Schweinfurt
Jugendschöffengericht

Schwerer Weg zur Wahrheit

Vor dem Kadi standen drei Mit-Zwanziger, die wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchtem Wohnungseinbruchsdiebstahl angeklagt waren.
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Der Fall dreier Mit-Zwanziger, wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchtem Wohnungseinbruchsdiebstahl angeklagt, war für den Richter vom Schweinfurter Jugendschöffengericht und seine beiden Schöffen nicht leicht zu lösen.

Angeklagt war noch ein vierter junger Mann, der aber nicht erschien. Die anderen drei Angeklagten, zwei 23-Jährige und ein 20-Jähriger, zwei aus dem Landkreis Schweinfurt, einer aus dem Landkreis Bad Kissingen, wurden entweder aus der Untersuchungshaft oder dem Ebracher Jugendgefängnis vorgeführt.

Von Bewohnern überrascht

Sie sollen Ende November 2017 versucht haben, in ein Haus in einem Ort im südlichen Landkreis Schweinfurt einzubrechen. Dabei wurden sie von den Bewohnern überrascht, es kam zu einer Schlägerei, bei der laut Opfer dieser von zwei der Angeklagten festgehalten und den anderen beiden verprügelt worden sein soll. Er hatte ein blaues Auge, Abschürfungen im Gesicht und mehrere Prellungen.

Die Angeklagten erklärten übereinstimmend, sie wollten einen Sohn der in dem Haus wohnenden Familie zur Rede zu stellen, da dieser angeblich einige Wochen zuvor eine Uhr, eine Playstation und einen Geldbeutel aus dem Zimmer eines der Angeklagten geklaut haben soll. Beweise gibt es nicht, man habe es von verschiedenen Personen gehört, die Sachen seien angeboten worden.

Man sei auf den Hof gegangen, habe geklingelt und gegen eine Scheibe geklopft, die dabei zu Bruch ging. Als der Sohn nach Hause kam und sie im Hof sah, sei er auf die Angeklagten losgegangen und habe eine Prügelei begonnen. Man habe nur reden wollen und sei davongelaufen. Als die Polizei kam, habe man kooperiert, man habe ja nichts getan.

Völlig andere Version des Opfers

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Das Opfer widersprach dem. Er habe die Angeklagten gesehen und sie aufgefordert, den Hof zu verlassen. Daraufhin sei er von dreien festgehalten und einem verprügelt worden, den er im Gerichtssaal als Täter identifizierte. Gleichwohl unterschied sich seine Aussage bei der Polizei von der vor Gericht. Seine Ausführungen, dass er die Angeklagten nicht kenne - sie behaupten das Gegenteil - und dass er sich nicht erklären könne, weswegen sie im Hof gewesen sein könnten, sorgten für scharfe Widerworte der Anwälte.

Am Ende stand Aussage gegen Aussage. Der Richter, dem das Milieu der Angeklagten bekannt ist, regte eine Verfahrenseinstellung nach Paragraf 154 der Strafprozessordnung an. Das ist möglich, wenn in einem anderen Verfahren eine deutlich höhere Strafe zu erwarten ist. Wegen Drogendelikten sind zwei der drei Angeklagten in Untersuchungshaft, es droht eine hohe Gefängnisstrafe. Der dritte Angeklagte ist wegen Körperverletzung mehrfach vorbestraft, sitzt noch rund sieben Monate in Haft. Hier ist ein Verfahren anhängig, das eine Gefängnisstrafe zur Folge hat. Oliver Schikora



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