Salz bei Bad Neustadt an der Saale
Camp

Niederländer über der Rhön

Der Flugplatz des Aero-Clubs Bad Neustadt auf dem Grasberg war Treffpunkt für ein Fluglager mit Gästen aus den Niederlanden und Würzburg. Was die Rhön beim Fliegen attraktiv macht.
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Blick von oben: Die Teilnehmer des Flugsportlagers lernten Rhön-Grabfeld aus der Luft kennen.  Foto: Juliane Eisenschmidt
Blick von oben: Die Teilnehmer des Flugsportlagers lernten Rhön-Grabfeld aus der Luft kennen. Foto: Juliane Eisenschmidt
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Auf dem Flugplatz Grasberg in Salz herrscht Trubel. Einige Piloten sind auf Grund der guten Wetterbedingungen - Sonnenschein und Schönwetterwolken - noch in der Luft, dennoch hat sich eine große Gruppe am Boden versammelt. Zusätzlich zu den üblichen Mitgliedern vom Aero-Club Bad Neustadt sind rund 70 Gäste vor Ort. Sie kommen aus Würzburg und den Niederlanden, erzählt Patrick Schelenz, zweiter Vorsitzender des Aero-Clubs Bad Neustadt. Was zieht die Piloten in die Rhön?

"Deutschland ist ein Segelflugland von Nord bis Süd", sagt Karel van der Zande vom Zweefvliegclub Deelen. Die Segelfluggruppe aus den Niederlanden kommt seit 15 Jahren nach Bad Neustadt, erzählt er. Dieses Jahr sind sie zusammen mit einem Nachbarverein angereist. Die hatten bei ihnen angefragt, da sie keinen eigenen Ausflug machen. "Da haben wir natürlich ja gesagt, so ist das unter Segelfreunden", sagt van der Zande.

Auch in den Niederlanden kann man gut Segelfliegen, allerdings ist dort Flachland: "Hier haben wir die Rhön und den Thüringer Wald", zeigt van der Zande auf. Auch das Wetter sei in Deutschland oft besser, weil es im Gegensatz zum niederländischen Seeklima einfach trockener sei.

Ein weiterer Vorteil der Rhön: Sie ist weitgehend frei von Flugraumbeschränkungen: "Hier ist weit und breit nichts", so Schelenz. In Frankfurt sehe das durch den Flughafen ganz anders aus, gibt er ein Gegenbeispiel.

Der Flugsport-Club Würzburg organisiert das Fluglager für seine Flugschüler, damit diese die Region kennenlernen, erklärt Claus Sendelbach. Man könne hier genauso gut fliegen, wie anderswo - der große Vorteil: Die Anreise von Würzburg nach Salz ist nicht zu weit. Das sei gut, weil man mit den Flugzeug-Anhängern auf den Straßen nicht besonders schnell fahren dürfe, sagt Sendelbach.

Alle wollen in die Luft

Gestartet wird, sobald Thermik, also warme Aufwinde, zu erkennen sind: "Dann wollen alle so schnell wie möglich in die Luft", sagt Schelenz. In die Luft gebracht werden die Segelflieger entweder mit Schleppflugzeugen oder mit einer Seilwinde. Dann klinken sie sich aus, kreisen solange bis sie die passende Höhe erreicht haben und starten ihren Flug, der über hunderte Kilometer gehen kann, so der stellvertretende Vorsitzende. Dabei würden immer wieder Wolken angeflogen oder es gehe mit dem Segelflieger an einer "Wolkenstraße" entlang. An einem Nachmittag mit besonders guten Bedingungen starteten auf dem Flugplatz in Salz 20 Segelflugzeuge nacheinander, erzählt Sendelbach. Man habe sich in deutsch, niederländisch und englisch verständigt. Das Ganze funktionierte wunderbar: "Segelfliegen ist ein Team-Sport", bekräftigt er.

Außerdem können die Würzburger auf dem Grasberg, im Gegensatz zu ihrem eigenen Flugplatz, dem Schenkenturm, den Start mit einer Winde üben, erzählt Sendelbach weiter.

Berechtigung erneuern

Dabei wird der Segelflieger mittels einer Winde in die Luft gezogen, sagt Schelenz. "Die Segelflugstartwinde besteht aus einem 415 PS starken Motor und zwei Trommeln auf dem das 900 Meter lange Seil aufgespult ist", erklärt er. Die Winde wird dazu an einem Ende des Flugplatzes aufgestellt, der Segelflieger auf der anderen Seite positioniert. Die Seile werden von der Winde zum Flugzeug gefahren, das eingeklingt und von der Winde sehr schnell in die Luft gezogen wird.

Das ist in Würzburg auf dem Flugplatz aus Platzgründen nicht möglich: "Wir können unsere Windenstartberechtigung nur hier machen beziehungsweise erneuern", sagt Claus Sendelbach.

Freizeitangebote und Ausflüge

Die Gegend rund um Bad Neustadt ist auch abgesehen vom Segelflug attraktiv, sind sich die Gäste einig. "Es gibt viele Freizeitangebote und Möglichkeiten, Ausflüge zu machen", sagt van der Zande - das sei vor allem für mitgereiste Familienmitglieder, die nicht selbst fliegen, schön.

Von den rund 70 Gästen sind etwa 45 Piloten, schätzen die Organisatoren. Zusätzlich haben die Vereine knapp 30 Segelflugzeuge mitgebracht. Da kämen 60 Jahre Luftfahrtgeschichte zusammen - von älteren Modellen bis zum modernen Hochleistungssegelflieger.

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