Bad Kissingen
Engagement

Patricia Middermann in Berlin geehrt

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey zeichnete 95 junge Ehrenamtliche in der Hospizarbeit aus ganz Deutschland aus, darunter auch eine 26-Jährige aus Bad Kissingen.
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Anerkennung für die Hospizarbeit: Auch die Bad Kissingerin Patricia Middermann (links) war unter den 95 jungen Leuten, die von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey eine Urkunde bekamen. Michaela Kaiser
Anerkennung für die Hospizarbeit: Auch die Bad Kissingerin Patricia Middermann (links) war unter den 95 jungen Leuten, die von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey eine Urkunde bekamen. Michaela Kaiser
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Mit den Anerkennungsurkunden, die am 5. April zum ersten Mal in Berlin verliehen wurden, wolle Giffey ein Zeichen setzen: Die jungen Leute sollen spüren, dass man ihr Engagement würdigt, heißt es auf der Homepage des Ministeriums. Gleichzeitig hätten die Hospizhelferinnen und -helfer anhand der Urkunde die Möglichkeit, ihre erworbenen Kenntnisse und das gesamte Engagement in der Begleitung Sterbender auch im weiteren Leben nachzuweisen, so der Pressetext.

Denn jeder muss sich in jungen Jahren für eine Ausbildung, für einen Studienplatz oder später für eine Arbeitsstelle bewerben. Die Ausbildung in der Sterbebegleitung könne für künftige Arbeitgeber interessant sein, machte Giffey, laut Homepage, in ihrer Laudatio klar. Die Qualifizierungsurkunden wurden in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verband, der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin und der Bundesärztekammer entworfen und jetzt erstmals übergeben. Giffey: "Wir machen heute einen Schritt nach vorn, das Ehrenamt junger Menschen besser anzuerkennen. Wer sich engagiert, soll auch im weiteren Leben davon profitieren können."

Ein "bunteres Ehrenamt"

"Hospizarbeit ist in Zukunft ohne Ehrenamt nicht möglich. Die heutige Auszeichnung für diese jungen Menschen ist ein starkes Signal auf dem Weg hin zu einem neuen, das heißt bunteren, vielfältigeren und flexibleren Ehrenamt - ein Wandel, der dringend vorangebracht werden muss", sagte Prof. Winfried Hardinghaus, Vorsitzender des Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verbands, in seinem Grußwort.

Die 95 jungen Leute, die in Berlin geehrt wurden, haben alle eine qualifizierte Vorbereitung für den Hospizdienst abgeschlossen. So auch Patricia Middermann, die 2017 einen sechsmonatigen Kurs des Bad Kissinger Hospizvereins absolvierte. Dort ging es unter anderem um Spiritualität, Trauer, Gesprächsführung und darum, selbst wahrzunehmen, wie man zum Thema Sterben steht.

"Ich habe mich schon immer mit dem Thema Tod auseinandergesetzt", erzählt Patricia Middermann im Gespräch mit dieser Redaktion. Zudem habe sie sich seinerzeit ehrenamtlich engagieren wollen und etwas tun wollen, was "direkt am Menschen" stattfindet. Deshalb entschied sie sich für den Hospizverein.

"Anfangs habe ich mir schon schwer getan", gibt die 26-Jährige offen zu, "denn immer wenn ich nach dem Besuch bei einem Menschen wegging, der im Sterben lag, hatte ich Angst, ich hätte ihn vielleicht zum letzten Mal gesehen." Die Supervision, die der Verein einmal wöchentlich anbietet, habe ihr dann aber geholfen, diese Angst abzubauen. Nach Berlin fuhr sie, weil das Familienministerium seinerzeit beim Bad Kissinger Hospizverein angefragt hatte, ob es im Verein junge Ehrenamtliche gibt, die für die bundesweite Ehrung in Frage kommen. Die Vereinsspitze habe sie vorgeschlagen, erzählt Middermann. Die Auszeichnung sei für sie ein besonderes Erlebnis gewesen, weil sie dort viele andere Ehrenamtliche traf, die das Gleiche wie sie erlebten. "Man konnte sich austauschen. Die anderen haben auch sofort verstanden, was man da macht und warum man das macht."

Das Leben selbst mehr genießen

Für Middermann ist Sterbebegleitung "etwas Sinnvolles, ja Schönes", weil man den Menschen mit Gesprächen helfen kann, aber durch diesen Kontakt auch sich selbst besser kennenlerne. Denn wie oft dächten junge Leute nur in die Zukunft und dass sie ja noch sehr viel Zeit im Leben vor sich haben, so die Hospizhelferin. "Aber natürlich könnte einem auch am nächsten Tag schon etwas zustoßen." Für sie persönlich sei die Mitwirkung im Hospizverein eine sehr bereichernde Erfahrung, "denn es wird einem auch klar, dass man das eigene Leben genießen muss".

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