Rannungen
Kommunalpolitik

Rannungen: Rücktritt des Zweiten Bürgermeisters Werner Keller

27 Jahre lang saß Werner Keller im Rannunger Gemeinderat. Seit 2014 war er stellvertretender Bürgermeister. In der Gemeinderatssitzung am Dienstag gab er sein Amt ab.
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Werner KellerArchiv/Dieter Britz
Werner KellerArchiv/Dieter Britz

Zweiter Bürgermeister Werner Keller gab in der jüngsten Gemeinderatssitzung bekannt, dass er von seinem Amt zurücktritt. Leicht sei ihm diese Entscheidung nicht gefallen, sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion. Es habe aber in den vergangenen Jahren etliche Vorhaben im Gemeinderat gegeben, bei deren Diskussion sich eine bestimmte oppositionelle Gruppe im Ratsgremium "aus persönlichen Befindlichkeiten heraus" jedesmal dagegen ausgesprochen habe, statt zum Wohle der Kommune zu entscheiden. Das alles habe ihn gedanklich stets stark beschäftigt, sagt Keller. Da er inzwischen gesundheitliche Probleme habe, sei in ihm der Entschluss gereift zurückzutreten.

Von seiner Entscheidung zum Rücktritt hatte Keller Bürgermeister Fridolin Zehner schon nach der vorletzten Ratssitzung in Kenntnis gesetzt. Dieser hatte die Nachricht an die Gemeinderatsmitglieder weitergegeben. Den nicht-öffentlichen Teil habe er für seine Rücktrittserklärung gewählt, weil er da nochmals "bestimmte Sachverhalte" zur Sprache bringen wollte, so Keller weiter. Was genau er dort mitteilte, darüber wollte er nichts Konkretes sagen. Er deutete jedoch an, dass es im Gemeinderat eine "Gruppierung über alle Fraktionen hinweg" gebe, die in der Vergangenheit stets gegengesteuert habe, sobald sich Bürgermeister Zehner oder er selbst für ein Projekt im Gremium stark gemacht hätten.

Keller war 2014 bei der Kommunalwahl für die Bürgerliste angetreten. Vor zwei Jahren trat er bei der Gruppierung aus und blieb bis heute parteilos. Seiner Ansicht nach hat man es ihm von Seiten etlicher Ratskollegen angekreidet, dass er bei den für die Kommunen wichtigen Themen oft mit Bürgermeister Zehner an einem Strang zog. Doch für ihn ist auch jetzt klar: "Als stellvertretender Bürgermeister kann ich nicht ständig Opposition betreiben, da muss ich an die Zukunft der Gemeinde denken."

So habe er beispielsweise zwei Dienstaufsichtsbeschwerden aus dem Gemeinderat gegen Bürgermeister Zehner nicht mitgetragen und sie, im Gegenteil, hart kritisiert. Kellers Fazit: "Da hab ich wohl die Erwartungen der Opposition nicht erfüllt. Mir lag aber das Ergebnis für die Gemeinde am Herzen." Als weiteres Beispiel nennt er die langen Diskussionen im Gremium um den Fahrradweg Richtung Pfändhausen.

Stets habe jene oppositionelle Gruppe im Gemeinderat "kontra gegeben", sagt Keller. Seiner Ansicht nach seien auch die Landwirte, die ihre Äcker für den Radweg hergeben sollten, damals negativ aus dem Gemeinderat beeinflusst worden. Zehn Bauern sträubten sich seinerzeit, so Keller. Er habe dann jeden einzelnen besucht und die Sachlage erläutert. Am Schluss habe man dann doch alle für den Radweg gewinnen können.

Ebenso sei vor einiger Zeit die Renaturierung des Waldsees von jener oppositionellen Gruppe zunächst vehement abgelehnt worden, obwohl der Landschaftspflegeverband 85 Prozent der Kosten übernahm. "Und das einfach nur, weil Zehner und ich uns dafür stark machten." Als weiteres Beispiel nennt Keller das Ringen im Gemeinderat um ein neues Baugebiet, entweder am Johannisberg oder an der Sauleite. Ein paar der Privatbesitzer seien nicht leicht zu überzeugen gewesen, ihr Land an die Kommune abzugeben. Die Aussichten seien jedoch nicht schlecht gewesen, sagt Keller. Das Vorhaben sei im Gemeinderat wieder von der Gegenseite abgeschmettert worden.

Als er 2014 gewählt wurde, habe er sich "nie träumen lassen", dass er sein Amt einmal vorzeitig abgeben würde, sagt Keller. Nach der Sitzung am Dienstag sei er jedoch innerlich zur Ruhe gekommen, "ein Zeichen, dass es richtig war, das Amt jetzt abzugeben". Er gebe die Hoffnung nicht auf, dass man sich künftig im Gemeinderat doch öfter zum Wohl der Gemeinde entscheiden wird und sich nicht von persönlichen Motiven leiten lässt.

Bürgermeister Zehner nahm den Rücktritt seines Stellvertreters "mit Bedauern" zur Kenntnis. Für ihn gestalten sich die kommenden Wochen schwierig, denn er muss bis zur nächsten Sitzung am 2. Mai potenzielle Stellvertreter ansprechen. In der Sitzung wird zum einen Andreas Diemer als Listennachfolger ins Ratsgremium nachrücken. Anschließend werden sich mögliche Kandidaten für den Stellvertreterposten vorstellen. Und dann wird gewählt. Isolde Krapf

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