Burgsinn
Zucht

Schön, edel, knuffig

Das Burgsinner Ehepaar Sabine und Matthias Vogel züchtet die seltenen Kooikerhondje. Sieben Welpen brachte Hundemutter Enya am 1. Juni zur Welt.
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Müde getollt: Völlig erschöpft vom anstrengenden Spielen liegen die sieben kleinen Kooikerhondjes in ihrer Nestschaukel. Foto: s: Jürgen Gabel
Müde getollt: Völlig erschöpft vom anstrengenden Spielen liegen die sieben kleinen Kooikerhondjes in ihrer Nestschaukel. Foto: s: Jürgen Gabel
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Schön, edel und knuddelig sind die geläufigen Attribute für die beiden kleinen orange-rot-weißen Hunde "Blaschke's Enya" und "Chacco vom Torfmoorsee" von Sabine und Matthias Vogel. Bei den Vierbeinern handelt es sich um Kooikerhondje. Eine der ältesten niederländischen Hunderasse, die in Deutschland wenig bekannt ist.

Im Landkreis Main-Spessart sind die Vogels die einzigen Züchter. Jetzt gelang Sabine und Matthias Vogel nach vielen zu überwindenden Hürden der ganz große Schlag: "Blaschke's Enya" brachte in ihrem ersten Wurf sieben Welpen zur Welt. Die gesamte Familie Vogel war begeistert, sodass sogar eine "Pinkelparty" den Zuchterfolg begoss.

Blick in die Wochenstube

Beim Besuch unseres Mitarbeiters tollten die kleinen Wollknäuel fast lautlos durch die zur Wochenstube umfunktionierte Garage, spielten miteinander, suchten die Mutter Enya, ließen sich problemlos streicheln, bevor sie nach knapp einer Stunde völlig erschlagen auf der großen Netzschaukel einschliefen.

Gerne gaben die Vogels Auskunft darüber, wie sie an die seltene Hunderasse kamen und besonders über ihre "Karriere" als Züchter. 2011 suchten sie nach einem neuen, wenig bellenden Familienhund, der in der Wohnung leben konnte. Sie wurden auf die Kooikerhondjes aufmerksam, und beim ersten Zusammentreffen waren die Vogels begeistert. Drei Jahre suchten sie nach passenden Welpen, von denen pro Jahr deutschlandweit gerade einmal 200 Stück geboren werden. Von einer Züchterin in Rheine erhielten sie den Rüdenwelpen "Chacco vom Torfmoorsee". Seit 2014 ist er Deckrüde und es entstand der Gedanke, selbst zu züchten. Doch dazu brauchte man eine Hündin.

Um Inzucht auszuschließen, wandten sich die Vogels an den dänischen Kooikerhondje-Verband, wurden fündig und kamen 2017 zur Hündin, die nach ihrer Zuchtstätte "Blaschke's Enya" heißt. Längst sind die Vogels dem Deutschen Club für Kooikerhondje (DCK) beigetreten und Sabine Vogel ist auch Redakteurin der Fachzeitschrift "Meine Kooikerwelt".

Zuchtvoraussetzungen immens

Die Zuchtvoraussetzungen sind immens, bestätigen beide im Tenor. In einer verbandsinternen Datenbank in Holland sind alle Kooikerhondje, ergänzt durch die neuen Würfe, mit Ahnentafel und möglichen Krankheiten registriert, wer zur Zucht zugelassen ist. Um Inzucht auszuschließen, darf in sechs vorangegangenen Generationen keine Verwandtschaft bestehen. Zur Zucht selbst müssen Seminare mit den Inhalten Deckakt, Trächtigkeit, Geburt, Aufzucht und rechtliche Aspekte besucht werden und beim VdH (Verband für das Hundewesen) ein 2-Tage-Seminar über Genetik.

Mit Enya war die für Chacco passende Hündin gefunden, die sich als gesund und wesensfest bestätigte. Beide Tiere müssen sich anschließend bei Hundeschauen in Deutschland, Österreich und Holland zwei verschiedenen Richtern stellen und eine sehr gute Bewertung erhalten. Nachdem Hündin und Rüde ihr Eigentum ist, haben die Vogels zumindest den vierstelligen teuren Deckvorgang mit einem fremden Rüden gespart. "Aber trotz der vielen Hürden macht das Züchten wahnsinnig viel Spaß, und wir wollen gesunde Hunde", erklärt Sabine Vogel überzeugt. Weitere Klippen für die Zuchtzulassung der beiden "Eltern", Enya und Chacco sind: Gesundheitsuntersuchungen, Wesenstest und Blutuntersuchung auf Erbkrankheiten. Eine Zuchtwartin überprüft im Haus der Züchter die gegebenen Voraussetzungen: Ob beispielsweise ein freier, ebenerdiger Zugang zum eingezäunten Garten oder ob ein Rückzugsort für die Mutterhündin vorhanden ist.

Nach 61 Tagen Trächtigkeit stand am 1. Juni der Tag der Geburt an, und im Hause Vogel herrschte verständlich große Aufregung. Nach 100 Minuten hatten die sieben 150 bis 250 Gramm schweren Kooikerwelpen per Hausgeburt das Licht der Welt erblickt. Dann ging es an die Namenssuche für die sieben Racker. Nachdem es der erste Wurf der Vogel'schen Zucht war, beginnen alle Namen mit dem Buchstaben A: Arie von "Chacco's Huisje", Anton von Ch..., Aslan, Aaron, Aria, Anabella und Annouk. Drei Wochen lang säugten die kleinen Wollknäuel bei der Mutter, täglich wurde gewogen, um den Gewichtszuwachs festzustellen. Jetzt, nach knapp acht Wochen, hat es jeder Welpe auf fast drei Kilo Gewicht gebracht. Bereits nach drei Wochen wird mit Fleisch, Gemüse, Obst und besonders Ziegenmilch zugefüttert, erklärt Matthias Vogel.

Beim DCK wird schon die Planung eines Wurfes eingestellt und seit dieser Zeit gibt es permanent Anfragen möglicher Interessenten. In 24 Monaten darf eine Hündin maximal zwei Würfe haben.

Alle schon vergeben

Für den Verkauf der Welpen stellten die Vogels strenge Regeln auf: Familienhund, keine Zwingerhaltung, und er darf nicht allein zuhause leben. Der Vogel'sche Familienrat entschied, dass die kleine Aria bei ihnen in Burgsinn bleibt und die nächste Zuchthündin werden soll. Bislang gab es mehr als 100 deutschlandweite Anfragen. Kein Wunder, da die Wartezeit für ein Kooikerwelpe um die zwei Jahre dauert.

Auf sechs Käufer aus der gesamten Republik haben sich die Vogels inzwischen festgelegt. Der Preis für einen Welpen liegt zwischen 1700 und 2000 Euro. Schon vor der Geburt kamen die ausgewählten Käufer in den Sinngrund, damit sich die Vogels einen Eindruck der neuen Besitzer machen konnten. Jetzt werden die Welpen täglich mit freiem Auslauf, im Hundeanhänger oder Transport im Auto trainiert. Nach rund acht Wochen stand der Tag der Trennung an und die Kooikerwelpen verlassen die Vogels. Jürgen Gabel

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