Bad Kissingen
Notorischer Belästiger

Sexuelle Belästigung: Polizei und Justiz greifen in Bad Kissingen zu ungewöhnlichen Mitteln

Ein 46-Jähriger fällt regelmäßig durch sexuelle Belästigungen und Grenzüberschreitungen gegen Frauen auf - zuletzt in der Kisssalis-Therme. Nun prüfen die Behörden, ob er eine Gefahr für das Gemeinwohl ist.
Artikel drucken Artikel einbetten
In Bad Kissingen fällt ein Mann seit Monaten immer wieder durch Grenzüberschreitungen Frauen gegenüber auf.  Jens Kalaene, dpa
In Bad Kissingen fällt ein Mann seit Monaten immer wieder durch Grenzüberschreitungen Frauen gegenüber auf. Jens Kalaene, dpa

"Ein bereits einschlägig aufgefallener Mann hat am vergangenen Freitag in der Therme mehrere Frauen sexuell belästigt. Der 46-Jährige trat zwei Frauen absichtlich nackt gegenüber und machte anzügliche Bemerkungen. Einer 18-jährigen Angestellten näherte er sich von hinten und fasste ihr ans Gesäß und in den Schritt." Eine Reihe von Vorfällen wie dieser jüngst von der Polizei beschriebene beschäftigen zurzeit Bad Kissingen.

Der Mann, um den es dabei geht, fällt nach Angaben der Polizei seit mehr als einem Jahr immer wieder mit Grenzüberschreitungen und sexuellen Belästigungen auf. Ein Strafbefehl wegen solcher Vorfälle ist zwar bereits rechtswirksam. Das hat bei dem Mann aber nicht gewirkt. Justiz und Polizei setzen in dem ungewöhnlichen Fall deshalb nicht mehr nur auf die üblichen juristischen Mittel.

Die Polizeiinspektion hat zusammengetragen, was sich in ihren Unterlagen über den 46-Jährigen angesammelt hat und das dem Amt für öffentliche Sicherheit und Ordnung am Landratsamt Bad Kissingen vorgelegt. Es soll prüfen, ob bei dem Mann eine psychische Störung vorliegt und ob er vielleicht gar eine Gefährdung des Allgemeinwohls darstellt. Je nach Ergebnis der Prüfung kann sich daraus "nur" eine Hilfe durch Krisendienste ergeben, erklärt das Landratsamt. Aber auch eine "freiheitsentziehende Unterbringung" in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Stefan Haschke, der Leiter der Inspektion, ist sich bewusst, wie groß die Verantwortung bei einer solchen Einschätzung ist, und wie schwer es werden kann, sie zu treffen. Der 46-Jährige sei bereits mehrfach von Polizeibeamten "auf die Folgen seines Handelns" angesprochen worden. Das habe ihm deutlich machen sollen, dass "sexuelle Belästigung kein Kavaliersdelikt" ist. Doch eine dauerhafte "Verhaltensänderung", ergänzt Haschke, "konnten wir nicht feststellen". Der Mann meine, er bewege sich "im Bagatellbereich".

Zum Ausdruck gekommen ist das auch nach den jüngsten Vorfällen. Da schrieb der 46-Jährige in einem inzwischen gelöschten Facebook-Post der Mutter einer Betroffenen, Belästigung sei nicht seine Absicht gewesen. "Ich dachte, sie findet's vielleicht geil und ihr gefällt's. Dass sie sich aber belästigt gefühlt hat, tut mir leid." Ähnliches berichtet der Leiter einer Bad Kissinger Institution, für die der 46-Jährige gearbeitet hat. Bei einer Veranstaltung sei der Mann aufgetaucht. Zweimal habe der Kissinger ihn dort nach eigenem Bekunden "zur Seite gedrängt", als er sich jeweils an junge Frauen "herangemacht" habe. Ein Viertelstunde später sei dann trotzdem eine Mitarbeiterin der Gaststätte belästigt worden. Der Mann habe sie am Po angefasst und grenzüberschreitend angesprochen.

Axel Weihprecht, der neue Leiter der Staatsanwaltschaft Schweinfurt, bestätigte auf Anfrage, dass der 46-Jährige die Justiz beschäftigt. Bei den neuen Anschuldigungen handle es sich offenbar um einschlägige Vorfälle. Wenn der Betreffende als schuldfähig eingeschätzt werde, werde es ein Gericht bei einem Wiederholungsfall wohl kaum noch bei einer Geldstrafe bewenden lassen.

Die Staatsanwaltschaft nimmt die Grenzverletzungen und Belästigungen mit sexuellem Hintergrund jedenfalls ernst. Der Tatbestand der sexuellen Belästigung ist relativ neu. Der Gesetzgeber wolle damit "eine empfundene Strafbarkeitslücke schließen", erklärt der Leitende Oberstaatsanwalt. Eigentlich handle es sich beim Tatbestand der sexuellen Belästigung zwar um ein sogenanntes Antragsdelikt, erklärt Weihprecht. Ermittelt wird also grundsätzlich auf Anzeige.

Die Staatsanwaltschaft könne aber auch "das besondere öffentliche Interesse" an einer Verfolgung bejahen. Aus seiner Sicht liegt das bei einschlägigen Taten "sehr nahe". Obwohl der 46-Jährige also für seine Grenzüberschreitungen und Belästigungen mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen muss, findet Weihprecht auch den Gang zum Amt für öffentliche Sicherheit und Ordnung richtig: "Es ist schon sehr sinnvoll, diesen Weg zu prüfen."

Das Landratsamt betont auf Anfrage, es wolle sich der Angelegenheit zügig annehmen, um "dem Sicherheitsbedürfnis der Bürgerinnen und Bürger ausreichend Rechnung" zu tragen. Die "Anforderungen für solch einschneidende Maßnahmen" seien aber sehr hoch. Gerade wenn es "um längerfristige gerichtliche Unterbringung geht". In der Regel sei ein amtsärztliches Gutachten "zur Gefährdungslage durch den Betroffenen" nötig.Siegfried Farkas

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren