Bad Kissingen
Aktion

Sie macht im Landkreis Bad Kissingen Mut in der Not

Caritas- Sozialberaterin Gabriele Morath kann mit Unterstützung der Weihnachtshilfe brenzlige Situationen entschärfen.
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Das Heizöl hat nicht bis zum Ende des Jahres gereicht bei der alleinerziehenden Mutter Steffi K.* Gabriele Morath vom Caritasverband leistet jetzt Akuthilfe mit der Weihnachtshilfe. Foto: Symbolbild/Marcel Kusch, dpa
Das Heizöl hat nicht bis zum Ende des Jahres gereicht bei der alleinerziehenden Mutter Steffi K.* Gabriele Morath vom Caritasverband leistet jetzt Akuthilfe mit der Weihnachtshilfe. Foto: Symbolbild/Marcel Kusch, dpa

Es ist ein zweischneidiges Schwert. Gabriele Morath wertet es nicht unbedingt als gutes Zeichen, wenn sich weniger Leute bei ihr melden. Im vergangenen Jahr hatten mehr Alleinerziehende und Alleinstehende bei der Sozialberaterin angeklopft, erzählt sie. Dafür weniger Familien. "Vielleicht versuchen die Familien, selbst an ihren Problemen zu arbeiten", sagt sie. Vielleicht rührt die Entwicklung aber auch von einer Einstellung, die Gabriele Morath für schwerwiegend hält. Die Sozialberaterin des Caritasverbandes für den Landkreis Bad Kissingen leistet mit der Spendenaktion "Weihnachtshilfe" der Saale-Zeitung Akuthilfe: Dank der Spenden der Saale-Zeitung-Leser kann sie Menschen aus dem Landkreis helfen, die in eine Notsituation geraten sind. Unbürokratisch und unkompliziert.

"Ich überlege: Wird die Scham größer? Haben die Leute den Kopf in den Sand gesteckt?" So werde nach der Erfahrung der Sozialberaterin eine Spirale angetrieben, die deren Lage noch mehr zuspitze. Kritisch: Wer zu lange wartet, bis er sich helfen lässt, läuft Gefahr, dass sich gewisse Dinge verschlimmern und schließlich verselbstständigen - Stichwort Stromrechnung.

Beobachten, wie es weiter geht

Weniger zu tun für Gabriele Morath? Mitnichten: Die Sozialberaterin begleitet ihre Klienten inzwischen länger als in den Jahren zuvor. Die Frauen und Männer sitzen öfter mit ihr zusammen am Tisch. "Ich biete jetzt gleich Folgetermine an - und die werden dankend angenommen", sagt sie.

Am Ende profitieren beide: "Ich kann schneller nachhaken." Die Sozialberaterin weiß, wie sich eine Situation entwickelt. Zwischendurch: Mut machen und motivieren. "Wenn es jemand verbockt hat und am Abgrund steht, kann er sich nicht vorstellen, dass jemand auf ihn zugeht." Genau das ist ihr Job. Sie will Menschen helfen, sich wieder hochzukämpfen und das Gefühl des ständigen Scheiterns zu begraben.

Motivieren und aufbauen

Gabriele Moraths Alltag sind die Sorgen anderer. "Ich versuche zu vermitteln, egal wo man steht, wie beschämend es auch ist: Es gibt immer eine Möglichkeit und die sollte man nutzen." Sie erzählt: Oft retten schon einige Anrufe eine Situation.

"Er hat nicht daran geglaubt", erzählt sie von einem Fall, der sie in den vergangenen Wochen beschäftigte. Mit der Hilfe von Gabriele Morath kann ein junger Mann, Ende 20, jetzt besser schlafen. Wie sie ihn entlastet hat? "Reden, einfach nur reden." Die Raten, mit denen er seine Schulden abstottert, sind jetzt niedriger und werden zu einem besseren Zeitpunkt abgebucht. In den Spendentopf der Weihnachtshilfe greift die Sozialberaterin in diesen Wochen häufig, damit Familien nicht in einer dunklen oder kalten Wohnung sitzen.

Brenzlige Lagen: Das Heizöl hat nicht fürs ganze Jahr gelangt; für den Strom-Abschlag reicht die Kohle diesen Monat wieder nicht ganz. Woanders tritt die Caritas-Mitarbeiterin mit Lebensmittelgutscheinen als "Feuerwehr" auf. Zum Beispiel, wenn der alleinstehende Senior mit der knappen Rente am Ende des Monats wieder mal vor einem leeren Kühlschrank hockt. Auch diese Gutscheine werden von den Spenden der Aktion "Weihnachtshilfe" finanziert.

Interne Vernetzung

Die Sozialberatung und die Beratungsstelle für pflegende Angehörige arbeiten jetzt enger zusammen. Mit Geld von der Spendenaktion ordern Pflegekräfte schon mal beim Bäcker ums Eck ein Brötchen, wenn sie mit der Insulin-Spritze im Wohnzimmer stehen und wieder nichts zu essen im Haus ist.

"Je früher, desto besser", meint Gabriele Morath. Wer sich helfen lässt, bevor der Strudel ihn zu verschlucken droht, tut sich leichter. Die Sozialberaterin will Betroffene anstoßen - nach dem Motto "Hilfe zur Selbsthilfe".

Von den Geld-Unterstützungen wird einiges wieder zurückgezahlt - für den nächsten Hilfe-Suchenden. "Wichtig für mich ist die Beratung. Die Leute müssen selber ran", sagt Gabriele Morath. Die Geld-Hilfe entlaste und entschärfe eine Situation, meint sie. "Das nimmt erstmal viel Druck weg."



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