Bad Kissingen
Glücksspiel

Sechs Spielbanken schreiben rote Zahlen

Bayerns staatliche Casinos müssen sich wieder mal wegen ihrer wirtschaftlichen Bilanz rechtfertigen, der genaue Blick rentiert sich aber.
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Rote oder schwarze Zahlen? In der Gesamtrechnung für die bayerischen Spielbanken muss man genau hinsehen, wenn man über Gewinne und Verluste reden will. Siegfried Farkas
Rote oder schwarze Zahlen? In der Gesamtrechnung für die bayerischen Spielbanken muss man genau hinsehen, wenn man über Gewinne und Verluste reden will. Siegfried Farkas
Es ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dass im Casino am Ende immer die Bank gewinnt. In Bayern stimmt das schon länger nicht mehr. Sechs der neun staatlichen Spielbanken schlossen 2017 wieder mal mit einem Defizit ab. Auch das Casino in Bad Kissingen.
Alle neun Standorte zusammengerechnet, kamen die Spielbanken des Freistaats laut Finanzministerium 2017 auf ein Defizit von knapp drei Millionen Euro. Die Gewinne der Häuser in Bad Wiessee, Feuchtwangen und Garmisch-Partenkirchen reichten nicht aus, um die elf Millionen Defizit in Bad Reichenhall, Bad Steben, Bad Kissingen, Bad Füssing, Lindau und Bad Kötzting auszugleichen.
Wie die Staatliche Lotterieverwaltung, der die Spielbanken unterstehen, auf Anfrage ergänzte, verzeichnete die Spielbank Bad Kissingen 2017 einen Jahresfehlbetrag von 1,733 Millionen Euro. Damit lag es im Vergleich aller neun Casinos auf dem sechsten Rang. Für die anhaltende "Schieflage" der bayerischen Spielbanken macht ein Sprecher der Lotterieverwaltung Rahmenbedingungen, "wie die riesige Zahl der Spielhallen oder das illegale Glücksspiel im Internet" verantwortlich.
Dafür, dass er trotz der Defizite zu den oft in Kurorten und Randgebieten angesiedelten Casinos steht, muss sich der Freistaat regelmäßig rechtfertigen. Da verweist das Finanzministerium dann auf das Spielbankgesetz. Es schreibt vor, mit staatlichen Casinos "den natürlichen Spieltrieb der Bevölkerung in geordnete und überwachte Bahnen zu lenken". Viele Standorte haben zudem strukturpolitische Bedeutung. Sie sind attraktive Arbeitgeber. Und sie tragen dazu bei, das kulturelle Leben ihrer Standorte zu bereichern.
Auch vor diesem Hintergrund ist zu sehen, was Finanzminister Albert Füracker kürzlich erklärte: "Wir betrachten alle unsere Spielbanken als Gesamtheit - die wirtschaftlich Starken wie die Schwächeren erfüllen zusammen wichtige Aufgaben."
Zudem muss man das mit den Defiziten differenziert betrachten. Rein betriebswirtschaftlich mögen die Hinweise auf rote Zahlen ja zutreffen. Gesamtgesellschaftlich gesehen liegen die Verhältnisse aber anders. Gewinn oder Verlust in Casinos errechnen sich so: Vom Bruttospielertrag - der Differenz zwischen Einsätzen und Gewinnen der Spieler - fließen 30 Prozent Spielbankabgabe je zur Hälfte an den bayerischen Staatshaushalt und an den Haushalt der Standortkommune. Nachdem nach Angaben der Lotterieverwaltung auch noch die spielbetriebsbedingte Umsatzsteuer bezahlt ist, werden Sach- und Personalkosten abgezogen. Dadurch ergaben sich 2017 für sechs der neun Spielbanken Defizite. Alle hatten aber vorher bereits ihre Spielbankabgabe bezahlt. Im konkreten Fall Kissingen heißt das: Das Casino erzielte 2017 einen Bruttospielertrag von 4,64 Millionen Euro. Von 1,16 Millionen Euro Spielbankabgabe flossen 696 000 Euro an die Stadt. Seit dem Jahr 2000 hat die Stadt laut Lotterieverwaltung 19,5 Millionen Spielbankabgabe kassiert. Inklusive der staatlichen Anteile habe das Luitpoldcasino in dieser Zeit 64,2 Millionen Euro Spielbankabgabe erwirtschaftet. In der Gesamtrechnung ist also unterm Strich, trotz Defizit, nicht ausgemacht, was dominiert: Rouge oder Noir. Siegfried Farkas
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