Hammelburg
Einweihung

Musiker schlafen in Klosterzellen

Beim Festakt zum Abschluss der Sanierung des ehemaligen Klostergebäudes herrschte Freude. Die größte Tuba der Welt erklang dazu.Die Musikakademie greift bei der Gestaltung die Tradition der Franziskaner auf.
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An der Musikakademie gelangen Dozenten und Kursteilnehmer zum Übernachten durch schmale Türen in die ehemaligen Klosterzellen. Foto: Wolfgang Dünnebier
An der Musikakademie gelangen Dozenten und Kursteilnehmer zum Übernachten durch schmale Türen in die ehemaligen Klosterzellen. Foto: Wolfgang Dünnebier
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Sperrige Instrumente nehmen Kursteilnehmer an der Bayerischen Musikakademie am besten nicht mit aufs Zimmer. Um sich damit durch die massiven Türrahmen der ehemaligen Klosterzellen zu quetschen, müsste manch einer schon ganz schön den Bauch einziehen. Hinter den original erhaltenen Türen erwartet die Übernachtungsgäste auch nach der Sanierung des Hauses stilvolle Schlichtheit. Mit beeindruckendem Purismus haben die Architekten Christian und Peter Brückner das ehemalige Franziskanerkloster Altstadt im Rahmen der Erweiterung der Musikakademie Hammelburg umgestaltet.

Bei der Einweihung des Hauses freuten sich die Redner über die Schnelligkeit des 13,6 Millionen Euro teuren Projektes. Dies sei bei einem Vorhaben dieser Größe samt Bereitstellung der Mittel keine Selbstverständlichkeit, sagte Landrat Thomas Bold als Vorsitzender des Trägervereins.

Ausdrücklich dankte er Peter Winter, dem ehemaligen Vorsitzenden des Haushaltsausschusses im Bayerischen Landtag, der sich für die Förderung des Projekts stark gemacht hatte. Ihn ernannte Bold zum Ehrenmitglied des Trägervereins. Ein Schriftzug im großzügig mit Glas überdachten Speisesaal des ehemaligen Klosterhofes mit der Aufschrift "Peters Wintergarten" soll künftig an die Unterstützung bei der Verwirklichung des ehrgeizigen Vorhabens erinnern. Bernd Sibler, Staatsminister für Kunst und Wissenschaft, bezeichnet die Investition als Teil des Bestrebens, gleiche Lebensbedingungen zwischen Stadt und Land zu ermöglichen. Nur durch besondere Maßnahmen lasse sich der Bevölkerungsrückgang stoppen. Ausdrücklich lobte Sibler das Kloster-Ambiente: "Hier findet man die Ruhe, um sich auf die Muse einzulassen." Die Sanierung schlage mehrere Fliegen mit einer Klappe, weil sie auch einen Bogen von der Musik, zur Kultur, Kunst und Religion schlage.

Thomas Goppel als Vorsitzender des Bayerischen Musikrates ging auf die Bedeutung der Akademie für die Musikszene ein. In Bayern gebe es 600 000 aktive Musiker, denen allen ein Dank für ihr Engagement gelte.

"Kirche und Musik gehören zusammen", sagte Peter Winter. Der ehemalige Vorsitzende des Haushaltsausschusses freute sich, dass auf diese Weise die Tradition der Franziskaner am Ort fortgeführt werde. Architekt Christian Brückner hob die Zusammenarbeit im Bauausschuss mit Landrat, Bernadette Rosberg, Kreisbaumeister a.D. Günther Stammwitz und Bürgermeister Armin Warmuth hervor. Es sei wunderbar gelungen, den Geist des Hauses zu erhalten. Nun stehe das Klostergebäude endlich im Mittelpunkt der Akademie.

Segen der Kirche

Franziskanerpater Georg Anslinger bat mit dem evangelischen Oberkirchenrat im Ruhestand Gotthart Preiser um Gottes Segen für die Einrichtung. Musik sei Nahrung für die Seele. Das Gedenken an die Franziskaner lebe erfreulich weiter.

"Ohne Landrat Thomas Bold wäre die Erweiterung nicht zustande gekommen", ging Bürgermeister Armin Warmuth auf die Vernetzungen nach München ein. Mit den Weichenstellungen für das Projekt habe er 2014 noch frisch im Amt des Bürgermeisters gelernt, wie große Politik funktioniert. Hervorzuheben sei die Weitsicht der Gründerväter, die das Vorhaben entgegen mancher Widerstände durchsetzen. Dabei seien sie durchaus unbürokratisch vorgegangen. Aufhorchen ließ das Musikprogramm. Am Abend spielte Jörg Wachsmuth auf der größten Tuba der Welt mit dem Symphonischen Blasorchester Volkach im Serenadenhof. Das 50-Kilo-Instrument wurde extra aus dem Museum im Vogtland herbeigeschafft. Wachsmuth ist mit der Geschwindigkeit, mit der er den Hummelflug spielt, im Guinness-Buch der Rekorde eingetragen. Wolfgang Dünnebier

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