Obererthal

Nach Mulcharbeiten bei Obererthal: Naturschützer verärgert

Nach Kritik an Mulchaktion in Obererthal gibt die Stadt Hammelburg ein Versprechen ab: Betreffende Flächen werden nur noch in Absprache bearbeitet.
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Für blühende Feldraine arbeiten Otto Granich und Erwin Gerlach samt weiterer Helfer.Wolfgang Dünnebier
Für blühende Feldraine arbeiten Otto Granich und Erwin Gerlach samt weiterer Helfer.Wolfgang Dünnebier
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Eigentlich wollte Erwin Gerlach seinen ehrenamtlichen Einsatz hinschmeißen. Mit anderen Ortsbürgern kümmert er sich in Obererthal mit großem Zeitaufwand um das Gedeihen von Blühstreifen entlang von Feldrainen. Doch jüngst mulchte wohl ein Bauhofmitarbeiter etliche Flächen viel zu großzügig ab, bemängelt Gerlach samt Helferschar.

Deshalb waren sie sauer auf die Stadt. "Das wirft das Projekt um drei bis vier Jahre zurück", erklärt er vor Ort im Gespräch mit dieser Redaktion. Gar von einer Bankrotterklärung spricht Otto Granich, der sich ebenfalls für die bunten Randstreifen einsetzt.

Möglicherweise gab es Missverständnisse. Mit einem städtischen Mitarbeiter sei ausgemacht gewesen, dass Feldraine nur Absprache mit den Naturschützen behandelt werden. Doch dieser Mitarbeiter ging im Laufe des Jahres in den Ruhestand.

Ziel sei es gewesen, reihum jeweils nur ein Drittel der zusätzlich mit Feldblumen angesäten Feldraine abzumulchen. Und das auch nicht ganz radikal bis zum Erdreich hin. Moderne Geräte könne man so einstellen, dass die Pflanzen bis zu einer gewissen Höhe stehen bleibe und so weiter ihre ökologische Wirkung entfalten. "Drei Jahr hat das geklappt", sagt Gerlach. Jetzt seien wichtige Rückzugsräume für Vögel und allerhand Kleingetier erst mal gestutzt.

Gerlach verweist auf einen Hohlweg, auf dem man im Sommer zwischen den farbenfrohen Böschungen Eidechsen hin und hersausen sah. Jetzt ist die Bepflanzung rappelkurz und teils sogar der Boden abgeschubbert.

Nicht komplett leergefegt

Auch für seltene Vögel, wie Goldammer, aber auch Rebhuhn, Blindsschleichen und Schmetterlingen sei der Lebensraum beeinträchtigt. Und dies in einer Phase, in der man steigende Sympathien der Ortsbürger und Interesse aus den Nachbarorten an dem Blumenprojekt spüre. "Die alte Landwirtschaft hat ja mehr wert auf Sauberkeit gelegt", bedauert Otto Granich. Aber man wolle der Nachwelt ja keine komplett leer gefegte Landschaft hinterlassen.

Dafür wird in Obererthal auch Geld in die Hand genommen. Gut 2000 Euro wurden bisher auch mit Unterstützung der Unteren Naturschutzbehörde in spezielle Blumensamen investiert. Dies alles in der Hoffnung, dass das Projekt in wenigen Jahren mit Hilfe der Natur zum Selbstläufer wird und sich die Pflanzen selbst aussäen.

Die Stadt geht unterdessen auf Nachfrage in einer Pressemitteilung davon aus, dass die extra ansäten Blühbereiche durch das Mulchen unberührt geblieben seien. An einem besonders im Fokus stehenden Weg sei nur der natürliche Bewuchs gekürzt worden, heißt es.

Gleichzeitig gibt die Stadt ein Versprechen ab: Künftig werden auch diese besagte Flächen nur noch in Absprache bearbeitet, um das Gemeinschaftsprojekt Grüngitter zu unterstützen. Außerdem gibt es den Vorschlag, auf Böschungen mit ausreichender Breite wieder Hecken wachsen zu lassen.

Erwin Gerlach hat inzwischen seinen Ärger überwunden. Seine Idee: Die Stadt könne als Wiedergutmachung ja zusätzlich noch Blumensamen bereit stellen, um das Projekt schneller voran zu bringen. Wolfgang Dünnebier

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