Bad Kissingen
Naturschutz

Pestizidverzicht wäre ein Gewinn

Der Bad Kissinger Stadtrat steuert den Verzicht auf die chemische Keule für städtische Flächen an.
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Den Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmitteln bei der Bewirtschaftung landwirtschaftlicher und öffentlicher Flächen der Stadt steuert der Stadtrat an. Foto: Siegfried Farkas
Den Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmitteln bei der Bewirtschaftung landwirtschaftlicher und öffentlicher Flächen der Stadt steuert der Stadtrat an. Foto: Siegfried Farkas
In Deutschland haben sich laut Bund Naturschutz bislang 210 Kommunen gegen den Einsatz von Pestiziden auf ihren Flächen entschieden. Bad Kissingen könnte die 211. werden.Der Bauausschuss des Stadtrats zeigte sich jüngst aufgeschlossen für einen entsprechenden Vorstoß der Ausschussgemeinschaft von Grünen/Bürgern für Umwelt/ÖDP und FDP. Deren Vorsitzender im Stadtrat, Richard Fix, begründete das Anliegen mit dem Hinweis, gerade einer Gesundheits- und Tourismusstadt stehe es gut an, auf diese Weise "in ihrem direkten Umfeld einen Beitrag zum Erhalt der natürlichen Vielfalt zu leisten.


Noch nicht endgültig beschlossen

Der Verzicht auf den Einsatz "chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel bei der Bewirtschaftung landwirtschaftlicher und öffentlicher Flächen der Stadt Bad Kissingen" ist damit allerdings noch längst nicht endgültig beschlossene Sache. Der Ausschuss sprach sich jetzt zunächst lediglich für einen Auftrag an die Verwaltung zu Vorarbeiten in der Sache aus.
Die Ausschussgemeinschaft wünscht sich unter anderem für den Abschluss neuer oder die Verlängerung alter Pachtverträge für stadteigene landwirtschaftliche Flächen eine Klausel, "mit der sich der Pächter verpflichtet, auf den Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel zu verzichten". Darüber hinaus solle die Stadt auch private Dienstleistungsunternehmen, "die den Auftrag zur Pflege öffentlicher Flächen erhalten", zum Verzicht auf den Einsatz solcher Pflanzenschutzmittel verpflichten. Bei laufenden Verträge könne man zumindest auf eine "freiwillige Einigung" hinwirken.


Information für die Bürger

Beim dritten Wunsch der Ausschussgemeinschaft geht es um Information und Aufklärung. Die Stadt solle Bürger "über die Bedeutung von Biodiversität" aufklären und ihnen "Möglichkeiten zum Schutz von Bestäubern wie Bienen und Wildbienen sowie giftfreie Maßnahmen beim Gärtnern" aufzeigen.
Die Stadt, so Fix in seiner Begründung des Antrags, könne auf diese Weise wenigstens einen kleinen Beitrag im Einsatz gegen den ausgeprägten Rückgang der Artenvielfalt leisten. Auch für die menschliche Gesundheit und Lebensqualität sei "Pestizidverzicht ein Gewinn". Es gebe vielfältige mechanische und thermische Alternativen zur chemischen Keule. Auch Beispiele, wie man ohne allzu großen Aufwand, etwa durch Anpflanzen mehrjähriger Stauden, für Insekten ein "ganzjähriges Blütenangebot und damit Nahrung und Lebensraum schaffen" kann, stehen im Antrag.
Der Vorstoß der Ausschussgemeinschaft fand eine große Mehrheit im Ausschuss, alle überzeugte er nicht. Oberbürgermeister Kay Blankenburg sah große Zusatzbelastungen auf die Stadtverwaltung zukommen. Auch der Wunsch nach Beratung der Bürger, fürchtet er, löse zusätzlichen Personalaufwand aus. Es sei auch nicht Aufgabe der Stadt über Biodiversität zu informieren. Zudem habe das Rathaus nicht die Kapazitäten, die Einhaltung solcher Vorgaben zu kontrollieren. Nach Angaben der Stadtverwaltung führt das Rathaus rund 120 Pachtverträge, auf die man das Anliegen der Ausschussgemeinschaft anwenden kann. Das lässt sich in zwei Richtungen interpretieren. Man kann das für einen Hinweis auf viel Arbeit halten. Oder für die Chance, auf vielen Flächen viel Wirkung zu erzielen. Siegfried Farkas
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