Bad Kissingen
Engagement

Schwanenvater will kürzertreten

Früher hatte Philipp Bauer stets ein Auge auf die Bad Kissinger Schwäne. 2005 übernahm sein Stiefsohn Siegfried Wolf diese Aufgabe - bis heute.
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An der Nordbrücke, kurz vor Hausen, lebt noch ein Schwanenpaar.  Foto: Isolde Krapf
An der Nordbrücke, kurz vor Hausen, lebt noch ein Schwanenpaar. Foto: Isolde Krapf
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"Schwäne sind majestätische, stolze Tiere", sagt Siegfried Wolf. Es komme nicht von ungefähr, dass Märchenkönig Ludwig II. eine Vorliebe für Schwäne hatte. Aber so friedlich sie wirken, können sie dem Menschen auch gefährlich werden, sagt der Bad Kissinger. Wenn man sich einer Mutter nähert, die ihre Jungen verteidigen zu müssen glaubt, könnte es kritisch werden, wenn sie ihre großen Schwingen erhebt. "Da sind Menschen schon schwer verletzt worden." Wolf weiß, wovon er spricht, denn er schaut seit Jahren nach den gefiederten Saale-Bewohnern und hat die Tiere genau studiert.

Schon sein Stiefvater Philipp Bauer hat die majestätischen Schwimmer unten an der Saale intensiv betreut. Er war Haustechniker bei der Kurverwaltung und musste in dieser Eigenschaft den Wasserpegel der Saale am Regentenbau täglich ablesen und die Werte genauestens notieren, erzählt Wolf. Zudem entnahm er regelmäßig Wasserproben, die dann vom Wasserwirtschaftsamt untersucht wurden.

Anfang der 1950er Jahre fing Bauer bei der Kurverwaltung an. "Da ging's auch mit den Schwänen los", erinnert sich Wolf, der damals noch ein Steppke war. "Wenn sich dann mal ein Schwan verletzt hatte, waren ich und mein Bruder Joachim gefragt." Die Tiere wurden mit heim gebracht und wieder aufgepäppelt. Die Schwäne hatten auch alle einen Namen.

Es ist wahrscheinlich 40 Jahre her, dass mal ein Schwanen-Nest, nach einem großen Hochwasser, im Morast stecken geblieben war, weiß Wolf zu erzählen. Waren die Eier noch belebt? Der Vater sei sich damals sehr sicher gewesen, denn er brachte ein Ei, das er hatte retten können, mit heim und steckte es über Nacht unter den warmen Kachelofen. Tagsüber nahm er es mit und trug es unter seiner Jacke am Körper.

Das Küken sei dann auch zu Hause geschlüpft. Als das Gefieder trocken war, brachte es Bauer zur Schwanenmutter an die Saale. "Wir waren natürlich gespannt, was passieren würde." Würde die Schwanendame das Kleine annehmen? Und tatsächlich nahm die Mutter nach einer gewissen Zeit das struppige Junge unter ihre Fittiche.

Sein Stiefvater habe stets dafür gesorgt, dass an der Saale Pärchen zusammenkamen, erzählt Wolf. Er tauschte sogar Schwäne und stand dazu in Kontakt mit dem Hamburger Schwanenvater Harald Nieß. "Dann wurde damals halt ein Schwan per Zug auf die Reise von Hamburg nach Bad Kissingen geschickt. Ich weiß noch, wie wir mal einen Schwan in Schweinfurt am Bahnhof abgeholt haben."

Wolf hat sehr gute Erinnerungen an diese Zeit. Allerdings bekam er zwischendurch dann auch nicht mehr soviel mit von den Schwänen mit. Denn mit 14 Jahren begann er eine Bäcker-Lehre in Würzburg. 1961 kam er dann zwar zurück und arbeitete in der Bäckerei Halbleib in der Grabengasse, weil die eigene Familienbäckerei Fella in der Hartmannstraße inzwischen verpachtet war - der Vater war nach dem Krieg im Lazarett verstorben. Aber dann verschlug es ihn beruflich noch mal nach Frankfurt und München. Später kamen noch fünf Jahre bei der Bundeswehr dazu.

Als der Vater 2005 starb, sei die Schwanen-Obhut dann an ihn übergegangen. Damals sei es zwischen ihm und seinem Bruder gleich eine elementare Frage gewesen: Was würde jetzt, wo der Vater nicht mehr da ist, aus den Tieren an der Saale werden? Auch Wolf arbeitete 2005 schon bei der Kurverwaltung, war also ohnehin in der Nähe der Saale und konnte nach den Tieren schauen. Damals seien immer zwei Paare an der Saale gewesen. Die Reviergrenze war das Pegelhäuschen. "Wenn die dann Junge hatten, hat's unten an der Saale oft gekocht, wenn die Eltern ihre Reviere verteidigten."

Schöne Erinnerungen

So intensiv wie der Vater habe er sich mit den Tieren nicht beschäftigt. "Aber ich habe halt nach ihnen geschaut und sie, wenn nötig, gefüttert - bis heute." Es sind für ihn schöne Erinnerungen. "Sobald ich mit dem Fahrrad auf dem Schweizerhaussteg ankam, sind die ans Saaleufer geschwommen und haben gewartet, bis ich sie füttere." Woher die wussten, dass er das da oben auf dem Fahrrad war? "Keine Ahnung, das hab ich mich auch immer gefragt."

Als die Vogelgrippe vor ein paar Jahren aktuell war und auch einer "seiner" Schwäne erkrankte, habe er aufgehört, die Tiere zu füttern. "Es muss die Elisabeth gewesen sein, denn die war anschließend nicht mehr auffindbar", erzählt er die traurige Geschichte. Er habe das Tier leider nicht mehr gesehen.

Elisabeths Gefährte Benno sei kurz darauf ebenfalls umgekommen. Er krachte wohl damals mit vollem Schwung gegen ein Brückengeländer. So die These, nachdem man das verletzte Tier tot aufgefunden hatte. Seitdem habe er aufgehört, jeden Tag nach den Schwänen zu schauen, sagt Wolf. An der Saale im Kurgarten gibt es derzeit auch keine Tiere mehr. Nur an der Nordbrücke, kurz vor Hausen, lebt noch ein Schwanenpaar.

"Aber wenn Polizei oder Feuerwehr mich rufen, weil den Tieren etwas zugestoßen ist, komme ich natürlich", sagt Wolf. So geschehen vor ein paar Monaten, als sich die beiden dort lebenden Schwäne in der Pumpanlage am Gradierbau selbst gefangen gesetzt hatten. Wasserwacht und Feuerwehr mussten erst anrücken und die Schwäne per Karton aus dem Becken hieven. Isolde Krapf

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