Bad Neustadt an der Saale
Nationalpark

NP3: Chance oder überflüssig?

SPD-Kreisverband lud zur Diskussion.
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Die Akteure der Podiumsdiskussion zum Nationalpark (von links): Bernhard Lorz, Kathi Petersen, Jörg Steinhoff, Thorn Plöger, Erwin Kruczek und René van Eckert.  Martina Harasim
Die Akteure der Podiumsdiskussion zum Nationalpark (von links): Bernhard Lorz, Kathi Petersen, Jörg Steinhoff, Thorn Plöger, Erwin Kruczek und René van Eckert. Martina Harasim
Das Thema Nationalpark in der Rhön polarisiert: Es gibt ganz viele Ängste und Vorbehalte, es gibt viele Hoffnungen und Zukunftsvisionen, es gibt reichlich Gerüchte und ein gerüttelt Maß an Polemik. In einer Podiumsdiskussion gaben der SPD-Kreisverband und der SPD-Ortsverein Bad Neustadt Gegnern und Befürwortern eine Plattform zum Gedankenaustausch. Bürger sollten die Möglichkeit haben, durch Fragen schlauer zu werden.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Kathi Petersen brachte es in ihrem Eingangs-Statement auf den Punkt: "Das Thema Nationalpark wird selten sachlich, sondern auf einer emotionalen Schiene diskutiert." Man wolle mit der Podiumsdiskussion zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen.


Machbarkeitsstudie angemahnt

Die SPD-Frau positionierte sich an diesem Abend nicht für oder gegen einen Nationalpark. Sie forderte von der Staatsregierung nachdrücklich eine Machbarkeitsstudie, die als Grundlage zur Meinungsbildung dienen soll.

Dass die Podiumsdiskussion auf weiten Strecken sachlich geführt wurde, ist das Verdienst von Moderator Bernhard Lorz, stellvertretender Vorsitzender der Bad Neustädter SPD. Es gab am Donnerstagabend aus der Zuhörerschaft wenige Fragen, dafür sehr viele, sehr persönlich gehaltene Statements, warum ein Nationalpark abzulehnen oder zu befürworten sei.


Emotionale Klippen

Ein äußerst gut vorbereiteter Lorz umschiffte diese emotionalen Klippen und führte die Gesprächsteilnehmer energisch immer wieder zu den Kernthemen zurück: Welche Auswirkungen hat ein Nationalpark auf den Naturschutz, auf die Waldwirtschaft und auf den Tourismus?
Für das Themenfeld Naturschutz saß Jörg Steinhoff von der Regierung von Unterfranken auf dem Podium, für die kommunale und private Waldwirtschaft war es der pensionierte Forstmann Erwin Kruczek und für den Tourismus Thorn Plöger, Geschäftsführer der Rhön GmbH.

Schnell kristallisierte sich die Wald- und Forstwirtschaft als eines der zentralen Themen des Abends heraus. Im und mit dem Wald wird Geld verdient. In diesem Bereich sind die Verlustängste offenbar sehr groß, sei es bei Menschen, die ihren Lebensunterhalt mit der Weiterverarbeitung von Holz, dem Verkauf oder dem Transport verdienen. Aber auch Menschen, die das Holz für ihren Kachelofen selber schlagen.

Erwin Kruczek vertrat die These, dass bei der Einführung eines Nationalparks 67 000 Festmeter Holz fehlen würden. Der Bedarf an Holz zum Heizen, die papierverarbeitende Industrie und den holzverarbeitenden Sektor würden aber bleiben und müsste durch Importe gedeckt werden. In Richtung Naturschutz sagte er: "Wenn wir den Wald weiter so bearbeiten wie bisher, wird es keinen Verlust an Pflanzen und Insekten geben."

Er erntete Widerspruch aus dem Publikum und von Petersen: "Der Nutzen des Waldes ist höher als nur ein wirtschaftlicher", sagte sie. Vertreter des Bund Naturschutz (BN) gaben außerdem zu bedenken, dass es nicht nachhaltig sei, Holz zum Heizen zu nutzen.

Jörg Steinhoff kündigte an, dass es für die Waldwirtschaft und für die Jagd maßgeschneiderte Konzepte geben soll. Der Vertreter der Regierung von Unterfranken wurde nicht müde, das Publikum aufzufordern, den Naturpark als Chance und als Zukunftsprojekt für die Rhön zu sehen. "Die Bürger haben Angst vor Veränderung", sagte er. "Lasst uns den Schritt wagen und in die Konzeptphase gehen, alles in der Tiefe untersuchen und dann eine Bilanz ziehen."

"Mit dem Bioshärenreservat spielen wir in der Zweiten Liga, mit einem Nationalpark würden wir in der Ersten Liga spielen" - mit diesem Statement fasste Thorn Plöger die Hoffnungen zusammen, die er als Tourismus-Mann mit einem Nationalpark verbindet: nachhaltiger Tourismus, mehr Übernachtungen, mehr Jobs.

Den Einwand aus dem Publikum, die Wasserkuppe, der Kreuzberg und das Moor seien jetzt schon überlaufen, man wolle nicht noch mehr Leute in der Rhön, nahm er als Handlungsauftrag auf. Man sehe es durchaus als Aufgabe, die Torismusströme auch an andere als nur die drei Hotspots zu lenken.

Sehr viele Detailfragen wurden an dem Abend angerissen, konnten aber nicht abschließend geklärt werden: Was wird aus der Jagd? Gibt es nicht schon genug geschützte Flächen? Wird die Natur besser in einem Biosphärenreservat geschützt als in einem Nationalpark? Die vielen offenen Fragen und Befürchtungen, so Kathi Petersen, müsse man als Auftrag verstehen, Fakten zu sammeln, zu bündeln und zur Diskussion zu stellen.


Die Zukunft der Rhön

Einen Aspekt, der an diesem Abend nicht thematisiert worden war, brachte eine junge Frau ins Spiel: die Zukunft der jungen Rhöner. Diese junge Frau wird wahrscheinlich - sollte der Nationalpark realisiert werden - zu den wenigen im Publikum gehören, die das Werden und Entstehen des Parks in 30 bis 40 Jahren tatsächlich noch erlebt. Unter dem Eindruck der zahlreichen Bedenken, die während der Diskussion geäußert wurden, sagte sie: "Jede neue Idee wird niedergedrückt. Deshalb sind hier auch keine jungen Leute mehr."
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