Münnerstadt
Gottesdiensttest

Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena Münnerstadt: Eine würdige Messe zum Feiertag

Heute sind wir zu Besuch in der Pfarrei St. Maria Magdalena Münnerstadt. Wir erlebten einen festlichen Pfingstgottesdienst mit Pfarrer P. Markus Reis in der Stadtpfarrkirche.
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Die gotische Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena erhebt sich weit sichtbar aus der Dächerlandschaft des mittelalterlichen Stadtkerns von Münnerstadt.Heike Beudert
Die gotische Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena erhebt sich weit sichtbar aus der Dächerlandschaft des mittelalterlichen Stadtkerns von Münnerstadt.Heike Beudert

Das Urteil unseres Testers:

Das Zusammenspiel zwischen Ritus, Musik und Gotteshaus passte an diesem Tag sehr gut zum festlichen Anlass, ohne aufgesetzt und steif zu wirken. Dazu trug auch die Tatsache bei, dass die Predigt nicht von einem stehenden Pfarrer ans sitzende Volk gerichtet war. P. Markus Reis sprach - wenn auch wohl eher um sein kürzlich operiertes Knie zu schonen - im Sitzen, was ihn aber rein gefühlt stärker auf Augenhöhe mit den Gläubigen brachte und ihn näher ans Volk rückte. Nachhaltig war der Gottesdienst aber auf jeden Fall durch seine konzertante und im ländlichen Raum wohl fast schon wagemutige Orgelmusik, an die sich sicher alle Gottesdienstbesucher noch lange erinnern werden. Das Gotteshaus war gut besucht, was den festlichen Eindruck stärkte. Denn gerade in großen Kirchen wie der Stadtpfarrkirche sind gefüllte Bankreihen wichtig, damit sich die Besucher nicht verloren fühlen. Selbst am Feiertagsgottesdienst fiel jedoch auf, dass kaum jüngere Menschen in der Messe waren. Und das war wohl nicht ausschließlich den Ferien in Bayern geschuldet.

Die Bewertungen im Einzelnen:

1. Einstieg Mit einem festlichen Einzug von Pfarrer und Ministranten, untermalt von den Klängen der Orgel, begann der Gottesdienst feierlich. Am Alter begrüßte Pater Markus Reis die Besucher nicht nur mit dem Anfangsgebet, sondern auch mit einem persönlichen Wort an alle Erwachsenen und Kinder, wobei die jungen Besucher in den Reihen in der deutlichen Minderheit waren. Die Kirche war gut besucht, der Mittelblock voll besetzt.

2. Musik Der Münnerstädter Organist, Regionalkantor Peter Rottmann, intonierte das Pfingstgeschehen mit extravaganten Orgelklängen auf der Klais-Orgel. Wuchtig, voluminös, dann wieder fast flüchtig, brauste der Heilige Geist musikalisch auf die Gläubigen herab. Der Bibeltext wurde in Klängen spürbar. Stimmungsvoll der Gesang des Kirchenchores, der auf der Orgelempore sang. Die Liederauswahl war so gewählt, dass neuere und alt bekannte Liedstücke sich abwechselten. Vor allem bei den wohlvertrauten Liedern sangen die Gläubigen kräftig mit. Gesangbücher stehen in recht großer Auswahl zur Verfügung.

3. Lesungen Zwei Lesungen wurden anlässlich des Pfingstfestes von einer Lektorin der Gemeinde in würdevoller Form vorgetragen. Das Evangelium las P. Markus Reis. Sowohl Lesung, als auch Predigt wurden auch in den hinteren Reihen von den Gottesdienstbesuchern gut verstanden.

4. Predigt Für die Predigt wählte P. Markus eine eher ungewöhnliche Form. Die Predigt begann eigentlich schon mit der Begrüßung und mit ersten Gedanken zur Bedeutung des christlichen Pfingstfestes in der heutigen Zeit. Ein weiterer Teil befasste sich mit den Inhalten der Lesung, der dritte mit der des Evangeliums. Durch diese Aufteilung knüpfte der Geistliche thematisch einen roten Faden zwischen den Texten. P. Markus Reis bot einen aktuellen Bezug zur Welt heute und machte die Pfingstbotschaft dadurch lebensnah. Er gab Denkanstöße, wie die Gläubigen das Pfingstfest in der heutigen Zeit verstehen sollten. Der Geistliche schaffte es trotz dieser Aufteilung gerade noch so im zeitlichen Rahmen zu bleiben; Vorsichtshalber hatte er die Gläubigen vor Beginn des 3. Teiles mit einem Augenzwinkern gewarnt und erklärt: "Da müssen sie jetzt noch durch".

5. Kommunion/ Abendmahl Pfarrer und drei Kommunionhelfer verteilten die Kommunion an die Gläubigen. Dadurch war ein recht flüssiger Ablauf gewährleistet. Kirchenchor und Organist empfingen ihre Hostien direkt auf der Orgelempore. Der stille Vorgang der Kommunionverteilung konnte dadurch musikalisch untermalt werden. Nach dem Empfang der Kommunion blieb den Gläubigen ein Moment zur Einkehr.

6. Segen Der Segnungsspruch am Ende des Gottesdienstes wurde ergänzt durch den Wunsch, dass die Botschaft des Pfingstfestes auch im Alltag die Gottesdienstbesucher begleiten möge. Aber es gab auch ein Dankeschön an diejenigen, die den Gottesdienst mitgestaltet hatten, was ihnen mit dem Applaus der Gläubigen gedankt wurde. Schön: Nach dem Auszug des Pfarrers aus der Kirche verweilten einige der Kirchenbesucher in den Bänken, um die Orgelklänge nochmals auf sich wirken zu lassen. Wer es kurz vor der Mittagszeit nach dem mehr als einstündigen Gottesdienst eiliger hatte, der ließ sich von der Musik hinausbegleiten.

7. Ambiente Beeindruckend ist das Gesamtensemble mit dem Riemenschneideraltar sowie den wertvollen Buntglasfenstern des Chores, die auf die Mitte des 13. Jahrhunderts zurückgehen und gerade im morgendlichen Licht ihre volle Strahlkraft entfalten. Einen Mittelgang gibt es in der Kirche nicht, so dass Ein- und Auszug des Geistlichen mit den Ministranten eher weniger effektvoll sind. Das Sicherheitsnetz über dem Mittelblock macht deutlich, dass in der Kirche Sanierungsbedarf besteht. Erste Arbeiten sind bereits angelaufen. Auch die historischen Buntglasfenster werden restauriert.

8. Kirchenbänke Die Mehrzahl der Gläubigen nimmt im großen Mittelblock des Gotteshauses Platz. Die seitlichen Bänke werden eher weniger gerne genutzt, weil mächtige Säulen teilweise den Blick auf das Geschehen im Altarraum verstellen. Knie- und Holzbänke sind gepolstert.Die Temperaturen beim Pfingstgottesdienst waren in Ordnung. Die Sonne hatte den im Frühjahr noch kalten Kirchenraum bereits erwärmt, so dass die Bankheizung nicht nötig war. Der Mittelblock soll im Zuge der angelaufenen Kirchensanierung wegfallen mit geteilten Bänken.

9. Beleuchtung Dank ihrer gotisch-aufstrebenden Form wirkt die Stadtpfarrkirche schon ohne Beleuchtung relativ hell und luftig.Neben den Kirchenfenstern, die am Morgen die Kirche in ein angenehmes Licht tauchen, ist es der angeleuchtete Riemenschneideraltar, auf den sich der Blick schon beim Hineingehen ins Gotteshaus konzentriert. Die Beleuchtung ist insgesamt so, dass die Gläubigen problemlos Texte und Noten in den Gesangbüchern erkennen können. Das Sicherheitsnetz über den Bänken scheint keine Auswirkung auf die Beleuchtung zu haben.Was fehlt ist ein Bereich, in dem Opferkerzen aufgestellt werden können.

10. Sinne Viel Weihrauch - vielleicht nicht jedermanns Geschmack - dazu die festliche Musik in Verbindung mit dem historischen Kirchenraum sprachen die Sinne an. Zum "Vater Unser" waren die Kinder aufgerufen, zum Altar zu kommen, sich an den Händen zu fassen und mit Kommunionhelfern, Pfarrer und Ministranten das Gebet zu sprechen. Die Wirkung ist allerdings nicht so groß, wenn kaum Kinder im Gottesdienst sind. Der Friedensgruß wurde von den Gläubigen ausgiebig genutzt. Nicht nur dem direkten Banknachbarn wurde Friede gewünscht und die Hand geschüttelt, sondern auch denen in den Bänken davor und dahinten.

Warum ein Gottesdiensttest?

Die Ergebnisse unserer Gottesdiensttests, das wissen wir, sind rein subjektiv. Warum dann dieser Test? Weil wir glauben, dass es eine Diskussionsbasis braucht, um Kirche und Bürger wieder näher zusammenzubringen. Und weil wir denken, dass Kirche und Glaube nicht weiter auseinanderdriften sollten. Wir freuen uns deshalb auf den Dialog mit Kirchenvertretern, Gläubigen und allen Menschen, die uns ihre Meinung zu diesem wichtigen Thema mitteilen wollen. Schreiben Sie uns: redaktion@infranken.de

Zum Abschluss der Testserie werden unsere beiden Experten Martin Stuflesser und Martin Nicol am 1. November Bilanz ziehen.

Alle Tests werden auf unserem Internetportal unter Gottesdiensttest gesammelt.

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