Bad Kissingen
Bauwerk

Probleme mit der Statik

Langsam müsste sich der Gradierbau bereit machen für den Beginn der Saison. Doch Kissingens hölzernes Freiluftinhalatorium ist gesperrt. Hintergrund sind Statikprobleme.
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Der Gradierbau ist zurzeit gesperrt.  Foto: Siegfried Farkas
Der Gradierbau ist zurzeit gesperrt. Foto: Siegfried Farkas
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Der Gradierbau im Norden von Bad Kissingen ist weniger standfest als viele glauben. Aktuell schirmt ein Bauzaun die Anlage von ihrem Umfeld und von Besuchern ab. Anlass dafür sind Probleme mit der Statik des hölzernen Freiluftinhalatoriums.

Der Zustand des Gradierbaus hat wenig mit klassischen Vorstellungen über die Altersschwäche von Holzbauten zu tun. Denn was da im Norden Bad Kissingens als Zeuge von Jahrhunderten der Salzgewinnung und der Inhalation salzhaltiger Luft unter freiem Himmel steht, kann man nicht mehr ein historisches Gebäude nennen. Bei dem Bauwerk handelt es sich vielmehr um einen relativ jungen Darsteller dessen, was zwischen den Salinen und Hausen einst viel größer dazu diente, Sole zu gradieren, das heißt ihren Salzgehalt zu erhöhen, indem man sie über Schwarzdornreisig herabrieseln und verdunsten ließ.

Entstanden sind diese Stellvertreter historischer Salzgewinnungstechnik in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Damals verschwanden zunächst der Nord- und der Südflügel des bis dahin noch bestehenden Gradierwerks und später auch der Wasserturm. Wiedererrichtet hat der Freistaat nur den Nordflügel und den Wasserturm der lange noch als Freiluftinhalatorium genutzten Anlage. Vom Südflügel blieben zur Erinnerung und Mahnung nur Fundamente. Zwei ursprünglich parallel angelegte Vorgängerbauten des Gradierwerks waren nach den Angaben im Bad-Kissingen-Band der Reihe Denkmäler in Bayern im 18. Jahrhundert entstanden. Sie sollen einst mehr als zwei Kilometer lang gewesen sein.

Als Denkmal wird der bestehende Gradierbau wegen der vollständigen Erneuerung nicht mehr geführt. Und, wer weiß, vielleicht kann er auch gar nicht so lange Bestand haben, wie seine Vorgänger. Nach Angaben von Erwin Full vom Staatlichen Bauamt Schweinfurt hat das Bauwerk ernst zu nehmende Probleme. Bei der Errichtung der Ersatzbauten in den Neunzigern habe man versucht, "frühere konstruktive Schwachstellen zu beseitigen". Unter anderem habe es die Auffassung gegeben, dass für die Eisen, "die die Hölzer zusammenhalten", die Verwendung von Edelstahl falsch und stattdessen verzinkte Verbindungen besser seien.

Wenn man aber jetzt hinschaue, stelle man fest, dass "die Eisen stark korrodiert sind", berichtet Full, sie hätten "schwer gelitten". Von außen sei jedoch nicht zu erkennen, wie sich die Eisen in den Hölzern verhalten. Deshalb sei die Bedornung in einem Feld des Gradierwerks ausgeräumt worden. Auf diese Weise habe sich ein Statiker ein besseres Bild vom Zustand der Verbindungen machen können.

Das Ergebnis des Statikgutachtens hat die Entscheidung über den Umgang mit den Problemen offenbar nicht leichter gemacht. Gemacht werden müsse am Gradierbau grundsätzlich auf jeden Fall etwas, erklärt Full. Die Beteiligten suchten nun aber nach einer Möglichkeit, den Betrieb wenigstens für die Saison in diesem Jahr noch zu ermöglichen. Full ist optimistisch, dass sich "konstruktive Sicherheitsvorkehrungen" finden lassen, mit denen "die Saison stattfinden kann".

Um festzulegen, wie man danach mit dem Gradierbau verfahren kann, brauche es weitere Untersuchungen, berichtet Full. Wichtig sei auch, die Immobilien Freistaat Bayern (IMBY) als Eigentümer einzubeziehen. Schließlich werde eine Lösung ja auch etwas kosten. Welche Lösung das sein kann, vermag im Moment wohl noch niemand zu sagen. Vermutlich spielt die Frage, was billiger ist, eine Sanierung oder ein Neubau, dabei eine Rolle. Rücksicht auf den Erhalt eines Denkmals spielt bei der Entscheidung keine Rolle mehr. Dieses Argument hat sich durch den damaligen Ersatzbau bereits vor 25 Jahren erledigt. Siegfried Farkas

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