Münnerstadt
Historie

Mit Türmerhorn Gefahr in Münnerstadt anzeigen

Gabriele Reichherzer brachte zur Sendung Kunst & Krempel ein altes Münnerstädter Signalinstrument mit: für die Stadtgeschichte eine Kostbarkeit.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Münnerstädterin Gabriele Reichherzer und ihre Tochter zeigen den Experten bei der Sendung Kunst & Krempel ein Blasinstrument vor und wollen wissen, worum es sich handelt und was es wert ist.  Screenshot: Isolde Krapf
Die Münnerstädterin Gabriele Reichherzer und ihre Tochter zeigen den Experten bei der Sendung Kunst & Krempel ein Blasinstrument vor und wollen wissen, worum es sich handelt und was es wert ist. Screenshot: Isolde Krapf
+1 Bild

"Was haben Sie uns da für einen Zauberhut mitgebracht?", fragt einer der beiden Experten bei der Sendung Kunst & Krempel, die am 25. August im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Gabriele Reichherzer (Würzburg) und ihre Tochter stehen in den altehrwürdigen Räumen von Kloster Brombach an einem kleinen Tischchen und zeigen, was sie dabei haben.

Es ist so etwas wie ein Instrument. Aber was hat man früher damit gemacht? Musik oder lediglich Signale? Für Reichherzer ist das offenbar eine wichtige Frage. Was sie zur Antwort bekommt, ist eine Überraschung: Denn bei ihrem Mitbringsel handelt sich um ein Türmerhorn.

Heutzutage gelten zum Beispiel Pauken, Trompeten und Trommeln als Musikinstrumente, erklärt der Sachverständige für antike Gegenstände anschließend in der Sendung. Früher fielen sie jedoch unter das "Signalwesen". Als er dann von Reichherzer hört, dass das Instrument aus Münnerstadt stammt, einer Stadt also, die noch eine mittelalterliche Stadtmauer, Tortürme und eine Türmerstube hat, ist für ihn das Rätsel des Instruments gelöst.

Wenn der Feind in Sicht war

;

Der Türmer musste damals mit diesem Horn anzeigen, wenn es irgendwo im Ort brannte oder wenn draußen Feinde in Sicht waren. Interessant dabei: Er musste mit dem Horn dann auch in die Richtung zeigen, woher die Gefahr kam, so der Experte weiter. "Das Türmerhorn zu sehen war für die Bürger also genauso wichtig wie es zu hören."

Das Mundstück des Horns sei leider stark beschädigt, so der Sachverständige weiter. Einen "philharmonischen Zauberton" werde man also aus dem alten Instrument nicht mehr herausbekommen. Und wenn überhaupt noch etwas zu hören wäre, sei es dann eher ein sehr lautes Geräusch, denn schließlich mussten anno dazumal ja die Bürger nachts damit aus dem Schlaf geweckt werden, damit sie gleich aufschrecken, wenn's brennt.

Von Sirenen ersetzt

Aus der Mode seien Signalhörner dieser Art im Lauf des 19. Jahrhunderts gekommen, als Sirenen eingeführt und die Feuerwehren gegründet wurden und es die ersten Brandversicherungen gab. Der monetäre Wert des alten Instruments sei niedrig, war zu hören. "Für die Stadtgeschichte von Münnerstadt ist das Türmerhorn aber eine Kostbarkeit." Reichherzer will sich nun mit dem Heimatmuseum der Stadt in Verbindung setzen.

Eigentlich hatte sich Reichherzer, die lange in Münnerstadt wohnte, bereits 2017 wegen einer außergewöhnlichen Geige, die von einem speziellen Geigenbauer in Ellwangen stammt, beim Bayerischen Rundfunk für die Sendung Kunst & Krempel angemeldet, erzählt sie auf telefonische Anfrage.

Geige und Türmerhorn dabei

;

Als sie am 2. Juli 2017, zusammen mit ihrer Tochter, zur Aufzeichnung nach Schloss Brombach fuhr, hatte sie auch das Türmerhorn eingepackt, erzählt die Wahl-Würzburgerin. Die Einschätzung und Bewertung der Geige wurden aufgezeichnet. "Beim Auspacken des Instruments hatten die Fachleute auch das Türmerhorn in der Tasche gesehen und fragten, ob wir das auch bewerten lassen wollen."

Nach Recherchen des Stadtarchivars Klaus-Dieter Guhling ist in Münnerstadt Annalen aber erstmals in den Jahren 1662 und 1663 schriftlich von den "Thürmern" die Rede. Im Jahr 1666 wird Valtin Büttner als "Thürmer des Oberthores" benannt.

Die Generationen, die noch von den Türmern in Münnerstadt zu berichten wussten, sind längst tot. Denn der letzte aus diesem Stande soll lediglich bis 1890 noch seinen Dienst im Oberen Tor verrichtet haben. Wenngleich der frühere Heimatspielleiter Bruno Eckert den letzten Türmer freilich nicht mehr selbst erlebt hat, so erinnert sich der 71-Jährige aber noch an lustige Geschichten, die man sich früher über jenen Mann erzählte, der hoch oben über der Stadt wachte.

Damals bekam der Türmer nämlich vom Direktor des Gymnasiums den Auftrag, sofort Laut zu geben, wenn größere Schülergruppen untertags oder auch abends die Stadt verließen, weiß Eckert.

Denn das bedeutete unter Umständen, dass die jungen Burschen in den Nachbarort laufen würden, um dort die Mädchen zu poussieren, wie man das früher nannte. Und das hatten die Lehrer nicht so gerne.

Türmervereinsvorsitzender Wolfram Graeber recherchierte, dass der Urgroßvater der Künstlerin Mia Hochrein der letzte Türmer in Münnerstadt war. Hochrein bestätigt das. Eine Anekdote ist überliefert: Ihr Urgroßvater sei Musiklehrer gewesen und habe Schüler auf dem Turm unterrichtet. Wer zu ihm hoch kam, habe immer etwas Reisig zum Schüren mitbringen müssen. Isolde Krapf



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren