umfragewerten gibt es leichtere Aufgaben, das weiß ich auch. Und wenn man sich zur Wahl stellt, muss man auch verlieren können. Ich unterliege da keinem Druck und finde, man kann so eine Kandidatur auch einfach mal genießen.

Inwiefern?

Ich bin nicht im Wahlkampf. Ich mag das Wort Kampf nicht. Ich sehe das mehrals Wahlbewerbung. Ich bewerbe mich und wenn es nichts wird, bekomme ich deswegen keine Depressionen. Aber ich habe die Verantwortung übernommen und mich zur Wahl gestellt. Ich sehe das als demokratisch wichtig an, dass es nicht nur einen Kandidaten gibt.

Entscheidungen fallen im Kreistag oft sehr harmonisch aus. Könnte man nicht sagen: Es wird zu wenig, oder zu wenig öffentlich diskutiert?

Man könnte auch sagen, wir sprechen und diskutieren sehr gründlich, und am Ende trägt die Mehrheit das Ergebnis mit.

Sie sind seit 26 Jahren beim Roten Kreuz. Sehen Sie im Falle einer Wahl die Gesundheitspolitik als Schwerpunkt?

Mein Programm ist sehr auf den Bereich Gesundheit ausgelegt. Die gesundheitliche Versorgung ist mir wichtig.

Der Landkreis ist gesetzlich verpflichtet, zum Beispiel die Versorgung mit einem Kreißsaal und mit Hebammen sicherzustellen.

Richtig. Das Thema Geburtenstation verfolge ich im Kreistag schon länger. Auch in der Gesellschafterversammlung im Elisabeth-Krankenhaus habe ich das Thema immer wieder vorgebracht. Die Kreißsäle gibt es ja immer noch. Wir haben da ehrlich gesagt politisch nicht viel Handhabe, aber meinen Wunsch in verantwortlicher Position kann ich schon immer wieder äußern und inzwischen gibt es ja auch die entsprechenden Fördermöglichkeiten. Ich bin ein Freund von kleinen Krankenhäusern. Ich halte ein Krankenhaus der Standard- und Regelversorgung vor Ort für notwendig. Gerade für einen Gesundheitsstandort wie den Landkreis Bad Kissingen.

Wie kann der Kreis den Kliniken helfen? Die stehen vor vielen Problemen, angefangen damit ausreichend Personal zu finden bis hin dazu,Leistungen vorzuhalten, die sich wirtschaftlich nicht rechnen - vielleicht auch, weil die Leute doch lieber nach Schweinfurt oder Würzburg in die Klinik fahren.

Das geht nur über Gespräche mit den Verantwortlichen in den Kliniken. Wir brauchen hier ein partnerschaftliches Verhältnis. Ich muss mir vor Ort einen Überblick verschaffen, um dann zu sehen, wo der Landkreis unterstützen kann. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel eine gemeinsame Werbeaktion.

Wie schwierig könnte es werden, ihre Ideen umzusetzen?

Beim Thema Geburtenstation gibt es das Geburtshilfe-Förderprogramm. Man muss hier gemeinsam ins Gespräch kommen und nach Möglichkeiten suchen. Die Entscheidung liegt natürlich nicht alleine in den Händen der Politik. Ich denke aber, man sollte die Maßnahme auf jeden Fall begleiten.

Die Geburtsstation wieder zu eröffnen, sehen sie als realistisch?

Absolut. Aber vorher muss man die Grundlagen schaffen, dass die Geburtenstation auch angenommen wird. Wichtig wäre mir dann noch beim Thema Gesundheit, die Pflegeinfrastruktur weiterzuentwickeln, auch ein stationäres Hospiz fände ich nötig. Wir haben die nächsten in Würzburg und Alzenau. Ich gebe meinen Angehörigen ja nicht nur im Hospiz ab, sondern will ihn ja regelmäßig besuchen. Da sind die Wege für unsere Landkreisbürger viel zu weit. Und auch Hausarztstrukturen muss man sich anschauen. Der Hausarzt, wie er die ganze Zeit war mit einer 70-Stunden-Woche, immer erreichbar - das möchten die jungen Ärzte nicht mehr. Deswegen sehe ich als Möglichkeit Mehrbehandlerpraxen und Ärztehäuser. Das ist zwar eine kommunale Aufgabe, aber der Kreis kann hier unterstützen.

Themenwechsel: Wie stehen Sie zur E-Mobilität?

Ich persönlich glaube, dass die Vorstellung, dass wir alle mal mit Batterieautos durch die Gegend fahren für eine Illusion. E-Mobilität ist im Moment ein Mittel, aber sollte nicht das alleinige bleiben..

Wissen Sie, wie viele Ladestationen es in Bad Kissingen gibt?

Auswendig weiß ich die am Salinenparkplatz und im Theaterparkhaus. Die Ladeinfrastruktur sollten wir auf jeden Fall ausbauen. Aber mein Aufhänger ist der Wasserstoff. Die Technik gibt es und es wäre eine Alternative für den Landkreis.

Braucht es da nicht erst die Technik in die Breite?

Ich meine, man müsste das vorhalten. Bosch steigt schon um und sagt, Wasserstoff ist für uns die Technik der Zukunft. Irgendwann müssen wir bei uns ja auch mit neuen Technologien anfangen, etwa mit einer Wasserstofftankstelle an der Autobahn. Bei den Lkws und Bussen wird der Einstieg dementsprechend kommen. Es steht uns gut, wenn wir im Landkreis eine Vorreiterrolle beim Wasserstoff einnehmen. Wenn wir sagen, wir bieten es zumindest einmal an und wenn wir dann die Chance haben, dass sich darüber Firmen ansiedeln, die das weiter betreiben, wäre das für uns ein Aushängeschild.

Ist das realistisch? Die Firmen, die das anbieten, haben ihre Zentren in Schweinfurt. Wieso sollten die bei uns investieren?

Es geht ja nicht um die Forschungsmöglichkeiten, sondern um die Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff. Wir sind im Moment bei Lkws, Bussen und Zügen. Auch beim Auto ist der Tankvorgang fast so schnell wie bei Benzin. Warum sollte man es also nicht versuchen und sagen: Wir interessieren uns für Wasserstoff. Wir sind eine Gesundheitsregion und ein Flächenlandkreis mit viel Auf und Ab. Gerade da bietet es sich an. Ein E-Bus hat es in der Rhön schwer.

Wie stellen Sie sich denn Wirtschaftspolitik im Landkreis vor?

Wir sind eine Gesundheitsregion und haben vieles im Bereich Gesundheitstechnik. Da muss man sich darüber unterhalten: Können wir den Unternehmen Flächen anbieten. Wir haben hier einen Standortfaktor, dass die Firmen zu uns kommen. Wir bieten bezahlbaren Wohnraum für ihre Mitarbeiter. Ich denke, dass sich das in den nächsten Jahren viel von den Ballungszentren wegverlagern wird.

Denken Sie da an neue Baugebiete oder an Altbestand renovieren?

Den Altbestand zu renovieren hat natürlich Vorrang, weil wir sonst Leerstand erzeugen. Wenn aber mehr Platzbedarf ist, muss man nach Möglichkeiten suchen. Arbeitsplätze in die Region zu bringen, ist wichtiger Standortfaktor.

Die Menschen, die im besten Fall hierherkommen, brauchen dann aber auch einen Betreuungsplatz für ihre Kinder.

Viele sagen, da müsste sich mehr tun. Nachdem ich selber zwei Kinder habe weiß ich, es gibt viel Ferien, aber wenig Urlaub. Wer nicht das Glück hat wie ich, Oma und Opa zu haben stößt da schnell an seine Grenzen. Es gibt tolle Projekte in Bad Kissingen wie vom Mehrgenerationenhaus, das Ferienbetreuung anbietet. Meine Idee wäre, das auf den Landkreis auszudehnen.

Reicht das? Gerade bei der Ferienbetreuung von Grundschülern gibt es zu wenige Angebote.

Da müssen wir mehr machen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein Problem, das uns alle angeht. Wir sollten zumindest in kleinen Schritten anfangen, da wo es Lücken gibt. Allerdings jetzt zu sagen, wir bieten auf einen Schlag Betreuung für die ganzen Sommerferien an, wäre unrealistisch.

Wichtig wäre auch ein besserer ÖPNV. In manchen Gemeinden kannst du dich nur vor den Schulbus schmeißen, sonst kommst du da nicht weg.

Der Ausbau des ÖPNV ist ein Thema. Wir haben bereits einen guten ÖPNV, aber da muss ständig nachgebessert werden. Wir haben Problembereiche. Es geht aber immer auch um die Auslastung. Geisterbusse wollen wir nicht fahren lassen.

Im neuen Nahverkehrsplan werden flexible Rufbusse als eine Möglichkeit geprüft. Ist das praktikabel und zu finanzieren?

Der ÖPNV muss attraktiv gestaltet werden, sonst lässt der Bürger sein Auto nicht stehen. Um das zu erreichen, müssen wir mehr Geld in den ÖPNV investieren. Wir unterhalten uns über Klima und wollen was tun. Irgendwo müssen wir anfangen. Es bringt nichts zu sagen, das Auto ist schlecht, aber für den Nahverkehr haben wir kein Geld. Aufs Pferd können wir nicht mehr steigen. Der ÖPNV ist ein Thema bei der Kreisumlage. Wir sind bei der SPD für eine niedrige Kreisumlage, um die Kommunen nicht zu sehr zu belasten. Wenn ich als Kreis in den ÖPNV investiere, kann sich das aber auch auf eine höhere Kreisumlage auswirken. Die Fragen stellten Susanne Will und Benedikt Borst.

Podiumsdisussion Thomas Bold (CSU), Manuela Rottmann (Grüne) und Thomas Menz (SPD) stehen auf unserem Podium Rede und Antwort. Die Veranstaltung findet statt am Donnerstag, 20. Februar, in der Mehrzweckhalle in Oberthulba. Beginn ist um 19 Uhr. Fragen an die Kandidaten mailen Sie uns an:b.borst@infranken.de

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