Hohenroth bei Bad Neustadt an der Saale
Hilfe

Statt des Arztes kommt "Verah"

"Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis" soll Hausärzte entlasten. Das testet Hohenroths Dr. Tobias Fröhling mit dem telemedizinischen Projekt "Mona".
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Telemedizin der Zukunft im Landkreis Rhön-Grabfeld: Bei der Übergabe des E-Autos von Projekt "Mona" an die Praxis Fröhling in Hohenroth freuten sich (von links) Sabrina Knaier (am Steuer), Alma Wirsing, Dr. Tobias Fröhling, Anja Partheymüller vom Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen und Dr. Günter Fröhling.  Foto: Hubert Herbert
Telemedizin der Zukunft im Landkreis Rhön-Grabfeld: Bei der Übergabe des E-Autos von Projekt "Mona" an die Praxis Fröhling in Hohenroth freuten sich (von links) Sabrina Knaier (am Steuer), Alma Wirsing, Dr. Tobias Fröhling, Anja Partheymüller vom Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen und Dr. Günter Fröhling. Foto: Hubert Herbert

Wenn man krank ist und nicht zum Arzt gehen kann, dann kommt der Arzt eben nach Hause. Ob es diese Hausbesuche allerdings weiterhin in dem Umfang wie bisher geben kann, ist angesichts des Mangels an hausärztlichem Nachwuchs dann aber doch eher fraglich. Trotzdem sollen natürlich die Patienten zu Hause weiterhin gut versorgt werden. Hilfe dabei bietet die Telemedizin.

Die ist für die künftige ärztliche Versorgung auf dem Land ganz wichtig. Davon ist Dr. Tobias Fröhling überzeugt. Er praktiziert zusammen mit seinem Vater Günter in Hohenroth als Arzt. Das Einzugsgebiet der Praxis deckt einen großen Teil von Rhön-Grabfeld ab und reicht bis in den Nachbarlandkreis Bad Kissingen.

Delegieren

Da liegt es nahe, dass Tobias Fröhling an "Mona", einem Projekt des Zentrums für Telemedizin in Bad Kissingen, teilnimmt. "Mona" ist die Abkürzung für "Mobile netzwerkmedizinische Assistenz". Klingt ein bisschen sperrig, ist aber eigentlich ganz einfach. Im Prinzip geht es darum, Ärzte zu entlasten, also ärztliche Fachkompetenz so ökonomisch wie möglich einzusetzen und ärztliche Aufgaben bis zu einem gewissen Grad zu delegieren.

Das bedeutet: Nicht der Arzt selber kommt zu den Patienten nach Hause, stattdessen kommt "Verah" vorbei. Wieder so eine Abkürzung. Sie steht für "Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis".

In der Praxis Fröhling gibt es drei dieser "Verahs". Das sind speziell ausgebildete Arzthelferinnen, die mit einem extra dafür sortierten Koffer zu den Patienten kommen. Darin sind Laptop, Tablet, aber auch Stethoskop, EKG und andere medizinische Geräte. Per App sind die Assistentinnen bei Bedarf live mit dem Arzt verbunden. So ist es zum Beispiel möglich, Bilder von Wunden direkt in die Praxis zu übermitteln, wo der Arzt beurteilen kann, ob die Heilung wie geplant fortschreitet oder ob eventuell andere Maßnahmen nötig sind, erklärt Tobias Fröhling.

Direkte Unterhaltungen

EKGs vom Patienten können direkt an die Praxis geschickt werden als Grundlage für entsprechende medizinische Entscheidungen. Sogar direkte Unterhaltungen des Patienten sind mit dem Arzt in der Praxis möglich. Es kann aber auch sein, dass die "Verahs" nur die aktuellen Gesundheitsdaten vom Patienten mit in die Praxis bringen, und dort wird dann über das weitere Vorgehen beraten.

Je nachdem, wie akut ein Fall eben ist. Das beurteilen zu können, ist Teil der Ausbildung der Assistentinnen. Sie können vor Ort außerdem beurteilen, wie der Patient in seinem häuslichen Umfeld zurechtkommt und bei Bedarf dafür sorgen, dass die nötigen Hilfsmittel zur Verfügung gestellt werden.

Zu "Mona" gehört neben dem medizinischen Aspekt auch die Ausstattung der Mediziner mit einem Elektroauto für die Patientenbesuche. Das übergab Anja Partheymüller in Hohenroth jetzt an Dr. Tobias Fröhling und seine Verahs.Es bleibt voraussichtlich bis Ende 2018 für den Verah-Einsatz in der Praxis Fröhling. Dann geht das Projekt zunächst zu Ende, wie Anja Partheymüller erklärt. Insgesamt vier Praxen nehmen an dem Projekt teil. In Rhön-Grabfeld ist die Praxis Fröhling die einzige, die drei anderen sind aus dem Landkreis Bad Kissingen.

Wenn das Projekt beendet ist, wird Bilanz gezogen, wie gut der telemedizinische Ansatz für die Behandlung von Patienten zuhause ohne Arztbesuch funktionierte.

Was sich bewährt hat, wo es Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Ziel, so Partheymüller, ist es, dass diese Art der Behandlung Teil der medizinischen Regelversorgung wird.



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