Hammelburg
Gottesdiensttest

 Stadtpfarrkirche Hammelburg: Eine Messfeier des Engagements

Heute sind wir zu Besuch in der Pfarrei Hammelburg. Wir erlebten einen Gottesdienst mit Anknüpfungspunkten an lokales und überregionales Geschehen.
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Die Ursprünge der Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer in Hammelburg reichen bis ins späte 14. Jahrhundert zurück. Im Laufe der Geschichte gabt es einige bauliche Veränderungen und Umgestaltungen.Arkadius Guzy
Die Ursprünge der Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer in Hammelburg reichen bis ins späte 14. Jahrhundert zurück. Im Laufe der Geschichte gabt es einige bauliche Veränderungen und Umgestaltungen.Arkadius Guzy
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Das Urteil unseres Testers

Die Stadtpfarrkirche hat den typischen Charakter einer kleinstädtischen Kirche: Sie ist nicht mehr Dorfkirche, sondern beansprucht eine zentralere Geltung für sich. Die Botschaft des Gottesdienstes ist klar, ohne falsche Schnörkel und versucht einen breiteren Horizont zu öffnen, der über den Umkreis des eigenen Kirchturms hinaus ragt.

Die Bewertung im Einzelnen

1. Einstieg

Der Pfarrer tritt mit den Ministranten durch die Tür der Sakristei direkt in den Altarraum. Die Besucher stehen auf und sind sogleich auf das Geschehen am Altar ausgerichtet.

2. Musik

Die Hammelburger Pfarrei rühmt sich ihrer Orgel. Sie wurde im Jahr 1993 von der Bonner Orgelbau-Manufaktur Johannes Klais gefertigt. Auf drei Manuale und Pedale verteilen sich 44 Register. Das Instrument wurde extra für die Stadtpfarrkirche konzipiert. So gibt es einen ausfahrbaren Hammelkopf und ein Register, dessen Pfeifen eine Weinrebe nachbilden sollen. Die Pfarreiengemeinschaft hat einen hauptamtlichen Organisten.

3. Lesungen

Die Lesung aus dem Alten Testament sowie aus dem Evangelium ist dank der Verteilung der Lautsprecher auch in den hintersten Reihen verständlich.

4. Predigt

Die Predigt schlägt einen Bogen vom Jubiläum der Feuerwehr im Stadtteil Obererthal an dem Wochenende des Gottesdienstes über das Engagement von Greta Thunberg bis zu den Worten des Evangeliums und der Lesung: Aktualität verbindet sich mit der Würdigung von Engagement und der Forderung zur Anstrengung auch im Glauben.

5. Kommunion/Abendmahl

Die Kommunionhelfer kommen den Kirchenbesuchern entgegen, indem sie sich einige Reihen vor dem Altar postieren. Die vorderste Reihe am mittleren Quergang bekommt die Kommunion sogar am Platz ausgeteilt.

6. Segen

Vor den üblichen Segensworten bittet der Pfarrer die Kirchenbesucher noch für einige Vermeldungen Platz zu nehmen. Sie bekommen damit das aktuelle Geschehen in der Pfarrgemeinde aus erster Hand mitgeteilt. Der Pfarrer nutzt die Gelegenheit außerdem zu einer persönlichen Stellungnahme zu einer aktuellen, überregionalen medialen Diskussion.

7. Ambiente

Wie es sich für eine Stadtpfarrkirche gehört, macht das Gotteshaus einen geräumigen Eindruck. Das geht auch auf die Erweiterung des Gebäudekörpers in den späten 1950er Jahren zurück. Die Stadtpfarrkirche hatte über lange Zeit eine starke Konkurrenz: die Kirche am Kloster Altstadt. Viele gingen lieber dort in die Messe. Nach der Schließung des Klosters vor fünf Jahren hängen viele der dortigen Atmosphäre immer noch nach.

8. Kirchenbänke

Die Säulen zwischen dem Hauptschiff und den beiden Seitenschiffen ragen mitten durch die Bankreihen. Das nimmt auf etlichen Sitzpositionen die Sicht. Die Kirchenbesucher müssen sich passende Sichtachsen suchen. Das hat zur Folge, dass die Sitzordnung ein zerrissenes Bild abgibt. Wer will, kann sich aber auch etwas vor den Blicken der anderen verstecken.

9. Beleuchtung

Die Hängelampen sind seit wenigen Jahren auf LED-Leuchtmittel umgestellt.

Warum ein Gottesdiensttest?

Wir wollen mit unserem Gottesdienst-Test die Kirchen ein wenig mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Unter Kirchgängern, Geistlichen und Lesern soll eine Diskussion darüber entstehen, was einen guten Gottesdienst ausmacht. Dieses in der Regel sonntägliche Treffen hat für evangelische wie katholische Christen ja bis heute eine große Bedeutung. Soll lebender Ausdruck des Christseins sein. Wir haben uns für eine Bewertung nach objektiven Kriterien theologische Hilfe geholt bei den Professoren Martin Stuflesser (Würzburg), er ist auch Berater der deutschen Bischofskonferenz, und Martin Nicol (Erlangen), der mit seinem Buch "Weg im Geheimnis" ein Plädoyer für den evangelischen Gottesdienst abgibt. Ergänzt werden objektive Kriterien um die subjektiven Eindrücke, die unsere Kollegen gewonnen haben.

Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos.ang

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