Hammelburg
FUSSBALL

Maxi Schaub ist der Allrounder im Saaletal

Der Mann vom FC Westheim stellt sich in den Dienst des Teams. Im Interview sagt er, warum es mit dem Aufstieg klappte, wie die Saison anlief und wie er Fußball allgemein sieht.
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Er steht für den FC Westheim wie kaum ein anderer. Maxi Schaub ist auf und neben dem Platz seit Jahren Führungsfigur beim Kreisliga-Aufsteiger. Der in Langendorf wohnende und in Bad Windsheim arbeitende Sonderschullehrer erzählt im Interview, warum es vergangene Saison mit dem Aufstieg klappte, wie die Saison anlief und wie er den Fußball im Allgemeinen wahrnimmt. Darüber hinaus erfährt man vom 29-Jährigen, dass das Feiern stressig sein kann und warum Duelle mit Diebachs Florian Ullrich wenig mit "Kuschelkurs" zu tun haben, aber trotzdem Spaß machen.

Nachdem Ihr in der Saison 2016/17 in der Relegation am TSV Nordheim/Rhön gescheitert seid, habt Ihr es jetzt besser gemacht und nach einem souveränen Sieg über den FC Eibstadt den Aufstieg in die Kreisliga geschafft. Was lief besser und warum hat es eigentlich zweimal knapp nicht für den Meistertitel gereicht? Maximilian Schaub: Für den ersten Platz hat es beide Male nicht gereicht, weil wir zu viele Punkte verdummt haben. Dann hast du es halt auch nicht verdient. Dieses Jahr war eine größere Gier zu spüren, dieses letzte Match unbedingt zu gewinnen und mit meinem Jahrgang um Dani und Tobi Wendel, Flo Stein oder Matze Nöth nochmal aufzusteigen. Gegen Nordheim im Jahr zuvor sah es personell leider auch nicht wirklich rosig aus, da wäre deutlich mehr drin gewesen. Gegen Eibstadt standen einige Leute auf dem Platz, wie ein David Böhm oder ein Yanik Pragmann, die du halt in solchen Spielen für die gewisse "Würze" gut gebrauchen kannst.

Plaudere doch mal aus dem Nähkästchen...Wie wurde gefeiert? Malle stand ja auch auf dem Programm... Gefeiert wurde natürlich ausgiebig. Ich stand vor der schweren Aufgabe, mich schon am nächsten Morgen mit meinen Kollegen Sebastian Heinlein und Philipp Pfeuffer auf die Reise zum Ballermann zu machen. Zwei Tage später flog die Westheimer Delegation nach und ich bekam beim Treffen in der Schinkenstraße mein Aufstiegsshirt von Yanik Pragmann überreicht, der mitsamt Westheim-Fahne in den "Bierkönig" eingerückt ist und sogar einen Auftritt im Insel-Radio hatte. Schöne Momente im Leben eines Amateurkickers. Ihr scheint Euch in der Kreisliga pudelwohl zu fühlen. Nach der knappen 1:2-Auftaktniederlage in Herbstadt habt Ihr dreimal in Folge gewonnen. Warum läuft es derzeit so gut? Schon in Herbstadt hätten wir einen, wenn nicht sogar drei Punkte verdient gehabt. Aber da haben wir gleich mal gemerkt, wie es eine Etage höher laufen kann. Allgemein kann man sagen, dass wir den richtigen Mix zwischen Mitnahme der Aufstiegseuphorie und Demut vor weitaus stärkeren Gegnern als letztes Jahr bisher immer ganz gut getroffen haben. Beides ist wichtig, um in der Liga zu bestehen. Überheblichkeit auf der einen oder Angst auf der anderen Seite wären auch falsche Ratgeber. Neben dieser Einstellungssache spielt uns natürlich unser sowohl verbreiterter als auch verbesserter Kader in die Karten, was sich auch im Konkurrenzkampf widerspiegelt. Über die Qualität eines Malte Försters brauche ich an dieser Stelle nicht sprechen und auch die Verpflichtung von Co-Spielertrainer Patrick "Pd" Stöth war natürlich ein Glücksfall. Zudem haben wir aktuell keine Verletzungen, was hoffentlich auch so bleiben wird.

Wie schätzt Du die Kreisliga im Vergleich zur Kreisklasse ein? Da fallen natürlich viele kleine Dinge auf, die immer deutlicher werden, je höher man geht. Die Mannschaften bisher waren alle ausgeglichen besetzt, da gibt es weniger Schwachstellen als in der Kreisklasse. Körperlich geht es anders zur Sache, man muss schon den einen oder anderen Schritt mehr machen. Bei der Ballannahme hat man weniger Zeit, bis einem einer auf die Socken haut. Die Schiedsrichter wachsen mit dem Niveau der Liga und auffallend ist zudem, dass fast jede Truppe einen Spieler hat, der mal Bayernliga gespielt hat. Die bestrafen individuelle Fehler dementsprechend schneller, was wir schon zu spüren bekamen.

Welche Ziele habt ihr Euch in dieser Saison gesetzt? Der Klassenerhalt ist das A und O. Alles andere wäre trotz des guten Kaders und des guten Starts vermessen. Ich als Abteilungsleiter und David Böhm als Trainer werden nicht müde, dies zu betonen, egal in welche Rolle uns viele Leute im Landkreis reden wollen. Stehen wir am Ende über dem Strich, war es eine gute Saison. Man darf nicht vergessen, wo man herkommt.

Freitag kommt Bezirksligaabsteiger Rannunger und Sonntag geht es nach Burgwallbach. Wie schaut Euer Matchplan aus gegen diese jeweils verlustpunktfreien Gegner? Mein Freund Victor Kleinhenz (Spielertrainer FC Thulba; Anm. d. Red.) hat schon vor Rundenstart betont, dass Burgwallbach dieses Jahr neben Bardorf, Rannungen und Strahlungen zu den absoluten Favoriten gehört. Die ersten Spiele bestätigen das eindrucksvoll. Auf diese Herausforderung freuen sich alle, es ist doch schön, mal gegen solche Kaliber zu spielen. Beide Teams gehen natürlich als große Favoriten aufs Feld. Bisher haben wir uns ein schönes Punktepolster angefressen, das lässt uns ohne jeglichen Druck an die Sache rangehen. Und wenn es dann so ausgeht wie gegen Strahlungen, hätte sicher auch keiner von uns was dagegen. Für Matchpläne sind die Trainer zuständig. Mir ist nur wichtig, dass am Ende auch was dabei rauskommt.

Du hast als Spieler schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Wie hat sich der Fußball im Laufe der Jahre verändert? Schwierig. Ich könnte jetzt auch wie so viele davon anfangen, dass früher alles besser war und dies und jenes besser geklappt hat. Allerdings hat mich dieses Gerede selbst genervt, als ich noch zu den Jungen gehört habe. Früher gab es halt wenig nebenher. Ich finde es eher wichtig, die jungen Spieler, die voll mitziehen, herauszuheben, als über die zu sprechen, die es zum fünften Mal im Jahr wegen des Geburtstages der Nachbarin nicht zur Sitzung schaffen. Wenn ich sehe, wie bei uns ein Fabian Martin oder ein Yanik Pragmann schon Verantwortung und Aufgaben übernehmen, dann ist das aller Ehren wert.

Welcher Trainer hat Dich am meisten geprägt und mit welchem Spieler hast Du am liebsten zusammen gekickt? Wer war/ist Dein unangenehmster Gegenspieler? Michael "Seppl" Hüfner aus Untererthal war mein erster Trainer im Herrenbereich und hat mich in den ganzen Zirkus eingeführt. Ein richtig geiler Typ, der mir jetzt sogar zehn Jahre später noch vor dem ersten Rundenspiel geschrieben und uns viel Glück gewünscht hat. Spielen würde ich gern mal wieder mit Philipp Vierheilig und Christoph Kohlhepp, die sind aber beide aktuell leider dauerinvalide. Auch in der Kabine waren die zwei schon immer sehr wichtig. Der eine zum Dazwischenhauen, der andere für die Bespaßung. Als unangenehmsten Gegenspieler würde ich den Florian "Ulle" Ullrich vom SC Diebach nominieren. Obwohl wir ja beide für unser extrem entspanntes Gemüt auf dem Platz bekannt sind. Das waren schon schöne und teilweise hitzige Duelle, die man sich da Saison für Saison geliefert hat. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch im Sportheim.

Wenn Du am Wochenende Zeit hast, für welches Spiel für welche Mannschaft würdest Du Dich interessieren? Warum? Fuscht oder Thulba. In Fuscht kenne ich fast alle, hier spielen auch sehr viele meiner FSV-Kollegen, mit denen ich mich zwei Mal im Jahr zu einem Freizeitkick mit anschließender Geselligkeit treffe. Bin gespannt, ob der FCF am Samstag zurück in die Erfolgsspur kommt. Ansonsten schaue ich auch gern in Thulba zu. Der Kleinhenz weiß ganz genau, was er macht und lässt zudem einen schönen Fußball spielen.

Blicken wir mal auf den Profi-Fußball. Wie schätzt Du die Chancen der deutschen Teams in Champions- und Euroleague ein? Puh. Bayern kommt weiter und ist mit ein bisschen Losglück und ohne Verletzungspech im Frühjahr immer ein Kandidat für das Halbfinale. Dortmund müsste die Gruppe normalerweise packen, da muss man aber erstmal sehen, ob es dieses Jahr wieder besser läuft. Schalke hat keine schwere Gruppe, ist aber halt Schalke. Hoffenheim und gerade Nagelsmann würde ich es sehr gönnen, glaube aber nicht wirklich dran. In der Euro-League muss Leverkusen weiterkommen, sonst können sie den Laden langsam dicht machen. Leipzig wird das mit Salzburg schon irgendwie drehen und Frankfurt wird trotz geiler Auswärtsreisen für die Fans nach Marseille und Rom ausscheiden. Außer den Bayern traue ich keinem wirklich zu, mal übers Viertelfinale hinauszukommen.

Was hat es mit dem Ort auf sich, den Du fürs Foto vorgeschlagen hast? Ich hab die Westheimer Klaus-Ditzhaus-Kampfbahn gewählt, weil das hier schon eh und je mein Platz ist und ich seit über 20 Jahren hier mehrmals die Woche bin. Da stecken einfach viele Erinnerungen und Erlebnisse drin, die man mit seinen Mitspielern geteilt hat. Das Gespräch führte Stephan Penquitt

Position "Ich habe schon nach den ersten drei Liga-Spielen in dieser Saison alle Positionen jenseits der Viererkette spielen dürfen. Ich sehe das nicht so verbissen und helfe den Trainern, wo sie mich gerade brauchen. Für die nächsten Jahre ist das Ziel ganz klar die Innenverteidigung, da durfte ich letztes Jahr in der Reserve schon mal reinschnuppern. Langfristig ist das genau meine Position."

Stationen "Im Herbst 1995 hat alles in Westheim angefangen und hier wird es auch enden. Bis auf Spielgemeinschaften im Juniorenbereich in Langendorf unter meinem Onkel Andreas Schaub oder in Hammelburg unter Matthias Lell habe ich meine Heimspiele also schon immer in Westheim ausgetragen und bin da schon als sechsjähriger Knirps mit dem Fahrrad rübergedüst. Und das ohne Licht, wie meine Oma mir heute noch vorhält."

Sportliche Erfolge "In der F-Jugend wurde ich mal Torschützenkönig bei einem Hallenturnier in Oerlenbach, den Pokal gibt es sogar heute noch. Trotzdem würde ich die beiden Kreisliga-Aufstiege mit dem FC natürlich darüber ansiedeln. 2011 im Entscheidungsspiel gegen Hammelburg, dieses Jahr in der Relegation gegen Eibstadt. War wohl nicht alles schlecht, was wir die Jahre hier so gemacht haben."

Schönste Karriere-Momente "Das ist relativ leicht erzählt. 2011 gegen Hammelburg am Fuschter Kohlenberg vor 2000 Zuschauen den letzten Elfmeter zu verwandeln und danach durchzudrehen: Drin. Abpfiff, Aufstieg. Mehr geht einfach nicht. Ich krieg heute noch Gänsehaut, wenn ich dran denke, wie ich da mit Anfang 20 zum Elfmeterpunkt gewackelt bin und die Hosen voll hatte." Tippspiel Wie Maximilian Schaub unsere fünf Spieltags-Begegnungen tippt, sehen Sie in unserem Video auf der Facebook-Seite der Saale-Zeitung. Wer hält dagegen? Zu gewinnen gibt es bekanntlich ein exklusives Tippsieger-T-Shirt der Saale-Zeitung.



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