Bad Kissingen
Wirtschaft regional

Mainfranken: Unternehmen suchen nach Gewerbeflächen

Das Gewerbeflächenangebot in Mainfranken ist unzureichend, sagt eine Gewerbeflächenanalyse der IHK Würzburg-Schweinfurt.
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Aus den Ergebnissen der Gewerbeflächenanalyse der IHK Würzburg-Schweinfurt wurden zwölf Handlungsempfehlungen abgeleitet, die zur Verbesserung des Gewerbeflächenangebots in Mainfranken beitragen können.Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Aus den Ergebnissen der Gewerbeflächenanalyse der IHK Würzburg-Schweinfurt wurden zwölf Handlungsempfehlungen abgeleitet, die zur Verbesserung des Gewerbeflächenangebots in Mainfranken beitragen können.Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Ausreichend geeignete Flächen für Gewerbe vorzuhalten, zeichnet laut einer Pressemitteilung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt wirtschaftlich starke Regionen aus. Diese Flächen sind wichtig für Unternehmensgründer, den Zuzug von neuen Firmen oder für die Expansion bestehender Unternehmen.

Die neue Gewerbeflächenanalyse der IHK Würzburg-Schweinfurt warnt nun aber, dass das Gewerbeflächenangebot in Mainfranken unzureichend sei. Die Untersuchung der Wirtschaftskammer basiert auf einer Befragung von mehr als 2300 Betrieben und der Kommunen in Mainfranken.

"Zwei von drei Gemeinden in Mainfranken haben keine ausgewiesenen Gewerbeflächenreserven mehr für Unternehmensexpansionen und -ansiedlungen frei. Und in 41 Prozent der Kommunen liegt die Nachfrage nach Gewerbeflächen über dem Angebot", berichtet Dr. Christian Seynstahl, Referent für Regionalentwicklung der IHK Würzburg-Schweinfurt. Auch bei den derzeit ungenutzten Gewerbeflächen deckt die Studie Hürden auf, die einer kurzfristigen Verwertung entgegenstehen.
Rund 60 Prozent der Gemeinden geben an, dass ihre frei verfügbaren Gewerbeflächen nicht vollständig oder gar nicht erschlossen sind. Erschwerend hinzu komme, dass sich beinahe die Hälfte der ungenutzten Gewerbeflächen in Privatbesitz befindet. "Dies forciert den Druck auf dem Gewerbeflächenmarkt", so Dr. Seynstahl, denn häufig seien die Eigentümer nicht bereit, diese Flächen zu verkaufen.

Im Vergleich der mainfränkischen Landkreise und kreisfreien Städte zeichnen sich deutliche Unterschiede in Angebot und Nachfrage der Flächen ab. Von Engpässen berichten sowohl Unternehmen, als auch Kommunen.

26,8 Prozent der Unternehmen geben an, dass Expansionshürden die Entwicklung am Standort beeinträchtigen. Besonders häufig fehlen angrenzende Flächen, doch auch die mangelnde Verkaufsbereitschaft von Nachbarn wird als Hauptgrund angeführt. Überdurchschnittlich häufig bestehen laut IHK Hürden der Standorterweiterungen in Gemeinden der Landkreise Haßberge und Würzburg, der Stadt Würzburg sowie den Landkreisen Schweinfurt, Kitzingen und Bad Kissingen. Gemeindeverwaltungen sollten, so die IHK weiter, proaktiv auf Unternehmen zugehen, Expansionsabsichten ermitteln und über Instrumente der kommunalen Planung (insbesondere Bauleitplanung) unterstützend einwirken.

Die höchsten Flächenpotenziale befinden sich nach Angaben der beteiligten Kommunen in der IHK-Studie im Landkreis Rhön-Grabfeld: insgesamt 101 Hektar an Gewerbeflächen sind hier verfügbar. Ähnlich hoch ist der ungenutzte Gewerbeflächenbestand im Landkreis Würzburg (96 Hektar). Eher im Mittelfeld befinden sich der Landkreis Kitzingen (54 Hektar), die Stadt Würzburg (43 Hektar) und der Landkreis Bad Kissingen (36 Hektar). Aus der Stadt Schweinfurt liegt kein Rücklauf vor.

Während der Anteil an ungenutzten Gewerbeflächen in kommunalem Besitz in den Landkreisen Kitzingen (80,3 Prozent), Haßberge (74,1 Prozent) und Bad Kissingen (73,3 Prozent) sehr hoch ausfällt, ist die Eigentümerstruktur vor allem in den Landkreisen Würzburg und Main-Spessart sowie der Stadt Würzburg problematisch zu werten, denn die Mehrheit der noch ungenutzten Gewerbeflächen befindet sich hier in Privatbesitz.

Auch zeigen die Ergebnisse der Unternehmensbefragungen, dass noch Raum für die Verbesserung kommunaler Serviceleistungen für Unternehmen besteht, sagt die IHK-Untersuchung - wobei es geringfügige regionale Unterschiede gibt: Während in den Oberzentren Würzburg und Schweinfurt (je Note 3,5) sowie in den Landkreisen Main-Spessart (3,5) und Schweinfurt (3,4) die Gesamtbewertungen etwas schlechter ausfallen, erreichen die Landkreise Haßberge und Bad Kissingen (je 3,0), Würzburg (3,1) und Rhön-Grabfeld (3,2) Noten, die besser als der Durchschnitt sind.

Bei den Kaufpreisen für kommunale Gewerbeflächen zeigt sich mainfrankenweit ein relativ
ausgeglichenes Bild, wobei die Kosten pro Quadratmeter in allen Gemeinden, die an der Befragung teilgenommen haben, im Durchschnitt maximal bei 100 Euro liegen. Günstiger sind Gewerbeflächen in den Landkreisen Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld und Main-Spessart. Jeweils über 50 Prozent der Kommunen bieten ihren verkäuflichen Gewerbebestand hier für höchstens 30 Euro pro Quadratmeter an. Hochpreisiger sind vor allem die Gewerbeflächen in und um Würzburg.

Aus den Ergebnissen der Studie wurden zwölf Handlungsempfehlungen abgeleitet, die zur Verbesserung des Gewerbeflächenangebots in Mainfranken beitragen können. Zusammenfassend sagt Dr. Seynstahl: "Vor allem in der Kommunikation zeigt sich erheblicher Nachholbedarf." In der Bedarfs- und Angebotsplanung würden Unternehmen zu wenig in Planungsprozesse eingebunden, genauso wie Privateigentümer potenzieller Flächen. "Zudem wird das Potenzial interkommunaler Gewerbegebiete nur schwach genutzt." Ein zweiter wesentlicher Auftrag sei eine bessere Vermarktung verkäuflicher Gewerbeflächen. Denn jede dritte Gemeinde bewirbt ihre verfügbaren Flächen derzeit gar nicht. Die IHKs bieten mit dem Standortportal Bayern hierzu ein Instrument, um Gewerbeflächen zu vermarkten, dass Kommunen nutzen können.

Die Publikation "Gewerbeflächenanalyse Mainfranken" ist in der IHK-Schriftenreihe erschienen und steht zum Download zur Verfügung unter: www.wuerzburg.ihk.de/gewerbeflächen.
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