Bad Kissingen
Rhön

Rhöner Landräte schachern um Standort

Der Bad Neustädter Landrat reklamiert das Biodiversitätszentrum für Bischofsheim. Es geht um Jobs: Verpasst Landrat Thomas Bold gerade eine Chance?
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Ralf Ruppert/Archiv
Ralf Ruppert/Archiv
Der Ministerpräsident hat gesprochen, aber keiner weiß, wo es lang geht. So könnte man die Nachwehen von Söders Regierungserklärung zusammen fassen. Sein Aus für den dritten Nationalpark war garniert mit dem Versprechen, ein Biodiversitätszentrum in der Rhön zu bauen. Doch was ist das und wo soll es hin? Immerhin eines ist klar: "Eine neue Info-Einrichtung und das Biodiversitätszentrum sind zwei getrennte Einrichtungen", hat Michael Geier, Leiter der bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, erfahren.
Söders Rede am 18. April warf viele Fragen auf: "Der Begriff muss erst noch mit Inhalt gefüllt werden", sagt Geier übers Biodiversitätszentrum, und: "Wir warten auf Klärung." Dagegen sei seit Jahren klar, dass es eine neue Umweltbildungsstätte geben soll: 2014 wurde der bayerische Teil des Biosphärenreservats von rund 47 000 auf knapp 130 000 Hektar erweitert. "Wir haben schon vor Jahren dargelegt, dass wir zu viel Zeit auf der Straße lassen", begründet Geier die Notwendigkeit einer weiteren Info-Stelle. Er hofft, dass im Doppel-Haushalt 2019/20 Mittel dafür eingestellt werden.
Sieben Kommunen haben sich darum bereits beworben: Burkardroth hat gleich selbst eingeschränkt, dass die Gemeinde zu nah an Oberbach liegt. Bad Kissingen, Hammelburg, Oberthulba, Elfershausen, Euerdorf und Bad Bocklet haben ebenfalls den Hut in den Ring geworfen. Sie alle gehen fest davon aus, dass die Einrichtung in den Landkreis Bad Kissingen kommt, schließlich gibt es eine erhebliche Unwucht: Knapp 30 Vollzeitstellen entstanden seit Gründung des Biosphärenreservats in Rhön-Grabfeld, von 7,5 Stellen in der bayerischen Verwaltungsstelle über den Verein Naturpark und Biosphärenreservat Rhön bis zu Tourist-Infos.


"Nichts abgesprochen"

Einziger Bad Kissinger Standort ist dagegen Oberbach mit drei Bildungsreferenten und dem Sitz der neuen Rhön GmbH, die sich jedoch über die Verteilung ihrer Mitarbeiter ausschweigt. Trotzdem ist die Standort-Suche für den Bad Neustädter Landrat Thomas Habermann (CSU) nicht ausgemacht: "Abgesprochen ist zunächst einmal gar nichts", sagt er auf Nachfrage dieser Redaktion. Allerdings wolle er sich "in den kommenden Wochen" mit seinem Bad Kissinger Amtskollegen Thomas Bold (CSU) zusammensetzen. "Bisher gab es noch keine Gelegenheit", sagt er, obwohl die Diskussion über die neue Umweltbildungsstätte seit Jahren andauert.


Arbeit an einem Konzept

Beim Söderschen Biodiversitätszentrum prescht Habermann schon einmal vor: "Wir haben uns bei uns im Hause Gedanken gemacht und ein Konzept mit der Stadt Bischofsheim entwickelt", sagt Habermann. Schließlich habe die Stadt schon beim Nationalpark "konstruktiv diskutiert" und sei "naturschutzfachlich aufgeschlossen". Für Bischofsheim spreche die zentrale Lage und die gute Infrastruktur, wirbt Habermann. Er könne sich vorstellen, dass jeder Landkreis eine der beiden neuen Einrichtungen bekommt. Ganz ohne den Nachbar-Landkreis geht es aber auch für Habermann nicht: "Wir sind stärker, wenn wir gemeinsam handeln."
Auf Kooperation setzt auch Bold. Aus seiner Sicht sei es der Konsens gewesen, dass die neue Info-Stelle "im Bereich Saaletal" entsteht: "Davon gehe ich fest aus, aber schriftlich fixiert ist es nicht." Beim Biodiversitätszentrum will der Bad Kissinger Landrat noch abwarten: "Die Idee hat mich und alle anderen überrascht." Er wolle nicht "ins Blaue hinein planen", sondern warte auf Vorgaben aus dem Umweltministerium. "Für mich ist es noch nicht greifbar, aber es muss eine wissenschaftliche Komponente haben", kommentiert Bold. Zum Klaushof etwa würden beide Einrichtungen gut passen, aber auch andere Kommunen kämen in Frage. Da will der Bad Kissinger Landrat keine Vorauswahl treffen. "Am Ende muss es ein ausgewogenes Konzept geben, in dem die Rhön angemessen repräsentiert wird", sagt Bold. Das schließe auch die Verteilung auf die beiden Landkreise ein.


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