Holzhausen bei Schweinfurt
Frühjahrsmesse

Söder: "Mein Platz ist in Bayern"

Mit Böllerschüssen wurde der designierte Ministerpräsident in Holzhausen empfangen. Er verriet manches aus seinem Regierungsprogramm
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Gegner des Nationalparks warteten bei der Frühjahrsmesse von Landtechnik Müller in Holzhausen auf die Ankunft von Festredner Markus Söder.Anand Anders
Gegner des Nationalparks warteten bei der Frühjahrsmesse von Landtechnik Müller in Holzhausen auf die Ankunft von Festredner Markus Söder.Anand Anders
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Er kommt, er kommt! Die regionale Politikprominenz steht Spalier, Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber zupft ihr Dirndl zurecht, Staatssekretär Gerhard Eck sein Jackett, und da rollt sie auch schon heran, die schwarze Limousine mit dem designierten Ministerpräsidenten Markus Söder. Er ist der Festredner und unbestrittene Höhepunkt des "politischen Messe-Freitags" auf der Frühjahrsschau von Müller Landtechnik in Holzhausen.
Drei Böllerschützen lassen es lautstark krachen, als sich die Autotür öffnet und der künftige Ministerpräsident leibhaftig auf dem Holzhausener Messegelände steht. Hälse recken sich, Kameras klicken, Hände werden geschüttelt, ein Selfie hier, eins da, Söder erfüllt bereitwillig alle Wünsche.


Resolution gegen Stromtrassen

"Aber jetzt geh'n mer mal nei", sagt er und marschiert Richtung Festhalle. Da fängt ihn der Bergrheinfelder Bürgermeister Ulrich Werner ab. Er übergibt ein dickes Kuvert mit 900 Unterschriften gegen den Bau weiterer Stromtrassen in der Region. "Wir zählen auf dich, Markus", schiebt sich MdB Anja Weisgerber schnell noch dazwischen, um dem künftigen Regierungschef die Bedeutung der Resolution klarzumachen, die auch von der kommunalen Politikprominenz unterzeichnet worden ist.
Söder nickt und sagt: "Jetzt geh'n mer aber mal nei." Der Eingang ist auch schon in Sichtweite, doch rechts davon stehen die Milchbauern mit ihrer Forderung nach einer Kontingentierung der Milchmenge in Krisenzeiten, links die Gegner eines Nationalparks Rhön. Hier lässt sich Söder entlocken, dass er bei solchen Projekten eine "Grundskepsis hat, wenn sie nicht im Einklang mit der Bevölkerung sind". Genau das wollte man hören. Aus der Halle hört man schon den Bayerischen Defiliermarsch.
Söder setzt ein drittes Mal an, "Jetzt geh'n mer aber nei". Im Gleichschritt marschiert er mit seinem Gefolge durch den brechend vollen Saal. "Weit über tausend Leute", schätzt Hausherr Karl Müller. Sie stehen auf den Bänken, drängen sich in den Gängen, jubeln und klatschen. Söder schüttelt in einem fort Hände, mal links, mal rechts. Ja, "hier bin ich dahoam und da bleib' ich", wird er eine Stunde später seine euphorisch beklatschte Rede beenden.
Eine kleine Verschnaufpause vor dem großen Auftritt verschafft die Comedy-Bühnen-Show des Bayerischen Bauernverbands, der die Landwirtschaft im Jahr 2030 angesichts des zunehmenden Bürokratismus und Biotrends am Boden liegen sieht. Dass es soweit nicht kommt, dafür will der neue Landesvater sorgen. "Wir müssen mehr in den ländlichen Raum investieren", gibt er den Landwirten Hoffnung, die Landwirtschaft sei das Rückgrat in Bayern. Der Nachsatz, "wir schätzen auch die biologische Landwirtschaft", geht fast unter.
Nach den Streicheleinheiten für die Landwirte der Schwenk zur großen Politik. Die Flüchtlinge sind ein dankbares Thema. Söder will als Regierungschef ein eigenes Landesamt gründen, um die Asylverfahren schneller abwickeln zu können. Auch das Kreuz in den Behördenräumen, Werte und die Erbschaftssteuer spricht er an, bevor er wieder in seine Limousine steigt.

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