Gräfendorf
Fernsehen

"Lindenstraße" muss bleiben

Marco Weber aus Gräfendorf hat in der TV-Kultserie mitgespielt. Wie viele andere Fans der Serie fuhr er zu einer Demo nach Köln.
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Marco Weber (vorne links) mit Fans und Schauspielern bei der Demo in Köln. Foto: Marco Weber
Marco Weber (vorne links) mit Fans und Schauspielern bei der Demo in Köln. Foto: Marco Weber

Marco Weber versteht die Welt nicht mehr. Seine geliebte Fernsehserie "Lindenstraße" wird im Jahr 2020 aus dem Programm genommen. Das darf nicht sein, meint der Fan aus Gräfendorf und reiste nun nach Köln zur Demonstration am Roncalliplatz, gleich neben der Zentrale des WDR, der für die Absetzung des Programms verantwortlich ist. Weber hat eine besondere Beziehung zur Kultserie, hat er doch selbst schon als Komparse mitgespielt.

Er durfte drei Worte sagen

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Es war für alle Fans der "Lindenstraße" eine Hiobsbotschaft: Die Serie wird nach mehr als 33 Jahren eingestellt. Die Fernsehprogrammkonferenz der ARD hat sich mehrheitlich gegen eine Verlängerung des Produktionsvertrages mit der Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion ausgesprochen. Die letzte Folge der Serie soll im März 2020 in der ARD ausgestrahlt werden. Marco Weber ist seit der ersten Folge im Dezember 1985 ein großer Fan der "Lindenstraße" und durfte 2003 selbst einmal in Köln als Komparse mitspielen. "Ich durfte dort zwar nur drei Worte sagen, aber das war schon herausragend, denn die meisten Komparsen erhalten gar keinen Text und sind nur Beiwerk", sagt der 49-Jährige stolz über seinen Beitrag zur Serie, die als erste deutsche Seifenoper gilt. "Die Demonstration ist kein Spaß, das ist eine ernsthafte Kampagne für den Fortbestand der Serie", bekräftigt er seinen Einsatz. "Ich bin mit der Serie aufgewachsen und sie ist ein Teil meines Lebens. Der Termin am Sonntag um 18.50 Uhr gehört allein mir, das ist meine Fernsehzeit," schildert Weber.

Auf dem Roncalliplatz kamen etwa 500 Fans zusammen, viele, waren - so wie Weber - weit angereist. Die Demonstranten hielten Reden, tanzten oder lasen Gedichte vor. Auf einer Großleinwand wurden Bilder und Grußworte von Fans gezeigt, die nicht kommen konnten, sich aber solidarisch mit den Demonstranten zeigten. Viele der Teilnehmer schwenkten Schilder mit Aufschriften wie "Ein Sonntag ohne Lindenstraße? Nein!", "Kult kennt keine Quote" oder "Ohne Mutter Beimer ist alles im Eimer." Seit der ersten Folge im Dezember 1985 war die Sendung für Weber zu einer festen Größe geworden.

Kollegen auf der Demo getroffen

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"Die Zuschauerzahlen mit rund 2,5 Millionen Zuschauern stimmen, aber das will die ARD nicht wahrhaben und verweist auf die zu hohen Kosten in der Produktion mit Berufsschauspielern und speziellen Kinderbetreuern für die Kinderdarsteller", resümiert Marco Weber. In Köln habe er langjährige Schauspielkollegen der Gemündener Scherenburgfestspiele wie Till Brinkmann, den ehemaligen Lindenstraßenschauspieler Franz Rampelmann (verkörperte Olaf Kling) oder Marco J. von der Serie "Schwiegertochter gesucht" getroffen. Leider seien die aktuellen Schauspieler der "Lindenstraße" nicht da gewesen. "Die haben wohl einen Maulkorb verpasst bekommen und durften nicht demonstrieren", vermutet der Laienschauspieler, der seit vielen Jahren bei den Scherenburgfestspielen in Gemünden mitwirkt. Am 2. Februar findet die nächste Demonstration zum Fortbestand der Serie statt, dann in München. Manche Demonstranten fanden die Resonanz in Köln überwältigend, andere waren enttäuscht, dass nicht mehr kamen. Als nächstes will Weber Briefe an den Vorsitzenden des WDR-Rundfunkrates schreiben. "Einfache Protestbriefe werden dort einfach ignoriert. Nur wenn eine Programmbeschwerde eingereicht wird, wird der Einwand auch gezählt."

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