Steinfeld bei Lohr am Main
Quereinsteigerin

Münnerstädterin vom Büro in den Wald

Eine Auszubildende im Steinfelder Gemeindewald? Das stieß anfangs auf Skepsis. Doch die gelernte Bürokauffrau Mona Bildhauer hat sich bewährt und ist begeistert.
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Auszubildende Mona Bildhauer sägt mit einer Kettensäge eine Fichte im Wald um.  Foto: Martin Volkmann-Gebhardt
Auszubildende Mona Bildhauer sägt mit einer Kettensäge eine Fichte im Wald um. Foto: Martin Volkmann-Gebhardt

Vor 15 Monaten erreichte den Steinfelder Gemeindeförster Martin Volkmann-Gebhardt per E-Mail eine Anfrage aus Südafrika. Eine junge Frau wollte wissen, ob sie in Steinfeld Forstwirtin lernen könne. Seine Waldarbeiter waren wenig angetan von der Idee. "Eine Frau kann die schweren Arbeiten nicht", habe er zu hören bekommen. Für den Förster aber war klar: "Die will ich haben." Inzwischen ist es keine Frage mehr, ob sie den Job kann. Wie sie sich anstellt? "Super!", findet der Chef.

Die junge Frau ist Mona Bildhauer aus Münnerstadt. Am Händedruck der rotblonden 30-Jährigen kann sich so manch ein Mann ein Beispiel nehmen. Die gelernte Bürokauffrau bereut ihre Entscheidung, etwas ganz anderes zu machen, nicht. Man ist in der Natur, der Beruf vielfältig. Im Winter hat man andere Aufgaben als im Sommer. Was ihr besonders gefällt: "Man sieht, was man geschafft hat." Klar sei es oft auch anstrengend. "Einen Keil in einen Baum zu treiben ist knüppelharte Arbeit." Fast den ganzen Tag die Motorsäge in der Hand zu halten auch. Aber man schlafe gut.

Das mit den Kollegen habe sich bald gegeben. "Sie haben sich an mich gewöhnt", sagt die fröhliche Auszubildende. "Du musst halt einfach Willen zeigen." Eine Frau müsse auch nicht jede schwere Arbeit machen, findet ihr Chef. "Man arbeitet ja sowieso meistens im Team." Polnische Arbeiter, die von Borkenkäfern befallenes Holz verbrannten, hätten neulich aber große Augen gemacht, als Mona Bildhauer mit dem Traktor angefahren kam und erst einmal ein paar Stämme zersägte.

Bürokauffrau gelernt

Bildhauer besuchte die Wirtschaftsschule und lernte bei einer Münnerstädter Transportfirma Bürokauffrau. Nach der Ausbildung arbeitete sie ein paar Jahre in der Firma. 2012, sie hatte gerade die Prüfung zur Wirtschaftsfachwirtin hinter sich, bewarb sie sich für ein einjähriges Freiwilligenprojekt in Südafrika, wo sie sich um einen etwa einen halben Hektar großen Kräutergarten des gemeinnützigen Projekts "Hlokomela", ein Vorzeigeprojekt bei der Betreuung HIV-Kranker, kümmerte. Sie hängte ein weiteres Jahr dran, kam 2015 wieder nach Deutschland zurück und fing wieder in ihrer alten Firma an.

Doch es zog sie wieder zurück nach Südafrika. Sie heuerte bei einer Firma an, bei der sie für deutsche Berater auf Deutsch Power-Point-Präsentationen erstellte. Sie spricht von "extremem Zeitdruck" und vielen Überstunden und dass zu wenige Leute Verantwortung haben übernehmen wollen. Sie wollte wieder zurück nach Deutschland. Doch was sollte sie tun? Es sollte etwas komplett Neues sein. Im Internet informierte sie sich ausführlich zum Berufsbild Forstwirt und "knallte" dann jede Menge Bewerbungen "raus", wie sie sagt.

Sie habe auch tatsächlich mehrere Zusagen erhalten. Für Steinfeld entschied sie sich, weil sie mit Förster Martin Volkmann-Gebhardt sofort auf einer Wellenlänge gewesen sei und weil die Entfernung zu ihren Eltern nicht allzu groß ist. Steinfelds Bürgermeister habe auch gleich gesagt: "Die nehmen wir", erzählt der Förster. Um zu schauen, ob der Beruf auch wirklich etwas für sie ist, begann Bildhauer gleich am Montag nach ihrer Landung in Deutschland im Juli vorigen Jahres ein Praktikum in Steinfeld. Es war tatsächlich das, was sie sich vorstellte. Also begann sie vor einem Jahr ihre auf zwei Jahre verkürzte Ausbildung.

Einfach mal nicht erreichbar

"Fakt ist, dass sie mit dem Wissen, was sie mitbringt, hier eigentlich nix anfangen kann", sagt Volkmann-Gebhardt. Das sei genau der Reiz an der Sache gewesen, sagt die 30-Jährige. Wenn sie nicht jetzt etwas ganz Neues anfangen würde, dann womöglich nie mehr, sagte sie sich. All das Neue, was sie jetzt lernt, die ganzen Werkzeuge und Maschinen, mit denen sie vorher nie zu tun hatte, das reizte sie. Ihr Handy nimmt sie nie mit in den Wald. Einfach mal nicht erreichbar zu sein, "das ist eigentlich Luxus für mich", sagt sie.

Bisher habe sie, obwohl sie ganze Tage im Wald verbringt, nur vier Zeckenbisse gehabt Verletzt habe sie sich - abgesehen von Kleinigkeiten - auch noch nicht. Und Erkältungen habe sie sich nicht im winterlichen Einsatz im Wald, sondern vielmehr in der Berufsschule in Neunburg vorm Wald geholt. Im Winter gefalle ihr das Arbeiten ohnehin besser als im Sommer. Die 30-Jährige hat ihre neu erworbenen Fähigkeiten inzwischen auch schon daheim anwenden können. Ihre Eltern haben einen Garten gekauft - und sie war gefragt, als Obstbäume umgesägt werden mussten. Ein Klacks für die angehende Forstwirtin. Aber ihre Vergangenheit als Präsentationserstellerin holt sie auch in Steinfeld wieder ein. Über den Gemeindewald muss sie für ihren Chef demnächst eine Power-Point-Präsentation machen.Björn Kohlhepp

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