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Bad Königshofen im Grabfeld
Tierschutz

Stippvisite bei Mopsfledermaus

Im Landkreis Rhön-Grabfeld war ein Fledermaus-Zähltrupp unterwegs. Bei der Inspektion der Winterquartiere stießen sie auch auf die europäische Fledermaus des Jahres.
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In der Region noch relativ weit verbreitet: die Mopsfledermaus. Die Art wurde für die Jahre 2020 und 2021 zur "Europäischen Fledermaus des Jahres" ausgerufen.  Foto: DPA/Stefan Thomas
In der Region noch relativ weit verbreitet: die Mopsfledermaus. Die Art wurde für die Jahre 2020 und 2021 zur "Europäischen Fledermaus des Jahres" ausgerufen. Foto: DPA/Stefan Thomas
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Seit vielen Jahren schon machen sich engagierte Tierschützer einmal im Jahr auf den Weg, um im Landkreis Rhön-Grabfeld die Winterquartiere von Fledermäusen aufzusuchen und die dort überwinternden Tiere zu zählen. Angeführt wurde der Trupp auch diesmal wieder von Georg Warnke aus Oberelsbach, Initiator der alljährlichen Zählaktionen und seit 1987 Leiter des Arbeitskreises "Fledermaus" im Bund Naturschutz Bayern der Kreisgruppe Rhön-Grabfeld.

Zum "harten Kern" der Fledermauszähler gehörten Claudia Beyer von der Regierung von Unterfranken, der Diplom-Biologe Matthias Hammer von der Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Nordbayern und der Naturfreund Dieter Schmitt. Aufgesucht wurden diesmal insgesamt 18 Winterquartiere, wobei sich die Suche mit der Taschenlampe und die anschließende Erfassung auf dem Notizzettel in den Kellergewölben der Salzburg in Bad Neustadt besonders lohnte: Dort wurden nicht weniger als 40 Tiere gezählt, die neun Arten zugeordnet werden konnten.

Über 200 Tiere gezählt

Obwohl in den aufgesuchten Quartieren mit 206 überwinternden Fledermäusen etwas weniger Tiere gezählt wurden als im Durchschnitt der vergangenen Jahre, ist Georg Warnke überzeugt: Die Fledermaus-Bestände im Landkreis Rhön-Grabfeld sind dank der vom Bund Naturschutz geleisteten Aufklärungsarbeit und verschiedener Schutzmaßnahmen stabil. Dass diesmal relativ wenige Tiere gezählt wurden, lag seiner Einschätzung nach an den milden Temperaturen in diesem Winter, die viele Fledermäuse davon abhalten, ein festes Winterquartier aufzusuchen.

Besonders erfreulich: Bei der Inspektion der 18 Keller, Gewölbe und anderer Unterschlüpfe wurden Vertreter aller 16 im Landkreis Rhön-Grabfeld vorkommenden Fledermausarten entdeckt. Mit 54 Treffern war die Zahl bei den Großen Mausohren am größten, dicht gefolgt von der Mopsfledermaus mit 50 Tieren. Nur vereinzelt waren dagegen die Bart- und die Fransenfledermaus mit jeweils fünf und die Bechsteinfledermaus mit sechs Tieren anzutreffen.

Forschungsprojekt

Eng in die Zählaktionen der Tierschützer vor Ort eingebunden ist von Anbeginn die Koordinationsstelle für den Fledermausschutz in Nordbayern, die im Auftrag des Landesamtes für Umwelt tätig ist. Ihr Betreuer Matthias Hammer ist regelmäßig bei den Inspektionen der Winterquartiere dabei, bei denen es sich um ein bayernweites Forschungsprojekt handelt. Die gewonnenen Daten fließen in eine Datenbank am Bayerischen Landesamt für Umwelt in Augsburg ein. "So sind auch die Zahlen aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld Grundlage von Verbreitungskarten der einzelnen Fledermausarten oder der Roten Liste der gefährdeten Säugetiere", erklärt Hammer.

Interessanter Hintergrund der Winterzählung: Die Mopsfledermaus wurde europaweit als "Fledermaus der Jahre 2020 und 2021" ausgerufen. Und gerade von dieser Art gibt es im Landkreis noch relativ viele Exemplare.

Die kälteharten Fledermäuse sind erst bei strengem Frost gezwungen, geschütztere Hangplätze in Kellern und Gewölben aufzusuchen. "Dementsprechend wurden in diesem milden Winter auch vergleichsweise wenige Mopsfledermäuse gefunden", so der Fledermausexperte.

Matthias Hammer weist darauf hin, dass Fledermausschutz ohne großen Aufwand möglich ist. Das Spektrum möglicher Schutzbemühungen umfasse ungestörte Kirchendachböden als Sommerquartiere der Weibchenkolonien und Gewölbekeller, in denen die winzigen Tiere die kalte und nahrungslose Zeit am besten verschlafen können. Im Wald könne man Fledermauskästen anbringen oder alte Bäume mit Spalten und Spechthöhlen stehen lassen.

Die Verbreitung der Fledermäuse im Landkreis Rhön-Grabfeld wird regelmäßig von ehrenamtlich tätigen Fledermausschützern und Mitarbeitern der Naturschutzbehörden erfasst.

Fledermaus des Jahres

Die Mopsfledermaus wurde von der Naturschutzorganisation BatLife Europe zur Fledermaus des Jahres 2020-2021 gekürt. Denn sie zählt in den meisten europäischen Ländern und Deutschland zu den stark gefährdeten Arten. Gebietsweise ist sie sogar vom Aussterben bedroht. Ihren Namen verdankt die Mopsfledermaus der platten Nase. Weitere typische Merkmale sind die eng zusammenstehenden Ohren und das dunkle Fell mit hellen Haarspitzen. Die "Waldfledermausart" mit dem wissenschaftlichen Namen Barbastella barbastellus ist eng an reich strukturierte Wälder mit einem hohen Totholzanteil und alten Bäumen gebunden.

Die Mopsfledermaus ernährt sich vorwiegend von Nachtfalterarten, insbesondere Kleinschmetterlingen. Gefährdungsfaktoren neben dem Rückgang der Insekten sind die Zerschneidung der Landschaft durch Verkehrstrassen und Siedlungen sowie fehlendes Alt- und Totholz in Wäldern. Da auch zahlreiche Winterquartiere von den 1950er bis in die 1970er Jahre verloren gingen, brach der Bestand deutschlandweit dramatisch ein. Nach aktuellen Beobachtungen erholt sich die Population langsam von diesem Aderlass. Schwerpunkte der Wintervorkommen in Nordbayern sind neben der Rhön das Maintal, die Haßberge, der Landkreis Coburg und die Frankenalb.

Meldungen Als ehrenamtliche Ansprechpartner stehen Georg Warnke aus Unterelsbach (Tel.: 09774 / 395) und Dieter Schmitt aus Hollstadt (Tel.: 09773 / 890598) zur Verfügung.

Meldungen über Fledermausvorkommen nimmt auch die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt in Bad Neustadt entgegen: Joachim Jenrich (Tel.: 09771 / 94-338, E-Mail: joachim.jenrich@rhoen-grabfeld.de). Alfred Krodwig

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