Bad Brückenau
Gericht

Täter aus Bad Brückenau hat seinem Opfer das Gesicht zerschnitten und gelacht

Drei Jahre und elf Monate muss ein 35-Jähriger ins Gefängnis, nachdem er mit einer abgebrochenen Flasche auf Nachbarn losgegangen ist.
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Nachbarn beleidigen, drohen, schlägern: Das war für einen 35-Jährigen normaler Alltag, bis er schließlich total ausrastete.  Symbolfoto: Pixabay
Nachbarn beleidigen, drohen, schlägern: Das war für einen 35-Jährigen normaler Alltag, bis er schließlich total ausrastete. Symbolfoto: Pixabay

Nachbarn beleidigen, drohen, schlägern: Vor allem damit ist ein 35-Jähriger aus Bad Brückenau aufgefallen. Über Italien war der Iraker 2010 erstmals nach Deutschland gelangt. Eine Zeitlang hatte er Arbeit, seit 2016 aber nicht mehr. Er lebt von Hartz IV. Zuhause sein, Einkaufen im Supermarkt, Gang zum Dönerladen - darin besteht sein Alltag, erzählt er dem Gericht.
Im letzten Dezember rastete er völlig aus: Mit einer zersplitterten Bierflasche ging er auf einen 32-jährigen Werkzeugmechaniker los und fügte ihm damit schwere Verletzungen im Gesicht zu.


Wunden mit 50 Stichen genäht

Der 32-Jährige hatte sich erlaubt, ihn zu fragen, welches Problem er mit dem 16-jährigen Bruder seiner Lebensgefährtin hat, dem er unterstellte, öfters anlasslos bei ihm an Wohnung zu klingeln, und den er in den Tagen davor übelst beleidigt und bedroht hatte. Er werde ihn und seine Nachbarn umbringen, "diese Arschlöcher", hatte der 35-Jährige gesagt. Nun, vor dem Dönerladen darauf angesprochen, wurde er erneut sofort verbal ausfällig.
Als der 32-Jährige meinte, die Lage habe sich einigermaßen beruhigt, holte sich der 35-jährige Iraker eine Bierflasche aus dem Kühlschrank des Dönerladens und schlug sie dem ebenfalls anwesenden 16-Jährigen so fest auf den Kopf, dass sie zersplitterte. Diesem eilte der Werkzeugmechaniker zu Hilfe, da stach der 35-Jährige mit den scharfen Kanten des Flaschenhalses auf dessen Gesicht ein, verletzte ihn an der Stirn, neben dem rechten Auge, am Hals und unterhalb des linken Ohres schwer. Das Opfer blutete stark. Die Wunden mussten im Krankenhaus mit 50 Stichen genäht werden.

 


Schlag auf den Hinterkopf

Nach dieser brutalen Attacke steckte sich der 32-Jährige auch noch eine Zigarette an und lachte unverschämt - wie mehrere Tatzeugen übereinstimmend berichten. Anschließend verschwand der Mann vom Tatort, wurde später aber von der Polizei aufgegriffen.
Wegen seiner Beleidigungen, Drohungen und insbesondere der gefährlichen und schweren Körperverletzungen mit der Bierflasche gegen den 32-Jährigen und den 16-Jährigen musste sich der Iraker nun vor dem Schweinfurter Schöffengericht verantworten.
Hinzu kommt eine weitere kaum zu glaubende Attacke: Am 30. Dezember übernachtete der Angeklagte bei einem 37-Jährigen in Münnerstadt, den er vom Aufnahmelager Zirndorf kannte. Am Folgetag, beim Gang zum Supermarkt, schlug er diesem grund- und anlasslos von hinten einen Ast über den Hinterkopf, so dass dieser zu Boden stürzte und eine stark blutende Kopfwunde davontrug. Beim Aufstehen erhielt der Gastgeber auch noch einen Faustschlag ins Gesicht.
All diese Taten, wie sie die Anklageschrift ausführlich beschreibt, bestritt der Angeklagte, bezeichnete sich als "friedliebenden Menschen", der immer von anderen provoziert werde. Im Auch im Dönerladen sei er von dem 32-Jährigen bedroht worden und von dem 16-Jährigen auf den Kopf geschlagen worden: "Ich hatte Angst, sie werden mich töten." Seine Attacke gegen beide mit der Bierflasche waren demnach ein purer Akt der Selbstverteidigung.

 

 


Unter einschlägiger Bewährung

Staatsanwalt wie Gericht glauben ihm kein Wort, sondern den Opfern und Zeugen - darunter eine Elfjährige, die vor Gericht aussagt. Der Angeklagte ist bei der örtlichen Polizei bereits als aggressiv bekannt. Er bringt drei Vorstrafen mit: Mehrere Beleidigungen, Körperverletzungen, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung. Zur Tatzeit steht er unter einschlägiger Bewährung.
All dies spreche gegen den Angeklagten, für ihn eigentlich nichts, sagt der Staatsanwalt und fordert drei Jahre und zwei Monate Haft. Der Anwalt des 32-jährigen Opfers (Nebenkläger) kann sich eine höhere Strafe vorstellen. Einige Narben im Gesicht würden für immer sichtbar bleiben.
Die Verteidigerin sieht einen Gutteil der Vorwürfe als nicht erwiesen an und plädiert für lediglich eine Bewährungsstrafe von 15 Monaten.
Das Urteil: Drei Jahre und elf Monate Gefängnis. Es sei reines Glück, dass der 32-Jährige durch einen Bierglassplitter unterhalb des rechten Auges nicht erblindet sei und ein Schnitt die Halsschlagader knapp verfehlt habe, sonst säße er vielleicht nicht hier. Dass der Angeklagte das blutende Opfer dann auch noch ausgelacht habe, wertet der Vorsitzende als besonders verwerflich. Deshalb liege das Urteil noch über dem Antrag des Staatsanwaltes. Dagegen sind Rechtsmittel möglich. Stefan Sauer

 



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