Bad Kissingen
Zweifel

Reiterverein sagt Rakoczy-Turnier ab

Als der Reiterverein ankündigte, er wolle heuer wieder sein Rakoczy-Turnier ausrichten, war das ein Zeichen, dass es aufwärts geht. Jetzt musste er doch absagen.
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Das Rakoczy-Reitturnier ist eine Kissinger Traditionsveranstaltung. Eigentlich wollte der Reiterverein es heuer wieder einmal ausrichten. Jetzt musste er dennoch absagen.  Foto: Archiv Dieter Hopf
Das Rakoczy-Reitturnier ist eine Kissinger Traditionsveranstaltung. Eigentlich wollte der Reiterverein es heuer wieder einmal ausrichten. Jetzt musste er dennoch absagen. Foto: Archiv Dieter Hopf

Die Ankündigung nahmen viele in Bad Kissingen und unter den Reitern in der Region als Zeichen, dass es mit dem Reiterverein in der Kurstadt wieder aufwärts geht. Anfang des Jahres wurde bekannt, dass der Verein den Ehrgeiz hatte, es nach drei Jahren Pause wieder einmal mit seinem traditionellen Rakoczy-Reitturnier zu versuchen. Noch im Mai war der Verein optimistisch, dass es auch funktionieren würde. Jetzt aber wurde das Ereignis abgesagt. Der Vorstand führt mehrere Gründe dafür ins Feld.

Im Vorfeld hatte es geheißen, die Absage habe vor allem mit der Stadt zu tun. Weil das Turniergebäude aus Sicherheitsgründen gesperrt ist, wären dem Verein für das Turnier zusätzliche Kosten entstanden. Deshalb hatte der Verein von der Stadt finanzielle Unterstützung gefordert. Um Planungssicherheit zu haben, hätte die Zusage bis vergangenen Freitag schriftlich vorliegen sollen. Doch sie lag nicht vor. "Das war aber nicht der einzige Grund abzusagen", erklärte Timo Sitte, der Vorsitzende des Vereins, am Freitag auf Anfrage: "Man kann da nicht der Stadt die Schuld zuschieben."

Es habe intern auch Zweifel gegeben, ob der Verein wirklich über die nötige Zahl von Helfern für so eine anspruchsvolle Veranstaltung verfügt. Nicht weniger groß seien die Zweifel gewesen, ob der aktuelle baustellenähnliche Zustand des Turniergebäudes wirklich das richtige Ambiente für das Turnier gewesen wäre. In einer Mitteilung auf Facebook spricht der Verein zur Begründung der Absage sogar nur diese zwei Aspekte an.

Rund um das Turniergebäude hätten sich die Dinge in den vergangenen Monaten einfach für das Projekt ungünstig entwickelt. Zunächst habe Aussicht bestanden, das Gebäude wenigstens in Teilen nutzen zu können. Inzwischen habe es der Statiker komplett sperren müssen. Eigentlich habe der Verein seine Absicht, das Turnier wieder auszurichten schon ab der ersten Vorbereitungssitzung an die Voraussetzung gebunden, dass das Gebäude nutzbar ist.

Keine Absage für immer

Oberbürgermeister Kay Blankenburg bedauerte die Absage am Freitag ausdrücklich. Denn der Verein sei auf einem guten Weg. Der Plan, das Turnier auszurichten, sei ein Signal dafür gewesen. Nun, nach der Absage, sei ihm wichtig, dass der Verzicht "nicht auf Zeit und Ewigkeit" gelte, "sondern halt für heuer". Er habe Timo Sitte zwar die grundsätzliche Bereitschaft zur gewünschten Unterstützung angedeutet, dem Verein das aber nicht in der gewünschten Frist schriftlich geben können. Die Stadt sei mit der Bitte so knapp "konfrontiert worden", dass er es nicht mehr rechtzeitig damit in den Stadtrat geschafft habe.

Für immer und ewig gelesen ist die Messe für ein Reitturnier am Turniergebäude mit dieser Entscheidung nicht. Natürlich ist der Bau, an den der Reiterverein die Zukunft seines Turniers gebunden sieht, zurzeit aus Sicherheitsgründen gesperrt. Es ist aber nicht klar, wie lange das so bleiben muss.

Blankenburg jedenfalls deutete an, das Objekt habe auch Bedeutung für Bad Kissingens Bewerbung um den Eintrag als eines der Great Spas of Europe in die Unesco-Liste des Weltkulturerbes. Es sei Teil des Property genannten Gebiets, das im Falle des Erfolgs der Bewerbung zum Weltkulturerbe ernannt wird. Und es ist ja auch tatsächlich ein wichtiges Beispiel der Weiterentwicklung des Weltbadangebots für Bad Kissingens Gäste im frühen 20. Jahrhundert.

"Ich halte das Gebäude für sehr wichtig", erklärte Blankenburg vor diesem Hintergrund und signalisierte Bereitschaft zu Investitionen in den Erhalt des Turniergebäudes. Jetzt müsse man aber erst einmal genau wissen, "was kaputt ist". Dann könne man versuchen die Kosten abzuschätzen. Und auf dieser Basis dann entscheiden, ob man das Objekt instand setzen kann. In Teilen. Oder vielleicht sogar komplett.

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