Schweinfurt
Technologie

Roboter soll unterstützen

Ein Projekttag an der Pflegeschule von Sankt Josef zeigte Chancen und Risiken der Medizin-Technologien
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Roboter Pepper unterstützt bei einer Einrichtung der Caritas in Erlenbach am Main das Personal in der Tagespflege. Foto: Patty Varasano
Roboter Pepper unterstützt bei einer Einrichtung der Caritas in Erlenbach am Main das Personal in der Tagespflege. Foto: Patty Varasano

Der betagte Mensch müsse zustimmen. Auch dürfe der verstärke Einsatz moderner Medizin-Technologien nicht zum Personalabbau und der damit folgenden Vereinsamung der Senioren in der Pflege missbraucht werden. Dies ist für Tina Drechsel vom Institut für Medienpädagogik (JFF) das Ergebnis eines Projekttages in der Krankenpflegeschule am Krankenhaus St. Josef.

Bei Workshops in vier bayerischen Krankenpflegeschulen wurde in den vergangenen Monaten das Thema "Moderne Medizintechnik im Altenheim" von vielen Seiten beleuchtet, wobei vor allem drei Bereiche zur Sprache kamen: Bewegungsmonitoring (Überwachung betagter und dementer Menschen per Chip), Einsatz von Beziehungsrobotern (reagieren auf Sprache und Berührung) und Telemontoring von Vitaldaten (Fernüberwachung, Ferndiagnose und Fernuntersuchung zu den Grundfunktionen des menschlichen Körpers).

Freiheit durch Überwachung?

Die Ergebnisse der Workschops sind aufgearbeitet und waren in der Schule am Krankenhaus St. Josef jetzt als Unterrichtsmaterial im Einsatz, um für ethische Fragestellungen in der Pflege zu sensibilisieren - sowohl die künftigen Pfleger wie auch die Öffentlichkeit. Gesucht sind bei dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt Antworten auf vier Fragen: Wie sollte ein würdevolles Leben im höheren Alter gestaltet werden?; Erhöhen moderne Medizin-Technologien die Zuwendungszeit der Pflegebedürftigen?; Ist die Pflege durch Roboter ethisch vertretbar? und Rechtfertigt ein Plus an Sicherheit die Überwachung dementer Menschen? Bei der Suche nach Antworten sollen sich die künftigen Pfleger einbringen, so das Institut für Medienpädagogik und dessen Partner vom Zentrum für Gesundheitsethik in Hannover und Caritas-Landesverband Bayern. Die Schüler in Schweinfurt stufte Tina Drechsel als aufgeschlossen für die Chancen, die die Medizintechnik biete, ein, wobei sich der Pflegenachwuchs durchaus über die Risiken bewusst sei. Ganz klar sei formuliert worden, dass die technischen Hilfen nur mit dem freiwilligen Einverständnis der Betroffenen zum Einsatz kommen dürften.

Diskutiert wurde an dem Projekttag der Mehrwert durch neue Technologien und die Abgrenzung zur Fremdbestimmung, die Notwendigkeit der Aufklärung über die Einsatzgebiete der Hilfsmittel sowie die ethische Dimension neuer Entwicklungen, die oft zwei Seiten hätten. So habe der per Chip überwachte Demente mehr Freiheiten bei gleichzeitiger permanenter Überwachung.

Nicht in Frage gestellt wurden von den Schülern die Vorteile von Robotern, die beispielsweise Senioren umbetten oder bei der täglichen Körperhygiene in der Nasszelle unterstützen. Kritischer wurde der Beziehungsroboter gesehen, der für Demente ein Ansprechpartner sein kann und als kuschelige Puppe auf Berührungen reagiert.

Als Forderung der Schüler, hat Tina Drechsel auf den Einzelfall bezogene Entscheidungen notiert und den Grundsatz, dass die Technik zwar unterstützten solle, aber den Pfleger nicht ersetzen dürfe. la

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