Bad Kissingen
Natur

Perspektiven für die Rhön

Das neue Rahmenkonzept für das Biosphärenreservat Rhön macht es möglich: Erstmals seit 27 Jahren trafen sich alle drei Umweltminister in der Rhön.
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Premiere: Erstmals in der Geschichte des Biosphärenreservats Rhön trafen sich die drei zuständigen Umweltminister. Mit Moderatorin Kristin Gesang (Dritte von links) diskutierten (von links) Priska Hinz (Hessen), Anja Siegesmund (Thüringen) und Marcel Huber (Bayern) über das neue Rahmenkonzept. Foto: Thomas Pfeuffer
Premiere: Erstmals in der Geschichte des Biosphärenreservats Rhön trafen sich die drei zuständigen Umweltminister. Mit Moderatorin Kristin Gesang (Dritte von links) diskutierten (von links) Priska Hinz (Hessen), Anja Siegesmund (Thüringen) und Marcel Huber (Bayern) über das neue Rahmenkonzept. Foto: Thomas Pfeuffer
In der an Höhepunkten reichen Geschichte des Biosphärenreservats Rhön galt es am Mittwoch nicht nur, einen erneuten Meilenstein für die weitere Entwicklung der Region zu feiern. Es gab auch ein Novum. In den 27 Jahren seit der Anerkennung der Rhön als Biosphärenreservat ist es noch nie gelungen, alle drei Umweltminister der beteiligten Länder Hessen, Thüringen und Bayern bei einem Termin vor Ort zusammenzubringen.
Beim Festakt zur Vorstellung des neuen Rahmenkonzepts vor rund 300 Gästen in der Gersfelder Stadthalle sollte sich das nun ändern. Die Umweltministerin des derzeit im Biosphärenreservat federführenden Hessen, Priska Hinz, begrüßte sichtlich erfreut ihre thüringische Kollegin Anja Siegesmund und Bayerns Umweltminister Marcel Huber. Die drei lächelten aber nicht nur in die Kamera, sondern diskutierten auch engagiert über die Zukunft der Rhön und ihres Biosphärenreservats.
Dabei zeigten sich die Kollegen einig mit Gastgeberin Priska Hinz, dass mit dem mehr als 800-seitigen Rahmenkonzept "ein Mammutprojekt" abgeschlossen wurde. Mit vereinten Kräften aus Hessen, Bayern und Thüringen sei es in den vergangenen vier Jahren gelungen, das neue Leitbild und Zukunftskonzept für die nächsten 15 Jahre für die Kulturlandschaft der Rhön mit ihren seltenen Tier- und Pflanzenarten zu schaffen.
Darin enthalten seien 66 konkrete Projektideen und Konzepte, mit denen das Biosphärenreservat fit gemacht werden soll für die Zukunft. Das neue Rahmenkonzept sei ein entscheidender Baustein zur Bewältigung der aktuellen lokalen und globalen Herausforderungen. Wichtige Themen wie biologische Vielfalt, Klimaschutz, demografischer Wandel oder nachhaltige Landwirtschaft würden aufgegriffen und mit regionalen Lösungen verknüpft.


Ein Rhöner Werk

Als vorbildlich würdigten die Minister und Fuldas Landrat Bernd Woide als Vertreter der "kommunalen Familie" nicht nur das Ergebnis der Arbeit, sondern auch die Methode. Der "neue Rahmen für die Rhön" sei nicht von einem externen Büro erstellt worden, sondern von den Rhönern selbst. Mehr als 300 Interessierte hätten sich in elf Arbeitsgruppen länderübergreifend mit den verschiedenen Themenbereichen auseinandergesetzt, um Leitbilder und Projekte zu erarbeiten. Viele Rhöner hätten sich an den öffentlichen Anhörungen beteiligt, 1800 an einer Online-Umfrage. Als entscheidend würdigten die Minister auch die Arbeit der drei Verwaltungsstellen, vor allem der bayerischen, die die Schriftleitung für das im gedruckten Zustand 4,2 Kilogramm schwere Konzept übernommen hat.


Breitband und Urwald

In einer von Hessenschau-Moderatorin Kristin Gesang und dem Kabarettisten Wolf Mihm geleiteten Talkrunde rückten die drei Minister völlig einträchtig die Rolle und künftigen Erfordernisse des ländlichen Raumes in den Mittelpunkt, wie sie auch im Rahmenkonzept beschrieben sind.
Die Notwendigkeit des Breitbandausbaus wurde ebenso thematisiert wie der Erhalt der Kulturlandschaft und die Schaffung von Kernzonen-Urwäldern. Zum Erhalt und zur Verbesserung von Biodiversität kündigte die hessische Ministerin neue Programme mit zusätzlichen Mitteln für die Rhön an.
"Die Verknüpfung von Natur- und Umweltschutz mit wirtschaftlicher Entwicklung in der Region bietet eine großartige Zukunftsperspektive für die Menschen in der Rhön", rückte Marcel Huber für die bayerische Seite wirtschaftliche Aspekte in den Blickpunkt. Huber kündigte daneben den Bau einer Umweltinformationseinrichtung in Bad Kissingen und eines Biodiversitätszentrums in Rhön-Grabfeld (siehe weiterer Bericht in dieser Ausgabe) an.
Für Ministerin Anja Siegesmund aus Thüringen ist die Entwicklung des Dreiländer-Biosphärenreservats beispielhaft. So könnte sie sich auch die Entwicklung eines in Südharz und Kyffhäuser geplanten Biosphärenreservats vorstellen. Da die Bandbreite der im Rahmenkonzept vorgestellten Projekte die verschiedensten Ministerien betreffen, habe das hessische Kabinett beschlossen, dass sich die entsprechenden Ministerien an der Umsetzung beteiligen, so Hinz. Ähnliches wusste Marcel Huber zu berichten.
Bevor die "Grasmücken" mit der Rhönhymne das große Büfett musikalisch eröffneten, schritten die Leiter der drei Verwaltungsstellen zur Tat und überreichten jeweils ihrem Minister ein gedrucktes Exemplar des neuen Rahmenkonzepts und würdigten jeweils drei wichtige Akteure aus den Arbeitsgruppen. Michael Geier bat dazu von bayerischer Seite Peter Gehring von der Umweltbildungsstätte Thüringer Hütte für den Bereich Umweltbildung, den Oberthulbaer Bürgermeister Gotthard Schlereth (Kommunalpolitik) und Bionade-Geschäftsführer Wolfgang Bufe (Wirtschaft) auf die Bühne. top
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